Kindergedichte (� Frank L. Ludwig) (original) (raw)
Was die Gespenster tags�ber machen
Ihr kennt bestimmt schon mancherlei Geschichten,
die von Gespenstern in der Nacht berichten,
Wie sie durch alte dunkle Keller schwirren
und schrecklich mit den schweren Ketten klirren.
Doch wo die Geister wohl am Tage bleiben,
und was sie wohl in ihrer Freizeit treiben?
Aus Neugier hab ich einem aufgelauert
des Nachts, und es hat gar nicht lang gedauert -
Die Turmuhr hatte eben zw�lf geschlagen,
da h�rte ich ein Jammern und ein Klagen,
Ein Kettenrasseln und ein lautes Weinen
und sah auch schon das Nachtgespenst erscheinen.
Es drehte traurig heulend seine Runde
und spukte dort im Keller eine Stunde.
Dann sah es mich, obwohl ich mich nicht regte,
worauf die Ketten es vom Fu� sich legte,
Mit einem Schrei nach oben hin entschwebte
und dorthin flog, wo es tags�ber lebte.
Ich folgte diesem Nachtgespenst beh�nde
durch Mauern und durch meterdicke W�nde,
Durch Wald und Feld, in jede Himmelsrichtung,
und endlich kamen wir an eine Lichtung.
Dort a� es aus dem B�chlein noch zwei Fische
und legte sich zum Schlafen in die B�sche.
Lang lag es dort mit ausgestreckten Armen,
als Frau und Kinder auch nach Hause kamen.
Und als sie sich dort an der Lichtung trafen,
da legten sie sich auch recht bald zum Schlafen,
Wobei sie sich mit Rosenzweigen deckten,
bis sie die ersten Sonnenstrahlen weckten.
Da schwirrten alle aus, um fr�hzust�cken,
um Fr�chte oder Beeren sich zu pfl�cken,
Auch N�sse, Wurzeln und manch andre Sache;
die Mutter sch�pfte Wasser aus dem Bache,
Der Vater sammelte viel s��e Bl�ten,
aus denen einen Fr�chtetee sie br�hten.
Die Kinder sangen nach dem Fr�hst�ck Lieder,
versteckten sich im Ginster und im Flieder,
Probierten aus viel sch�ne neue T�nze,
sie wanden sich aus G�nsebl�mchen Kr�nze,
Sie banden sich aus Halmen kleine Schleifchen,
der Vater sa� im Gras mit seinem Pfeifchen
Und lie� im Wasser baumeln seine Waden;
die Mutter sprang ins B�chlein, um zu baden.
Ich sah sie sich den ganzen Tag vergn�gen
mit Spielen oder In-der-Sonne-liegen.
Am Abend gab es Fr�chte - wirklich frische -
und dazu aus dem Bach noch ein paar Fische.
Dann ging der Mond auf hinter einer Linde,
und pl�tzlich wehten k�hle Abendwinde.
Die Nacht kam zu den Geistern und den Tieren;
der Vater fing als erster an zu frieren.
�Jetzt wird es kalt", begann er laut zu fluchen,
�nun m�ssen wir uns einen Keller suchen.
Wir m�ssen wieder an der Kette gehen,
sonst wird die Zugluft uns nach drau�en wehen.
Auch d�rfen wir nicht so viel L�rm mehr machen,
ihr Kinder d�rft auch nicht so laut mehr lachen,
Dass uns die ernsten Menschen nicht entdecken,
die uns so gerne in der Nacht erschrecken,
Die uns so oft verjagten und vertrieben -
ach, wenn sie heute doch im Bettchen blieben!"
Ihr seht, dass alle Geister, die euch trafen,
nichts weiter m�chten als in Ruhe schlafen.
Und sollten sie versehentlich euch wecken,
so d�rft ihr die Gespenster nicht erschrecken.
Und wenn sie euch aus euren Tr�umen holen,
dann schleicht zu ihnen hin auf leisen Sohlen;
Das Beste wird es sein, ihr bringt ein Kissen,
dass sie nicht auf dem Boden schlafen m�ssen.
Der Kranich
Es war einmal ein Kranich,
den warf aus seiner Bahn ich.
Ich sagte: "Du bist tranig."
Er rief: "Das bin ich gar nich!
Ich bin nich und ich war nich
das kleinste bisschen tranig!"
Dann ging er, und ich sah nich
dass er davon flog. "Fahr nich
in deinem Zustand", warn ich
den Vogel. Er sprach: "Spar nich
auf's Altenteil. Glaub ja nich
dass dich die Vogelschar nich
verspeist." - "Mich schreckt dein Clan nich;
ich f�rchte die Gefahr nich!
Jetzt habe einen Plan ich:
Ein Kranich der so tranig
gegrillt schmeckt sicher sahnig."
Der Plan missfiel dem Kranich,
doch sowas st�rt mich gar nich.
(In Zusammenarbeit mit meinen Nichten Elena und Jovana)
Kinderlied
Eltern, welche nur verbieten,
m�ssten l�ngst verboten sein:
was sie ohne Grund verbieten
tut erst recht, dann sehn sie�s ein.
Eltern, die die Kinder schlagen,
sind Verbrecher, allesamt:
wehre dich, wenn sie dich schlagen,
oder geh zum Jugendamt.
Eltern sind nur gro�e Kinder,
manchmal gut und manchmal schlecht,
und genau wie alle Kinder
haben sie nicht immer Recht.
Jeder kennt sich selbst am besten,
wie ihr sicher alle wisst:
Kinder wissen selbst am besten,
was das Beste f�r sie ist.
© Frank L. Ludwig