Trimondi Online Magazin (original) (raw)

�Nothing New�

Der Dalai Lama zum sexuellen Missbrauch im Tibetischen Buddhismus

Der Fall �Sogyal Rinpoche� und die buddhistische #MeToo Bewegung

Der Fall des Lamas Sogyal Lakar Rinpoche besch�ftigt seit 2017 die buddhistische Welt weit �ber den Lamaismus hinaus. Er k�nnte sich zu einer schicksalhaften Ersch�tterung des gesamten tibetischen Religionssystems auswachsen. Deswegen klingen �berall die Alarmglocken und die Elite des Lamas bis hinauf zum Dalai Lama versucht, die Welle, die da auf sie einst�rzt, einzud�mmen. Der Fall mag sich in der Tat als das gro�e Signal erweisen, der zahlreichen westlichen Anh�ngern des Tibetischen Buddhismus endlich die Augen �ffnet und ihnen bewusst macht, dass sie von dieser �Religion� betrogen und an der Nase herum gef�hrt wurden.

Sogyal Rinpoche, wahrscheinlich der bekannteste Lehrer des tibetischen Buddhismus nach dem Dalai Lama, wurde ber�hmt durch sein Buch Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben, von dem er �ber drei Millionen Exemplare verkaufte und das zu den Klassikern der modernen tibetisch-buddhistischen Literatur z�hlt. Er trat auch in Bernardo Bertoluccis Film Little Buddha auf. Der 1948 in Tibet geborene Lama geh�rt der Nyingmapa-Tradition an. Seine Organisation (Rigpa) ist auf der ganzen Welt verbreitet. Sie umfasst 130 Zentren in 41 L�ndern. In Deutschland allein gibt es 18 davon. Den gr��ten Tempel des tibetischen Buddhismus im Westen (L�rab Ling) lie� er in Frankreich erbauen. Er ist dort fest im politischen und gesellschaftlichen Establishment verankert. Frankreichs ehemalige First Lady Clara Bruni, Premier Alain Jupp� und Au�enminister Bernard Kouchner besuchten den Tempel und die k�rzlich verstorbene Schauspielerin Jeanne Moreau bezeichnete sich als Sogyals Sch�lerin, ebenso das Mannequin Estelle Lef�bure.

Schon seit den 90er Jahren ist der Rinpoche�(�Rinpoche� ist ein Ehrentitel und bedeutet �Der Kostbare�) zahlreichen Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs von Sch�lerinnen ausgesetzt. Einen H�hepunkt erreichte die Kritik, als im Jahre 2011 eine kanadische Fernsehstation einen Dokumentarfilm �ber sein ungez�geltes Sexualleben herausbrachte, bei dem mehrere Opfer interviewt wurden. (In the Name of Enlightenment � Sex Scandel in Religion � about Sogyal Rinpoche )

In der Tat wurde der Fall Sogyal Rinpoche mit dem Fall Harvey Weinstein verglichen. Bei diesem Vergleich schneidet der Lama weit schlechter ab als der Hollywood Producer und das nicht nur weil er seine spirituelle und nicht nur seine weltliche Macht missbraucht hat. Weinstein entschuldigte sich f�r sein Verhalten. Sogyal brauchte 6 Tage um auf den Rigpa Brief zu antworten und entschuldigte sich nicht. Er habe niemals niemandem etwas B�ses antun wollen, nie nach egoistischen Motiven gehandelt. Das w�re ganz undenkbar f�r ihn. Im Gegenteil, er habe sein ganzes Leben der Erf�llung des Buddhadarmas gewidmet. Fast alle Mitarbeiter von Weinstein wussten von seinem Verhalten und keiner ging damit an die �ffentlichkeit. Ebenso schwieg Sogyals Organisation Rigpa, als 2011 der Missbrauchsfall ihres Lehrers �ffentlich wurde und erkl�rten in einem Brief, dass sie fest hinter ihrem Meister st�nden. Es gab spezielle Schulungen (besser Indoktrinationen) der Studenten, wie sie sich loyal zu verhalten h�tte, wenn sie von Journalisten auf das Verhalten von Sogyal angesprochen w�rden. Im Fall von Weinstein wurde das Management seiner Firma nach dem Skandal ausgewechselt, im Fall Sogyal blieb die Management Hierarchie weiterhin bestehen. Die Manager von Weinstein beauftragten nach dem Skandal eine unabh�ngige Anwalts-Firma, um den Fall zu untersuchen. Der Rigpa Stuff k�ndigte das nur an und gaben bisher nicht bekannt, wer diese Untersuchung durchf�hren soll.

Trotz der Gewichtigkeit der Anschuldigungen konnte Sogyal immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Das lag nicht zuletzt daran, dass er von zahlreichen anderen Lamas, von westlichen Wissenschaftlern und insbesondere vom XIV. Dalai Lama, die alle von den Missbrauchsf�llen wussten, gesch�tzt und gedeckt wurde. Im Jahre 2018 gestand er �ffentlich zu, seit den 1990er Jahren davon gewusst zu haben. �Nothing New!� � sagte er. Das hinderte ihn nicht daran im Jahre 2008 mit gro�em Pomp zusammen mit der damaligen First Lady Carla Bruni Sarkozy den von Sogyal errichteten Tempel L�rab Ling einzuweihen.

Sogyal Rinpoche (right), the Dalai Lama (left) and France�s then first lady Carla Bruni Sarkozy attend the inauguration of Lerab Ling, in southern France, on August 22, 2008. Picture: AFP�Picture: AFP

Mit dieser Verschleierungspolitik durch das Lama-Establishment war Schluss, nachdem am 14. 07. 2017 acht langj�hrige und verdiente Sch�ler Sogyal Rinpoches einen 12-seitigen� Brief an Sogyal Lakar verfassten und ver�ffentlichten. Der Brief beschreibt ungeschminkt und detailliert die physischen, emotionalen, sexuellen, finanziellen und spirituellen Missbr�uche, die der �Der Kostbare� �ber Jahrzehnte betrieb. Die Anschuldigungen schlugen wie eine Bombe ein, da die Verfasser in der tibetisch buddhistischen Szene hohes Ansehen genossen.

Sogyal sah sich unter dem Druck dieses Briefes gezwungen, sein Leitungsamt von Rigpa niederzulegen und gab bekannt, er werde sich in einen mehrj�hrigen Retreat zur�ckziehen, unter anderem um sich auf seinen Tod vorzubereiten. Tatsache ist, dass er kurz danach noch durch Asien tourte und dort Lehrstunden abhielt. (1)

Das �ber Jahrzehnte entwickelte und vertuschte Machtmissbrauch des Rinpoches konnte jetzt nicht mehr vertuscht oder heruntergespielt werden. Seine Lama-Freunde, die alles gewusst hatten, gingen nun auf Distanz. Matthieu Ricard, franz�sischer Star-Lama, nannte das Verhalten, �unakzeptabel�. Er hatte ebenso wie der Dalai Lama das Treiben Sogyals jahrelang gedeckt. Auf die Frage, weshalb er und das Oberhaupt der Tibeter nicht reagiert h�tten, antwortete er: �Man muss wissen, dass der Buddhismus nicht nach einer hierarchischen Struktur organisiert ist, wie zum Beispiel die Katholische Kirche, wo sich die Priester vor ihren Bisch�fen und Kardin�len zu verantworten haben bis hinauf zur Spitze der Pyramide, dem Papst.� (2) Das ist zynisch, weil Ricard genau wei�, welch hohe moralische Autorit�t ein Wort des Dalai Lama innerhalb der ganzen tibetisch-buddhistischen Sangha besitzt. Im �brigen besteht zwar zwischen den verschiedenen Schulrichtungen des Lamaismus eine gewisse Autonomie, aber innerhalb jeder einzelnen �Sekte� ist die Hierarchie bei weitem strikter als im Katholizismus, weil die Gurus dort als absolute Gottheiten verehrt werden. Die Komplizenschaft des Dalai Lama mit Sogyal wurde schon im September 2016 in der franz�sischen Presse kritisiert. �Das schuldhafte Schweigen des Dalai Lama angesichts des verrufenen Sogyal Rinpoche.� � war ein Artikel in der Zeitschrift �Marianne� betitelt. Schon im Jahre 1996 wurde er auf einem Meeting von Buddhisten dazu aufgefordert, sich �ffentlich gegen�ber Sogyal zu positionieren, was er verweigerte. (3)

Nachdem der Lama-Skandal auch die b�rgerlichen Medien zu interessieren begann, blieb dem Dalai Lama nichts anderes �brig, als sich einzuschalten. Zuerst sagte er �Sogyal Rinpoche, mein sehr guter Freund, jetzt ist er in Schande [oder Ungnade?] gefallen.� (Sogyal Rinpoche, my very good friend. Now he is disgraced.) (4) Da der Sturm der Entr�stung innerhalb der Sangha weiter tobte und immer mehr Presseartikel erschienen, sah er sich gezwungen, etwas sch�rfer im Ton zu werden: Er rief sogar die Sangha-Mitglieder zum Widerstand auf, falls es zu Missbrauchsf�llen von Seiten ihrer Gurus kommen sollte:� �Wenn Menschen wirklich unter der Ausbeutung durch eine Institution leiden, dann sollten sie den Mut aufbringen diese Institution zu Fall zu bringen.� � Diese Gurus �benutzen den Namen des Dharma zur Ausbeutung. Sie selber praktizieren den Dharma nicht in der richtigen Art und Weise, einschlie�lich einiger Lamas.� (Dalai Lama speaks out about Sogyal Rinpoche) Damit war Sogyal Rinpoche gemeint, dessen Verhalten er immer gedeckt hatte.

Angesichts der Tatsache, dass dem Dalai Lama die Anschuldigungen gegen den Nyingmapa-Lama schon seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt waren, wirken die S�tze, die er im Jahre 2008 bei der Einweihung von Sogyals Pracht-Tempel sagte wie pure Ironie: �Hier in L�rab Ling wurde ein Zentrum errichtet, um die buddhistische Kultur, wie sie sich in Tibet entwickelt hat, in einer authentischen Form kennenzulernen.� (5) Immer mehr Menschen, insbesondere auch Buddhisten aller Schulrichtungen, wird es klar, dass das missbr�uchliche Verhalten Sogyals tats�chlich den Lamaismus in seiner �authentischen Form� darstellt, da dieses Religionssystem die sexuelle Ausbeutung von Frauen in seinen tantrischen Ritualen institutionalisiert hat. Im Westen werden solche sexuellen Praktiken von den Lamas als �verr�ckte Weisheit� (crazy wisdom) pr�sentiert. �All das [missbr�uchliche Verhalten Sogyals] wurde offiziell als Konzept der �verr�ckten Weisheit� gerechtfertigt, wonach die gro�en Meister unverst�ndliche Handlungen begehen d�rfen, welche f�r die normal Sterblichen unverst�ndlich sind.� � sagt Olivier Raurich, der schon fr�her wegen solcher Handlungen Rigpa verlassen hatte.(6) Ein von Sogyal an seine Sch�ler und Sch�lerinnen oft gerichteter Spruch lautete: �Die Quelle h�chsten Segens ist es, den Meister nicht als ein menschliches Wesen sondern als den Buddha selbst anzusehen.� (7)

0001%2B-%2BCopie�Sogyal Lakar Rinpoche, der Dalai Lama und Matthieu Ricard

�Wenn Sogyal f�llt, dann befinden wir uns alle in der Patsche.�

Source: https://bouddhanar.blogspot.com/

Zu Hilfe kam dem beschuldigtem Sogyal auch der bhutanische� Lama und Filmregisseur Dzongsar Jamyang Khyentse. In einem langen Statement spricht er spricht er �ber das Konzept des �Crazy Wisdom� des verstorbenen Ch�gyum Trungpa (1939-1987), der damit seine sexuellen �bergriffe, seinen exzessiven Alkoholkonsum, seine Verachtung und Bedrohung von westlichen Sch�lern und Sch�lerinnen rechtfertigte. Die �Verr�ckte Weisheit� sei Teil des tibetischen Vajrayana und deswegen habe Sogyal nichts falsch gemacht. Es m�sse deswegen als ein Verfehlen und ein Bruch der buddhistischen Gel�bde (Samaya) angesehen werden, wenn ein Sch�ler Handlungen des Gurus als �Missbrauch�� bezeichnet und ihn kritisiert. Das gelte schon f�r eine Kritik innerhalb der Gruppe, aber wenn diese noch �ffentlich zum Ausdruck gebracht werde wie in dem Rigpa-Brief sei eine solches Verhalten besonders verwerflich. Der Sch�ler sei dem Guru gegen�ber zum absoluten Gehorsam verpflichtet. Wenn dieses Gel�bde gebrochen werde, so ziehe dies schwere karmische Folgen nach sich. Der Sch�ler werde� in eine �Vajra H�lle� geworfen und m�sse dort ��onen �ber �onen� unertr�gliche Qualen erleiden. Er habe niemals das Recht und die F�higkeit, das Verhalten des Gurus zu kritisieren, selbst wenn ihm dieses als irritierend, neurotisch oder kriminell erscheine. Dem (unfehlbaren) Guru m�sse n�mlich alle Mittel anwenden, um das Ego seiner Sch�ler zu brechen und sie so auf den Erleuchtungspfad zu bringen. �Wir k�nnen die Vajrayana-Sichtweise nicht �ndern oder irgendeine �moderate� Version des Vajrayana-Buddhismus erfinden, nur um der westlichen Geisteshaltung des 21. Jahrhunderts zu gefallen.� � schreibt Dzongsar Khyentse.

Ursache daf�r, dass die Sch�ler in ihren Lehrern �unreine Verhaltensweisen� entdecken w�rden, liege darin, dass sie selber unrein seien und deswegen auch ihre Wahrnehmung von ihrem Lehrer. �Alles, was Sogyal Rinpoches kritische Sch�ler ihm vorwerfen, beruht auf ihrer Projektion. Ich wei�, es ist schwer zu akzeptieren, ich wei�, es scheint sehr real, aber trotz allem ist es eine Projektion.� Dzongsar Khyentse legitimiert voll den sexuellen Missbrauch seines Mit-Gurus und wirft seinen �kritischen Sch�lern� den Bruch der Samaya-Gel�bde vor. (8) Zynisch fasst Kyentse seine Ausf�hrungen mit dem Spruch zusammen: �Make Love not headlines!� (Macht Liebe und keine Schlagzeilen) Die buddhistische Zeitschrift Patheos meint hierzu �Im Aufwachen von #MeToo es ist umso wichtiger, M�nner zur Rede zu stellen, die Witze wie diesen fabrizieren und die dadurch die Vergewaltigungs-Kultur und vergiftete M�nnlichkeit normalisieren. Zurzeit verbergen sich viele Verk�nder dieser vergifteten Kultur� hinter Begriffen wie Samaya, Guru-Verehrung und Vajrayana.� (9)

Die �Deutsch Buddhistische Union� zeigte sich ebenfalls entr�stet, verhielt sich aber sehr vorsichtig und zur�ckhaltend: �Wir sind schockiert �ber Art und Umfang der schwerwiegenden Anschuldigungen die gegen Sogyal Rinpoche von langj�hrigen Sch�lerinnen und Sch�lern aus seinem n�chsten Umfeld gemeinsam vorgebracht wurden. [�] Sollten sich die Anschuldigungen als richtig erweisen, dann h�tte sich Sogyal Rinpoche vielfach in erschreckender Weise schuldig gemacht.� � �Aus unserer Sicht ist es erschreckend, wie lange sie [die Verfasser] nach ihrer Darstellung Handlungen, wie Dem�tigung, k�rperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch, hingenommen und gerechtfertigt haben, obwohl sie diese nicht nur beobachtet, sondern teilweise auch selbst erfahren haben. Denn darin wird deutlich, wie tief verwurzelt und irref�hrend das falsche Verst�ndnis der Beziehung zwischen Lehrer und Sch�lerinnen und Sch�ler war, wie es nach ihrer Aussage von Sogyal Rinpoche an sie vermittelt wurde.� (10) Der Brief der DBU ist opportunistisch gehalten und relativiert die Missbr�uche immer wieder mit S�tzen wie, �wenn die Anschuldigungen wirklich stimmen sollten.� Deswegen beschreibt die Psychotherapeutin Anne Deckert� ihn als ein erneutes Verschleierungsman�ver: �Wieso duckt sich die DBU weiter � und f�rdert durch Beistand dem T�ter gegen�ber und Verschleierung all dieser schrecklichen Verbrechen an Menschen genau das: dass es eben weiter gehen kann � nachdem Zeit ins Land gegangen ist, oder so mancher aus seinem Retreat �gereinigt und gel�utert� zur�ck gekehrt ist?� (11) Da ist die Franz�sische Buddhistische Union (Union Bouddhiste de France � UBF) weit sch�rfer. Sie hat Sogyals Organisation erst einmal ausgeschlossen. (Communiqu�suite au scandale li� � Sogyal Rinpoche)

Der Diskurs innerhalb der Sangha bleibt, obgleich jetzt dort sehr scharf Sogyals Verhalten verurteilt wird, mit wenigen Ausnahmen aus zwei Gr�nden weiterhin verlogen:

  1. Weil er nicht hinterfragt und diskutiert, weshalb Sogyals Missbrauchstaten Jahrzehnte lang von allen hohen Lamas bis hinauf zum Dalai Lama vertuscht wurden

  2. Weil sexueller und psychologischer Missbrauch keine Ausnahmeerscheinung des Tibetischen Buddhismus darstellt, sondern im System selber institutionalisiert ist

Aber es gibt immer mehr Stimmen, die diese beiden Punkte direkt ansprechen, zum Beispiel die GruppeBouddhisme au f�minin. Diese franz�sische Buddhistinnen weisen direkt darauf hin, dass Tibetische Buddhismus sexuelle und psychologische Gewalt nicht nur legitimiert und in den tantrischen Praktiken ritualisiert hat und dass daraus der Fall Sogyal �berhaupt erst verst�ndlich wird:� �Das Verhalten von Sogyal Rinpoche war in dieser Form nur m�glich innerhalb des Tibetischen Buddhismus. Da ist an erster Stelle der Guru-Kult zu nennen, der vom Sch�ler absoluten Gehorsam abverlangt und der in den Kl�stern gelehrt wird. Das hat eine solche Entgleisung von dieser Tragweite und Dauer erst m�glich gemacht. Was die Frauen anbelangt und was die tibetischen Jungendlichen �ber sie im Unterricht erfahren, so ist die Botschaft sehr klar: sie sind unsauber, gef�hrlich, �niedrig gestellter von Geburt�, was w�rtlich �bersetzt das Wort �Frau� auf Tibetisch bedeutet.�Es ist ihr �Karma� (gemeint ist ihr �Fehler�), wenn sie Frauen sind und das H�chste, was sie zu erwarten haben ist, dass sie als M�nner wiedergeboren werden. Andererseits n�hren die Tibeter die Vorstellung, dass die Westler �Barbaren� sind, die sich als unf�hig erweisen, ihre so subtilen und fortgeschrittenen Lehren �ber das Dharma zu verstehen und in die Praxis umzusetzen. Der Westen �bt in Asien eine Faszination aus, die aber gekoppelt ist mit einer Form der Verachtung.�

Der Artikel zeigt, dass genau dies das Verhalten von Sogyal war. Er kommt auch direkt auf den buddhistischen Tantrismus als die eigentliche Ursache hierf�r zu sprechen:��Wie es Stephen Batchelor in einem Interview: In the name of Enlightenment�darlegt, ist der tibetische Buddhismus die einzige Form des Buddhismus die in ihren Lehren sexuelle Beziehungen zwischen Sch�lerinnen und Guru erlaubt. Ganz offensichtlich ist das die offene T�r f�r all diese �Entgleisungen�.� (12)

V�llig klar werden die eigentlichen systeminternen Ursachen f�r den Fall Sogyal in dem k�rzlich erschienenen Buch von Christine Chandler Enthralled � The Guru Cult of Tibetan Buddhism� (Verzaubert � Der Guru-Kult des Tibetischen Buddhismus). Die zentrale Absicht ihrer Recherchen und pers�nlichen Erfahrungsberichte ist es, zu zeigen, dass es sich beim Lamaismus nicht um eine Religion sondern um einen fundamentalistischen Guru-Kult handelt, der die sexuelle und psychologische Ausbeutung von Frauen dogmatisch und praktisch kodifiziert hat. Chandler kommentiert den Rigpa-Brief mit Zitaten aus ihrem Buch, die wir hier in Deutsch zusammen mit der �bersetzung des Briefes abdrucken.

Wer ist Chris Chandler? Sie geh�rte fast 30 Jahre lang der Karma Kagy� Linie an, der popul�rsten lamaistischen Sekte in den Vereinigten Staaten. An der Northeastern University absolvierte sie ein Studium in Psychologie und spezialisierte sich anschlie�end auf System Theorie. Irgendwann kamen ihr die ersten Zweifel am Tibetischen Buddhismus. Es dauerte jedoch Jahre, �ber die sie eindrucksvoll schreibt, bis ihr der Ausstieg gelang. Sie erlebt heute die Zeit in ihrer Gruppe so, als sei sie st�ndig in einem Trancezustand�befunden.

Der Fall Sogyal Rinpoche hat uns schon in unserem 1998 publizierten Buch� Der Schatten des Dalai Lama � Sexualit�t, Magie und Politik im Tibetischen Buddhismus besch�ftigt und dieses wieder hoch aktuell werden lassen. (Die englische �bersetzung The Shadow of the Dalai Lama� ist im Trimondi Online Magazin abgedruckt). Wir haben damals seinen Prozess vor dem Supreme Court of Santa Cruz (1992 � 1994), wo er wegen sexueller Gewaltaus�bung angeklagt war, als eines von mehreren Beispielen ausf�hrlicher erw�hnt, das die Existenz eines symbolischen und rituellen �Frauenopfers� als das zentrale Kultmysterium des tantrischen Buddhismus bebildert. (The Tantric Female Sacrifice) Unsere Recherchen, Erkenntnisse und Thesen hierzu finden insbesondere auch von buddhistischer Seite immer mehr Best�tigung und Zustimmung. Christine Chandler schreibt in der Danksagung ihres Buches: �Es ist sicher, dass der [�Schatten des Dalai Lama�] eine wissenschaftliche Schatztruhe werden wird, wenn der Westen aus seiner Shangri-La Trance erwacht, wie er es dabei ist zu tun.�

Victor und Victoria Trimondi

Fussnoten

(1) Sogyal Rinpoche to enter �period of retreat and reflection� following allegations of abuse � in: https://www.lionsroar.com/rigpa-press-release-responds-to-allegations-of-abuses-by-sogyal-rinpoche/ mm

(2) A point of view � in:�http://www.matthieuricard.org/en/blog/posts/a-point-of-view--2

(3) Le silence coupable du Dala� Lama face au sulfureux Sogyal Rinpoch� � in : www.marianne.net/societe/le-silence-coupable-du-dalai-lama-face-au-sulfureux-sogyal-rinpoche

(4) Dalai Lama Speaks Out About Sogyal Rinpoche � in: https://whatnow727.wordpress.com/2017/08/08/dalai-lama-speaks-about-sogyal-rinpoche/

(5) L�rab Ling � in: https://fr.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9rab_Ling

(6) Bouddhisme : l'imposture Sogyal Rinpoch� � in : https://www.marianne.net/societe/bouddhisme-limposture-sogyal-rinpoche

(7) Sexual assaults and violent rages... Inside the dark world of Buddhist teacher Sogyal Rinpoche � in: http://www.telegraph.co.uk/men/thinking-man/sexual-assaults-violent-rages-inside-dark-world-buddhist-teacher/

(8) Reaktionen hoher Lamas auf den Rigpa Skandal um Sogyal Rinpoche � in: http://ezw.kjm6.de/nlgen/tmp/1508399609.html

(9) In wake of #MeToo http://www.patheos.com/blogs/americanbuddhist/2017/10/in-wake-of-metoo-a-tibetan-buddhist-lama-offers-a-teacher-student-sex-contract.html#x4KgCPzD66JALka8.99

(10) Stellungnahme des Rates der DBU zu den Anschuldigungen gegen Sogyal Rinpoche � in: www.buddhismus-deutschland.de/#Stellungnahme

(11) Stellungnahme zur DBU-Stellungnahme zu der Situation im Zusammenhang mit Sogyal Rinpoche � in: http://blog.buddhistische-sekten.de/stellungnahme-zur-dbu-stellungnahme-zu-der-situation-im-zusammenhang-mit-sogyal-rinpoche/

(12) Sogyal Rinpoche ou les derives du Bouddhisme Tibetain � in : https://www.bouddhismeaufeminin.org/sogyal-rinpoche-ou-les-derives-du-bouddhisme-tibetain/