Who Decides What Wilber Means?, Edward Berge (original) (raw)
INTEGRAL WORLD: EXPLORING THEORIES OF EVERYTHING
Ein Forum f�r eine kritische Diskussion �ber die integrale Philosophie von Ken Wilber
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> �K�nstler sind nicht immer die besten Interpreten ihrer eigenen Werke"
WER BESTIMMT
WAS WILBER MEINT?
EDWARD BERGE
In seiner �Antwort auf Edwards� bemerkt Wilber, dass es viele integrale Modelle g�be, seines w�re nur eines davon. Das mag zwar richtig sein, doch �bersieht er dabei seinen einzigartigen Einflu� und seinen Beitrag auf die integrale Bewegung. Zwar ist Wilber's Modell nicht das einzige, aber es ist wahrscheinlich das meist bekannte und sicherlich das am meisten zitierte und beforschte. Wilber ist zu Recht bekannt als �Einstein des Bewusstseins� und Ber�hmtheiten wie Huston Smith, Roger Walsh, Frances Vaughan, Michael Murphy, Larry Dorsey und Jack Crittenden preisen ihn, und wiederum zu Recht. �Eros, Kosmos, Logos� wird nicht ohne Grund �eines der bedeutendsten jemals publizierten B�cher� genannt. So ist es verzeihbar, wenn man Wilber's Modell als das integrale Modell verehrt. Niemand hat mehr dazu beigetragen, diese Ideen dem Publikum mit solcher Eleganz und Eloquenz nahezubringen. Doch wenn das Wilber'sche Modell auch nicht das integrale schlechthin ist, so mu� dennoch sein Werk ber�cksichtigt werden, wenn es in der Diskussion um �integral� geht. Es nicht zu tun, w�re fahrl�ssig, und gleichzusetzen mit einer Diskussion �ber Relativit�t ohne Einstein, Existentialismus ohne Nietzsche oder den Captain ohne Tennille.
Aber wie sollen wir nun Wilber behandeln, wenn wir integrale Modelle diskutieren, insbesonders sein eigenes? In seiner �Antwort an Edwards� sagt Wilber, wenn jemand seine Version von integral kritisieren wolle, dann m�sse er es zuerst in einer Weise verstehen, dass �Ken Wilber zustimmt, dass es wirklich Ken Wilber's Modell darstellt�. Wilber bemerkt, dass nur diejenigen, die zuerst einmal seine Position korrekt bezogen haben, dann seine Arbeit einer g�ltigen Kritik unterzogen haben. Wilber stellt auch fest, dass die beste Art, sein Werk zu verstehen, sei, es mit dem Autor m�ndlich oder telefonisch zu diskutieren. Da Kritiker wie Edwards oder Harris dies nicht t�ten, w�rden sie sein Werk schrecklich verstellen oder verzerren. Wilber behauptet, sein Werk h�tte sich durch authentische Kritik in pers�nlichem Kontakt entfaltet.
Die Kapitel 4 & 5 von �Augen der Erkenntnis� (�Theorie der Integralen Kunst und Literatur�) werden herangezogen, um Hintergrund-Kontext f�r eine Analyse f�r Wilber's obige Behauptungen zu bieten. M�glicherweise ist das nicht Wilber's neuester Stand zu diesem Thema, da es 1997 gedruckt wurde. Allerdings wurden diese Kapitel j�ngst auf Integral Naked ver�ffentlicht, zusammen mit dem Wachowski - Interview zur Interpretation von �The Matrix�, soda� man davon ausgehen kann, dass es als aktueller Rahmen f�r Interpretation von Kunst und Literatur geeignet ist. Anzumerken ist aber, dass direkter Dialog mit Wilber beim Schreiben dieses Essays nicht stattgefunden hat. Daher k�nnte jemand, der Wilber's obige Pr�missen akzeptiert, dies als eine weitere unzul�ssige Kritik zur�ckweisen, die nur auf seinem geschriebenen Werk beruhe. Hier allerdings mu� bemerkt werden, dass die oben angef�hrten Kapitel Wilber's Behauptungen in seiner �Antwort auf Edwards� widersprechen.
�Das Wahre, Gute und Sch�ne� bemerkt, dass man sich integraler k�nstlerischer und literarischer Deutung nur von einer ganzen Reihe an Kontexten ann�hern kann, einschlie�lich der Intention des K�nstlers, dem Kunstwerk selbst, der Geschichte der Aufnahme und Rezeption, und der �konomischen, sprachlichen, technischen und kulturellen Kontexte, in denen dieses Werk entstand. Entsprechend diesen verschiedenen Kontexten f�r Interpretation
�gibt es keine singul�re richtige Interpretation, da kein Holon nur einen einzigen Kontext hat� (S. 134)�.
Die erste Annahme in Wilber's Behauptung lautet, dass jemand, der sein Werk interpretiert, mit ihm als origin�rem Ziel �bereinstimmen m�sse. Offensichtlich beruht das auf dem Kontext, die Absicht des Autors als Ziel des Werkes. Doch wie oben gezeigt, ist das nur einer von mehreren Kontexten, der bei einer Interpretation in Betracht kommt.
�Alle Definitionen, die versuchen, Kunst auf die origin�re Absicht und dessen Ausdruck zu beschr�nken, sind gescheitert. Der Grund daf�r ist nat�rlich, dass das urspr�ngliche Holon ein Ganzes ist, das wiederum Teil von anderen Ganzen ist. (S. 116)�
Interpretation mu� die Absicht des Autors beinhalten, aber sie kann nicht darauf allein beschr�nkt werden, da es �keine singul�r richtige Interpretation gibt�.
Eine andere Annahme ist, der Sch�pfer eines Werkes sei sich aller seiner Absichten bewusst, und sei daher der Einzige, der qualifiziert ist, die Absicht des Werkes zu bestimmen. Verschiedene Symptom-Theorien postulieren, dass der Sch�pfer oft seiner Absichten und Motive nicht bewusst sei. So z.B. begr�ndet die psychoanalytische Interpretation obiges durch verschiedene pers�nliche Komplexe und findet oft, dass bewusste und unbewusste Motivationen einander widersprechen. Aus dieser Sicht braucht man nat�rlich eine neutrale Person oder Au�enstehende , um die vielen Bedeutungen zu analysieren und interpretieren, die f�r den Einzelnen nicht bemerkbar w�ren. Nicht-involvierte Literaturkritiker w�rde auch jene beinhalten, die nicht unbedingt mit dem Autor in �bereinstimmung bez�glich seiner Absichten sein m�ssen, geradeso wie ein Psychoanalytiker auch nicht zuerst mit dem Patienten �bereinstimmen mu�, was dessen Absichten seien. Denn eigentlich ist es nicht Ziel des Therapeuten, seinem Patienten zuzustimmen, sondern eine therapeutische Perspektive einzunehmen und Einsichten bereitzuhalten, die �ber die begrenzte Sicht des Patienten hinausgehen. Die gleiche Dynamik ist auch auf literarische Kritik und Interpretation anzuwenden.
Letzteres ist relevant f�r Wilber's Bemerkung, er habe wertvolle Kritik bekommen durch jene, mit denen �Ken Wilber �bereinstimme, dass es wirklich Ken Wilber's Modell sei�. Das ist sicher ein g�ltiger Kontext, die origin�re Absicht des Autors innerhalb eines hermeneutischen Zirkels auszumachen. Und infolge Wilber's Gr��e, und der seines inneren Zirkels an Kritikern, mu� dieser Sicht in jedem integralen, interpretierenden Ann�herung seri�ses Gewicht gegeben werden. Doch es gibt viel mehr Kontexte au�erhalb dieses Zirkels, die gleicherma�en g�ltig sind und die einbezogen werden m�ssen. F�r eine detailliertere Erkl�rung �ber geschlossene hermeneutische Zirkel und ihre Begrenzungen siehe Peckinpah's Essay. Hinsichtlich g�ltiger Punkte zu einem notwendigen, breit angelegten wissenschaftlichen Diskurs und akademischer �berpr�fung, siehe die Essays von Edwards, Harris und Ross.
Eine Arbeit kann also interpretiert werden durch Untersuchung des Werkes selbst, in diesem Fall also von Wilber's Texten. Dieser Kontext erforscht die Verbindungen zwischen den Elementen der Arbeit hinsichtlich Kriterien wie Koh�renz, Konsistenz, Vollst�ndigkeit und Harmonie. Dieser Kontext behauptet:
� wenn der K�nstler Absichten hatte, die im Kunstwerk dann nicht sich ausdr�ckten, so hat der K�nstler in dieser Hinsicht einfach versagt�
und
�K�nstler sind nicht immer die besten Interpreten ihrer eigenen Arbeiten� (S. 120)�
In dieser Sicht nun sind Edwards Kritikpunkte relevant, da er g�ltige Fragen zu den obigen textuellen Elementen in Wilber's geschriebenen Arbeiten behandelt. Wenn nun Wilber etwas anderes beabsichtigte, als er in seinen Texten geschrieben hat, oder wenn diese Texte unklar sind, dann �hat der K�nstler in dieser Hinsicht einfach versagt�. Und wenn der K�nstler nicht immer der beste Interpret seiner eigenen Arbeit ist, dann m�ssen andere den Faden aufgreifen, sowohl in einem inneren Kreis als auch in breiterem wissenschaftlichen Diskurs und �berpr�fung.
Rezeption und Antwort -Theorien erkennen, dass Wesen und Sinn einer Arbeit in den Antworten der Betrachter selbst liegen.
�Wenn ich ein Kunstwerk betrachte, so hat es Sinn f�r mich. Jedesmal, wenn ein Betrachter ein Werk sieht und es zu verstehen versucht, passiert etwas, das Gadamer so klar als �Verschmelzen der Horizonte� bezeichnet � und, wie ich es bezeichnen w�rde, ein neues Holon emergiert, das nun selbst einen neuen Kontext darstellt und dadurch neuen Sinn bringt.� (S. 127)
Genau das wurde in Wachowski's Interview �ber �The Matrix� auf Integral Naked beleuchtet. Wachowski sagte, er g�be deshalb keine eigene Interpretation, damit sie nicht die einzige dogmatisch korrekte Interpretation des Films w�rde. Er will, dass das Publikum selbst dar�ber nachdenkt und zu eigenen Interpretationen kommt. Diese Meinungen sind genauso fundamental f�r das Werk wie die origin�ren Absichten des Erfinders.
G�ltige Interpretationen werden auch aus der kumulativen Geschichte der Reaktionen der Betrachter innerhalb eines breiteren kulturellen Hintergrunds hergeleitet. Diese Ausrichtung wurde wesentlich durch Heidegger's Feststellung der Historizit�t von Wahrheit beeinflusst. Wahrheit wird weniger in objektiven Fakten gefunden, als vielmehr in wechselnden historischen Kontexten.
�Das Kunstwerk existiert nicht von selbst, au�erhalb der Geschichte, isoliert und selbstbez�glich, indem es nur aufgrund des Blicks auf sich selbst existiert; eher ist die einzige Weise, wie wir ein Kunstwerk erkennen, durch Anschauen und Interpretieren, und es sind diese geschichtlich begr�ndeten Interpretationen, die die gesamte Kunst ausmachen� (S. 112).
Diese Hintergr�nde beinhalten �konomische und kulturelle Faktoren. Marxisten zum Beispiel weisen darauf hin, dass das Werk verschiedene �konomische Faktoren widerspiegelt, derer sich der Sch�pfer unbewusst sein k�nnte, oder in denen er befangen sei. Ray Harris hat auch begr�ndet darauf hingewiesen, dass manche von Wilber's Annahmen gepr�gt seien von einer ausgesprochen Amerkanischen Interpretation.
Eine integrale Ann�herung an Kunst und Literatur-Interpretation mu� die verschiedenen oben erw�hnten Kontexte beinhalten, aber zugleich die in ihnen vorhandenen Beschr�nkungen und Vorurteile transzendieren. �Das Wahre, Gute und Sch�ne� bemerkt, dass
�jeder Kontext dem Kunstwerk einen anderen Sinn beisteuern wird � (S. 112)
und
�Jeder ist richtig, wenn er seinen eigenen Kontext beleuchtet� (S. 113)�
Das Problem entsteht dann, wenn eine Theorie versucht,
�ihren Kontext als den einzigen Kontext darzustellen, der einer seri�sen Betrachtung w�rdig w�re� (S. 113).
Dieses Essay kommt zum Schlu�, dass zwar Wilber's Interpretationen und die inner- hermeneutisch zirkul�ren Interpretationen seiner Arbeit absolut notwendig sind, aber sie sind nicht ausreichend. Die anderen oben genannten Kontexte, inklusive der Beitr�ge von Edwards und Harris, m�ssen einbezogen werden und gleichberechtigt bei Wilber's Gesamtinterpretation behandelt werden.
Edward Berge hat Ken Wilber und alles Integrale seit 1998 studiert. Er graduierte summa cum laude mit einem BA in englischer Literatur an der Arizona State University und ist Mitglied der Phi Beta Kappa National Honor Society. Beruflich war er K�rpertherapeut und ist derzeit Versicherungsbeauftragter mit Schwerpunkt medizinischer Fehler. Seine Begabungen liegen in Tanz, Forschung, Schreiben und Liebe, aber auch Kritik von Kunst und Literatur. Edward kann unter theurj@netzero.net erreicht werden.
�bersetzt von Walter Urbanek