Museum (original) (raw)

Das Musée du Louvre in Paris (2007)

Ein Museum (von altgriechisch μουσεῖον mouseîon, ursprünglich ein Heiligtum der Musen) ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.

Ziel eines Museums ist, materielle und immaterielle Zeugnisse zu einem bestimmten Thema fachgerecht und dauerhaft aufzubewahren und Besuchern zugänglich zu machen. Bestände, die aus Platzmangel nicht dauerhaft gezeigt werden können, werden im Depot verwahrt.

Insbesondere seit den 1970er-Jahren haben sich Museen im deutschsprachigen Raum mehr und mehr als Lernorte zur Wissensvermittlung verstanden.[1] Heute befindet sich der Begriff des Museums im Wandel, da zunehmend eine stärkere Kontextualisierung vor allem archäologischer und historischer Artefakte gefordert wird.[2]

Meistens wird von den Besuchern ein Eintrittsgeld erhoben.[3]

Im Juli 2023 haben die Nationalkomitees des internationalen Museumsverbandes – ICOM Belgien, ICOM Deutschland, ICOM Österreich und ICOM Schweiz eine allgemeingültige, deutsche Übersetzung der auf der außerordentlichen Generalversammlung beschlossenen, aktualisierten Museumsdefinition veröffentlicht:

„Ein Museum ist eine nicht gewinnorientierte, dauerhafte Institution im Dienst der Gesellschaft, die materielles und immaterielles Erbe erforscht, sammelt, bewahrt, interpretiert und ausstellt. Öffentlich zugänglich, barrierefrei und inklusiv, fördern Museen Diversität und Nachhaltigkeit. Sie arbeiten und kommunizieren ethisch, professionell und partizipativ mit Communities. Museen ermöglichen vielfältige Erfahrungen hinsichtlich Bildung, Freude, Reflexion und Wissensaustausch.“

– Beschluss der außerordentlichen Generalversammlung am 24. August 2022 in Prag[4]

Das Wort Museum (altgriechisch μουσεῖον mouseîon) taucht zum ersten Mal in der hellenistischen Antike auf und bezeichnete ein Heiligtum der Musen. Das im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründete Museion von Alexandria war eine der bedeutendsten Forschungseinrichtungen der Antike, ihm angegliedert war die Bibliothek von Alexandria.

Die Bezeichnung Museum taucht in der Renaissance wieder auf. Der Humanisten Paolo Giovio bezeichnet den Teil seines Hauses in Como, die seine Sammlung zeigte Musaeum. 1546 erscheint dazu der erste gedruckte Sammlungskatalog „Musaei Joviani Descriptio“ seiner privaten Gemälde.[5]

Zumeist benutzte man zu dieser Zeit das Wort 'Museum' jedoch in Anlehnung an die Bibliothek von Alexandria für Bibliotheken, wie etwa der Kunsthändler Philipp Hainhofer bei seiner Beschreibung der Bibliothek des Kurfürsten von Sachsen.[6]

Als allgemeiner Begriff fungiert die Bezeichnung erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert für eine Institution mit einer öffentlichen Sammlung (neben Pinakothek oder Glyptothek).

Bereits die Ptolemäer und die Könige von Pergamon unterhielten große Kunstsammlungen. Der Tempel des Friedens (auch bekannt als Forum Pacis) in Rom, der von Kaiser Vespasian im Jahr 75 n. Chr. errichtet wurde, kann ebenfalls als eine der frühesten Formen eines Museums betrachtet werden. Er beherbergte eine Sammlung von Kunstwerken und Schätzen, darunter Beutestücke aus Jerusalem, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dies diente sowohl der Selbstdarstellung des Kaisers als auch der Vermittlung von Kultur und Geschichte.

Das Gebäude des Dresdner Kurfürstlichen Stalls (1586–1588) in seiner heutigen Neo-Renaissance-Form

Das erste Museum der Neuzeit war das Renaissance-Stallgebäude „_Kurfürstlicher Stall und Stallhof Dresden_“ (später Johanneum genannt) in Dresden, erbaut zwischen 1586 und 1588. In diesem präsentierte der sächsische Kurfürst Christian I. nicht nur seine kostbaren 128 Elitehengste, sondern auch mehr als 50 geschnitzte Figuren von Pferden und Reitern, Schlitten, Waffen und historischen Rüstungen. In diesem Stallgebäude wurden von Anfang an Führungen angeboten, und der Stall wurde zudem bereits im ersten Reiseführer der Region im Jahr 1632 beschrieben.[2]

Zum Zweck der Ausstellung, die bewusst auf das Thema der teuren Pferde der Reitkunst ausgerichtet war, wurden das Innere und Äußere des schlossartigen Stalls aufwendig bemalt. Ein Automat verteilte Willkommensgetränke, und mehr als 35 Räume wurden mit den Accessoires der Pferde dekoriert.[2]

Der ursprüngliche Zustand des Dresdner Stallgebäudes in der Renaissance.

Dieses prunkvolle Pferdemuseum wurde durch die Ablehnung von Bildern im Zuge der Reformation motiviert.[2] Es wurde jedoch begleitet von einer Ahnengalerie der Wettiner, die ebenfalls ab 1588 im Langen Gang in Dresden zu besichtigen war und zu der ein Führer erstellt wurde. Das Hauptaugenmerk lag jedoch auf den Pferden, während das Traktat 'Bedenken wie eine Kunstkammer aufzurichten sey' Christian I. ab 1587 zugänglich war.[7]

Eine andere Art von Museen entstand aus privaten Sammlungen wohlhabender Einzelpersonen, Familien oder Institutionen, die Kunstwerke, seltene oder kuriose Naturgegenstände und Artefakte zusammentrugen. Diese Wunder- oder Kunstkammern des Adels oder kirchlicher Würdenträger oder speziellen privaten Kunstsammlungen waren anfänglich allerdings noch nicht dem Publikum, sondern lediglich limitierten Besuchern zugänglich.[8]

Eine der ältesten Kunstkammern befand sich ab ca. 1560 in Schloss Ambras in Innsbruck. Eine weitere Kunstkammer befand sich in der 1558 und 1563 erbauten Wiener Hofburg, deren Fundamente im März 2013 wiederentdeckt wurden.[9] Auch das Dresdner Residenzschloss enthielt ab ca. 1560 eine Kunstkammer, die in den noch heute bestehenden Dresdner Kunstsammlungen aufging.

Noch älter waren einige der Rüstkammern, wie etwa die Dresdner Rüstkammer aus dem 15. Jahrhundert, die ab 1588 im Dresdner Stallgebäude öffentlich zu besichtigen war.[2]

Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelten sich zudem an den größeren fürstlichen Höfen und im Vatikan bedeutende Sammlungen. Beispiele sind:

Nach der Französischen Revolution entstanden ausgehend vom Louvre und dem Musée des Monuments français große, programmatisch der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Museen.[12] Im Zuge der Revolutionskriege und der Säkularisation wurden riesige Kunst- und Kulturbestände beweglich. Im frühen 19. Jahrhundert wurden bedeutende öffentliche Museen eingerichtet, so in München die für antike Kunst bestimmte Glyptothek sowie die Alte und Neue Pinakothek, in Berlin das Alte und das Neue Museum, das Germanische Museum in Nürnberg, die Neue Eremitage in Sankt Petersburg und das Kunsthistorische Museum in Wien. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahmen auch die naturwissenschaftlichen und technischen Museen einen Aufschwung.

In einigen Städten im deutschen Sprachraum kam es im 19. Jahrhundert zu bürgerlichen Gründungen von Museen, beispielsweise das Städel-Museum in Frankfurt am Main. Vielfach sind Vereine auch mit speziellen oder regionalem Bezug tätig geworden, z. B. in Heimatmuseen oder Bergbaumuseen, darunter der Geschichts- und Museumsverein in Alsfeld, 1897.

Im 20. Jahrhundert wurden die Museen stark von politischen Ereignissen beeinflusst. So wurde in Deutschland die sogenannte entartete Kunst aus den Museen entfernt, während im Zweiten Weltkrieg in den von Deutschland besetzten Ländern erhebliche Mengen an Kulturgut konfisziert und nach Deutschland transportiert wurden. Zugleich wurden in ganz Europa Kunstgüter ausgelagert, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde versucht, den Kontakt des Museums zum Publikum zu verbessern, um den sterilen Charakter der Präsentation aufzuheben.[13]

Heute trägt man mittels besonderer Formen wie dem Erlebnismuseum, Museen lebender Pferde, wie dem musee vivant du cheval in Chantilly, oder stärker kontextualisierten Museen dem gewandelten Besucherinteresse Rechnung.

Die nicht-kontextualisierte Ausstellung von archäologischen Funden wurde teils als 'inhuman' oder als 'Aufforderung zur Plünderung' bezeichnet.[14]

Prozesslandkarte der Kernprozesse im Museum

Prozesslandkarte der Kernprozesse im Museum[15]

Die Kernaufgaben von Museen liegen im Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln[16]. Zugleich sind Museen Organisationen, die den Theorien der Arbeitswissenschaft und der Organisationstheorie zufolge komplex aufgestellt sind. Um ihre Aufgaben systematisch erfüllen zu können, greifen Museen auf ein Bündel ineinandergreifender Arbeits- und Geschäftsprozesse zurück, die sich den drei Prozessebenen Führungs‑, Kern- und Unterstützungsprozesse zuordnen lassen. Zu den Führungsprozessen zählen Aufgaben der Steuerung etwa im Bereich der Strategie, der Konzeptentwicklung sowie der Organisationsentwicklung, aber auch der Personalführung, der Förderung der internen Qualifizierung und Weiterbildung oder der externen Kooperationen. Die Kernprozesse beziehen sich auf die unterschiedlichen Aspekte musealer Arbeit wie der Sammlungspflege, der Forschung, der Ausstellungsarbeit und der museumspädagogischen Vermittlungsarbeit. Die Unterstützungsprozesse beziehen sich dagegen auf die Administrations- und Verwaltungsaufgaben. Zu ihnen zählen etwa die Bewirtschaftung der Außenanlagen und der Gebäude, das Technikmanagement mit Sicherheits-, Präsentations- und Bürotechnik sowie der weitere administrative Bereich mit der Verwaltung, der Budgetverwaltung und Buchhaltung, der Dokumentation oder der Einkauf. Darstellen lässt sich dies als Prozesslandkarte, ein aus dem Qualitätsmanagement stammendes Instrument zur Darstellung von Geschäftsprozessen.

Neben der Museumspädagogik, der Restaurierung und Werterhaltung unterhalten sämtliche Museen Schausammlungen (ständige Ausstellungen) sowie sehr häufig Sonderausstellungen (auch mit Werken anderer Museen). Dabei dienen Museen nicht nur der Zugänglichkeit und dem Erhalt der Exponate, sondern beeinflussen auch deren Wahrnehmung als Kulturgut.[17] In Museen die mit religiösen Objekten arbeiten werden nicht nur die Herkunft und die Erhaltung eines Objekts berücksichtigt, sondern auch dessen frühere Verwendung und Status. Religiöse oder heilige Gegenstände werden beispielsweise nach kulturellen Regeln behandelt. Jüdische Gegenstände, die den Namen Gottes enthalten, dürfen nicht entsorgt werden, sondern müssen begraben werden.[18]

Weitere Aufgaben eines Museums können die Führung einer Studiensammlung oder eines Magazins sein. Manche Museen unterhalten zudem Bibliotheken oder Archive. Teilweise wird der Standpunkt vertreten, Museen respektive deren Kuratoren sollten auch in der Forschung tätig sein.[19] Die Frage, ob Museen Teil eines öffentlichen, eines kulturellen oder insgesamt kollektiven Gedächtnisses sind, wird unter Historikern kontrovers diskutiert.[20]

Das in Museen gespeicherte Kulturgut ist in vielen Ländern durch Naturkatastrophen, Kriege, terroristische Anschläge oder sonstige Notfälle bedroht. Dazu ist ein international wesentlicher Aspekt eine starke Bündelung vorhandener Ressourcen sowie die Vernetzung vorhandener Fachkompetenzen, um den allfälligen Verlust oder die Beschädigung von Kulturgut zu verhindern bzw. Schäden so gering wie möglich zu halten. Internationaler Partner für Museen ist dabei gemäß der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut von 1954 und deren 2. Protokoll von 1999 Blue Shield International. Aus rechtlichen Gründen gibt es international gesehen viele Kooperationen zwischen Museen, Bibliotheken und Archiven einerseits und den lokalen Blue-Shield-Organisationen andererseits.[21]

Umfangreiche Missionen durch Blue Shield zum Schutz von Museen und Kulturgütern in bewaffneten Konflikten gab es zum Beispiel 2011 in Ägypten und Libyen, 2013 in Syrien und 2014 in Mali bzw. im Irak.[22] Insbesondere für Krisengebiete werden dabei „No Strike Listen“ erstellt, um Museen vor Luftschlägen zu schützen.[23]

Gegenstand der Museologie ist nicht das Museum, auch wenn dies naheliegen mag. Museologie ist im echten Sinne eine Wissenschaft, die sich mit dem Phänomen der Musealität befasst. Hierbei steht die Frage im Mittelpunkt, ob und in welchem Umfang ein Objekt Bedeutungsträger für seine Umwelt ist. Von zentralem Interesse ist dabei das Beziehungsgeflecht, in dem ein Objekt wahrgenommen wird. Dies gilt sowohl für den Ursprungs- und Verbringungskontext des Objektes, wie auch für Konnotationen, die das Objekt bzw. dessen Bild durch den Wissens- und Erfahrungshintergrund des Betrachters erhält.

Von praktischer Relevanz sind die Erkenntnisse der Museologie vor allem für die Analyse und Ausgestaltung der objektgebundenen Kommunikation zwischen Ausstellungsmacher und Besucher. Als Begründer der Museologie können Samuel Quiccheberg und Johann Daniel Major gelten. Die moderne Museologie etablierte Zbynek Z. Stránský (Brno/Brünn). Fortgeführt und ausgeweitet wurden seine Arbeiten im deutschsprachigen Raum u. a. durch Friedrich Waidacher (Graz), dessen Handbuch für Allgemeine Museologie als eines der Standardwerke für die moderne Museologie gilt.

Museologie wird in Europa vor allem im Vereinigten Königreich und in den Niederlanden sowie in Finnland, Tschechien und Kroatien gelehrt. In Deutschland wurde im Herbst 2010 die Professur für Museologie von Guido Fackler an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg eingerichtet. Hier werden der Bachelorstudiengang Museologie und materielle Kultur und die Masterstudiengänge Museumswissenschaft/Museum Studies, Museum und alte Kulturen/Museum and Ancient Cultures und Sammlungen – Provenienz – Kulturelles Erbe angeboten. Des Weiteren besteht für qualifizierte Studierende im Promotionsstudiengang Museumswissenschaft/Museum Studies die Möglichkeit, in einem museologischen Forschungsfeld zum Doktor der Philosophie zu promovieren.[24] In Leipzig gibt an der HTWK den Bachelorstudiengang Museologie.[25]

Im Gegensatz zur Museologie im engeren Sinne beschäftigt sich die, z. B. an der HTW Berlin gelehrte Museumskunde mit museumspraktischen Fragen. Des Weiteren gibt es einen Masterstudiengang Museumsmanagement und -kommunikation (ebenfalls HTW Berlin). In der Schweiz gibt es einen Nachdiplomkurs Museumspraxis mit dem Titel Certificate of Advanced Studies an der Hochschule in Chur.

Unter Museographie schließlich versteht man museale Inszenierungskunst. Hierbei handelt es sich um die Umsetzung der Szenographie auf die museale Ausstellung.[26]

Die Wissenschaft und Lehre von der Vermittlung des Sammlungsgutes ist die Museumspädagogik.

Der Dinosaurier-Lichthof
des Senckenberg Naturmuseums
im Frankfurter Westend

Museen werden auch als Orte für Veranstaltungen verwendet, die in einem außergewöhnlichen Rahmen stattfinden sollen. Gründe für die Museen sind der Brückenschlag zu der Thematik des Museums ansonsten eher fernstehenden Personen und die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen für die eigene Arbeit.

Das Institut für Museumsforschung unterscheidet zwischen neun Museumsarten:[33]

  1. Volkskunde- und Heimatkundemuseen: Orts- und Regionalgeschichte („Heimatkunde“), europäische Ethnologie („Volkskunde“), Bauernhäuser, Mühlen, Landwirtschaft
  2. Kunstmuseen: Kunst und Architektur, Kunsthandwerk, Keramik, Kirchenschätze und kirchliche Kunst, Film, Fotografie
  3. Schloss- und Burgmuseen: Schlösser und Burgen mit Inventar, Klöster mit Inventar, historische Bibliotheken
  4. Naturkundliche Museen: Zoologie, Botanik, Veterinärmedizin, Naturgeschichte, Geowissenschaften, Paläontologie, Naturkunde
  5. Naturwissenschaftliche und technische Museen: Technik, Verkehr, Bergbau, Hüttenwesen, Chemie, Physik, Astronomie, Technikgeschichte, Humanmedizin, Pharmazie, Industriegeschichte, andere zugehörige Wissenschaften
  6. Historische und archäologische Museen: Historie (nicht traditionelle Ortsgeschichte), Gedenkstätten (nur mit Ausstellungsgut), Archäologie, Ur- und Frühgeschichte, Militaria
  7. Sammelmuseen mit komplexen Beständen: Mehrere Sammlungsschwerpunkte aus den Bereichen 1–6 und 8, z. B. Landesmuseen
  8. Kulturgeschichtliche Spezialmuseen: Kulturgeschichte, Religions- und Kirchengeschichte, außereuropäische Ethnologie, Kindermuseen, Spielzeug, Literaturgeschichte, Musikgeschichte, Musikinstrumente, Brauereiwesen und Weinbau, Feuerwehr, weitere Spezialgebiete
  9. Museumskomplexe: Mehrere Museen mit unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten, die im gleichen Gebäude untergebracht sind

Freilichtmuseen können je nach Sammlungsschwerpunkt unterschiedlichen Museumsarten zugeordnet werden; ebenso Museen, die einer Person gewidmet sind.

Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Vorschläge über weitere Kategorien.

Ein Museum, das Teil einer Universität ist, wird auch Universitätsmuseum genannt. Meist wird dort die Geschichte der jeweiligen Universität dargestellt und entsprechende Exponate gezeigt. Zu den bekanntesten solcher Universitätsmuseen in Deutschland zählen das Museum der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, das Universitätsmuseum Hamburg oder das „Uniseum“ der Universität Freiburg.

Ein anderes Konzept verfolgt das 2006 gegründete, dezentrale Museum der Universität Tübingen. Das vor allem wissenschaftsgeschichtlich und kulturwissenschaftlich ausgerichtete MUT will die besondere Bedeutung der Forschungs-, Lehr- und Schausammlungen Tübingens in temporären, interdisziplinären und forschenden Ausstellungen vermitteln. Damit sollen die lange Geschichte, große Vielfalt sowie außergewöhnliche Vollständigkeit und Qualität der wissenschaftlichen Sammlungen der Universität Tübingen unterstrichen und in einen neuen, wissensorientierten Kontext gestellt werden.

Digitale Portale können unterschiedliche Funktionen besitzen, zum Beispiel erlauben Museumsportale im Internet die weitergehende Recherche nach Museen. Darüber hinaus gibt es Informationsportale, die die Recherche in Museumssammlungen ermöglichen. Zudem gibt es Ansätze rein digitaler Museen oder virtueller Museen, wie das Virtuelle Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern, die also primär das Ausstellungsmedium in den digitalen Raum überführen.[34]

Eine besondere Rolle spielen Sammlermuseen, Privatmuseen, kirchliche Museen und Firmenmuseen. Sie erhalten und präsentieren die historischen Sammlungen z. B. von Institutionen, Betrieben oder Konzernen. Sie sollen mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit auch das Bild der Institution in der Öffentlichkeit beeinflussen.

In einem Konzept des museum of ideas geht es – statt der Gegenstände – um Ideen und Konzepte. Es dient außerdem als Ort der Diskussion und des thematischen Austausches.

Nach den ersten Diskussionen in den Museen über ökologische Nachhaltigkeit in den 1990er Jahren begann die Bewegung der grünen Museen (Green Museum) zunächst in Wissenschafts- und Kindermuseen. Als Grünes Museum wird eine Einrichtung bezeichnet, die Konzepte der Nachhaltigkeit in seinen Betrieb, sein Programm und seine Gebäude einbezieht. Dabei werden die Sammlungen auch für Museumsaktivitäten genutzt, die die Öffentlichkeit über die natürliche Umwelt aufklären.[35]

In Deutschland gibt es eine besonders große Anzahl jüdischer Museen. Dies hängt mit der Geschichte des Nationalsozialismus und dem Holocaust zusammen. Die versuchte Ermordung aller Juden (unter anderen diskriminierten Gruppen) hat dazu geführt, dass Mahnmale und Erinnerungskultur einen besonderen Stellenwert in Deutschland haben.[36][37]

Das erste jüdische Museum im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg war jedoch in Basel, in der Schweiz. Das Jüdische Museum der Schweiz eröffnete in 1966. Die ersten jüdischen Museen in Deutschland waren das Jüdische Museum Augsburg (Eröffnung 1985) und das Jüdische Museum Frankfurt (1988). Es folgten zahlreiche weitere Museen; die Liste jüdischer Museen gibt eine Übersicht davon.

Dampflokomotivenparade bei der 21. Langen Nacht der Museen vor dem Ringlokschuppen des Eisenbahn- und Bergbaumuseums in Ampflwang

Allgemein

Geschichte

Digitale Sammlungen

Museumsanalyse

Museumsdidaktik

Museumspädagogik

Siehe: Museumspädagogik#Literatur

Museologie

Siehe: Museologie#Literatur

Fallstudien

Fachzeitschriften

Wiktionary: Museum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

  1. Andreas Grünwald Steiger: Information - Wissen - Bildung: Das Museum als Lernort. In: Markus Walz (Hrsg.): Handbuch Museum: Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02375-9.
  2. 1 2 3 4 5 Ulrike Ortrere, Christine Voigtmann: Kurfürstlicher Stall und Stallhof Dresden: Das erste Museum der Neuzeit. Hrsg.: ArtEquestre. 2024, ISBN 979-83-0260482-8, S. 335.
  3. Markus Walz: Eintrittsentgelte - Gegenleistungsgestaltung in Museen. In: Markus Walz (Hrsg.): Handbuch Museum: Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02375-9, S. 342 ff.
  4. Museum Definition. International Council of Museums, abgerufen am 12. November 2023 (dt. Übersetzung aus dem Englischen): „A museum is a not-for-profit, permanent institution in the service of society that researches, collects, conserves, interprets and exhibits tangible and intangible heritage. Open to the public, accessible and inclusive, museums foster diversity and sustainability. They operate and communicate ethically, professionally and with the participation of communities, offering varied experiences for education, enjoyment, reflection and knowledge sharing.“
  5. Wolfgang Kemp: Kunst kommt ins Museum. In: Funkkolleg Kunst, Studienbegleitbrief 3. S. 41.
  6. Philipp Hainhofers Reise-Tagebuch, enthaltend Schilderungen aus Franken, Sachsen, der Mark Brandenburg und Pommern. In: Deutsche-Digitale-Bibliothek.de. Abgerufen am 4. Juni 2025.
  7. Gabriel Kaltenmarckt: Bedencken, wie eine kunst-cammer aufzurichten seyn mochte: von 1587 mit einer Einleitung. Dresden 1587.
  8. Geschichte & Definition. In: Museumsbund.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Mai 2016; abgerufen am 2. Oktober 2021.
  9. Nina Schedlmayer: Schatz-Puzzle. Originale Kunstkammer an der Wiener Hofburg entdeckt. In: Profil.at. 25. März 2013, abgerufen am 2. Oktober 2021.
  10. Passant, A.J.-G. (2026). “Business schools and museum learning in historical perspective: Lessons from the forgotten history of commercial school museums”, Business History, Volume 68, Issue 2, pp. 422–463. Abgerufen im 1. Januar 1 (10.1080/00076791.2025.2510299).
  11. Passant, A.J.-G. (2024). “Enseigner l’entreprise dans les musées commerciaux : Retour sur une pratique pédagogique oubliée des écoles de commerce françaises”, Entreprises et Histoire, Volume 116, Issue 3, pp. 13–32. Abgerufen im 1. Januar 1 (10.3917/eh.116.0013).
  12. Cornelius Steckner: Das Museum Cimbricum von 1688 und die cartesianische „Perfection des Gemüthes“. In: A. Grote (Hrsg.), Macrocosmos in Microcosmo. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 bis 1800. Opladen 1994, S. 603–628.
  1. Museum. In: Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage, 15. Band. Mannheim 1991, ISBN 3-7653-1115-4, S. 225 f.
  2. Exhibiting the famous three Woman Statues from Herculaneum – Are traditional museums sometimes inhumane? In: Archaeology Mysteries. 2. Dezember 2024, abgerufen am 19. Dezember 2024 (englisch).
  3. Blog Museum und Qualitätsmanagement. Abgerufen am 17. August 2025.
  4. Museumsaufgaben. In: Deutscher Museumsbund e.V. Abgerufen am 15. Juli 2025.
  5. Susanne Grüner, Eva Specker, Helmut Leder: Effects of Context and Genuineness in the Experience of Art. In: Empirical Studies of the Arts. Band 37, Nr. 2, 2019, ISSN 0276-2374, S. 138–152, doi:10.1177/0276237418822896 (englisch, researchgate.net [PDF]).
  6. Heilige Dinge. In: Juedisches Museum der Schweiz. Abgerufen am 19. Dezember 2022.
  7. Hanno Rauterberg: Forschung im Museum: Sammeln, sortieren, enträtseln. In: Zeit Online. 1. Juli 2010, abgerufen am 5. Dezember 2015.
  8. Peter Melichar: Ist das Museum ein Gedächtnis? In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften. 2, 2012, S. 110–139 (PDF).
  9. Vgl. z. B. Marilyn E. Phelan: Museum Law: A Guide for Officers, Directors, and Counsel. 2014, S. 419 ff.
  10. vgl. Homepage des U.S. Committee of the Blue Shield, abgerufen am 26. Oktober 2016; Isabelle-Constance v. Opalinski: Schüsse auf die Zivilisation. In: FAZ. 20. August 2014; Hans Haider: Missbrauch von Kulturgütern ist strafbar. In: Wiener Zeitung. 29. Juni 2012.
  11. vgl. Peter Stone Inquiry: Monuments Men. In: Apollo – The International Art Magazine. 2. Februar 2015; Mehroz Baig: When War Destroys Identity. In: Worldpost. 12. Mai 2014; Fabian von Posser: Welterbe-Stätten zerbombt, Kulturschätze verhökert. In: Die Welt. 5. November 2013; Rüdiger Heimlich Wüstenstadt Palmyra. Kulturerbe schützen bevor es zerstört wird. In: Berliner Zeitung. 28. März 2016.
  12. Museologie und Museumswissenschaft/Museum Studies an der Universität Würzburg. Professur für Museologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, abgerufen am 13. September 2017.
  13. Bachelorstudiengänge: Museologie. HTWK Leipzig, abgerufen am 13. September 2017.
  14. Martin Roth: Scenographie. Zur Entstehung von neuen Bildwelten im Themenpark der EXPO 2000. In: Deutscher Museumsbund (Hrsg.): Museumskunde. Band 66, Heft 1. Holy-Verlag, Berlin 2001, S. 25 („Das wesentliche Grundelement der Scenographie […] ist die Interpretation der Inhalte mit künstlerischen Mitteln.“).
  15. Offizielle Website der Exponatec Cologne
  16. Offizielle Website von Mutec
  17. Offizielle Website der Museum Connections Messe (französisch, englisch)
  18. Museum Connections. In: ExpoDatabase.de. Abgerufen am 13. Mai 2018.
  19. Offizielle Website der Cultura Suisse Messe (deutsch, englisch, französisch)
  20. Cultura Suisse. In: ExpoDatabase.de. Abgerufen am 13. Mai 2018.
  21. Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland 2023. In: Patricia Rahemipour, Kathrin Grotz (Hrsg.): Zahlen aus dem Institut für Museumsforschung. Heft 79. Institut für Museumsforschung – Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2025, ISBN 978-3-9850139-6-8, S. 168–169, doi:10.11588/ifmzm.2025.1.
  22. Werner Schweibenz: Virtuelle Museen. In: Markus Walz (Hrsg.): Handbuch Museum: Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02375-9, S. 198 ff.
  23. vgl. Sarah S. Brophy, Elizabeth Wylie: The Green Museum: A Primer on Environmental Practice. Lanham 2008, ISBN 978-0-7591-1164-6 (englisch).
  24. Evelyn Friedlander: German Jewish Heritage and German Attitudes. In: European Judaism. Band 34, Nr. 2, 2001.
  25. Sabine Offe: Ausstellungen, Einstellungen, Entstellungen; jüdische Museen in Deutschland und Österreich. Philo, Berlin 2000, ISBN 3-8257-0191-3.
  26. Museen der Welt. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  27. Bayerisches Heimatmuseum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. September 2023.
  28. Unterwegs im Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  29. Museumsbusiness. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  30. Mit Milbergs im Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  31. Mysterien im Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  32. Museums-Check mit Markus Brock. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  33. Eine Nacht im Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  34. Faszination Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  35. Museum Diaries. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 8. November 2024.
  36. Museum Men. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  37. Abenteuer Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  38. Abenteuer Museum. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 8. November 2024.
  39. Museum Access. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 8. November 2024.
  40. The Art of Museums. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  41. Allein im Museum. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 19. April 2021.
  42. Secrets of the Museum. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 8. November 2024.
  43. Die Geschichte des Museums: Von der Wunderkammer zum Wahrzeichen. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 6. September 2023.
  44. „Im Naturhistorischen Museum in Wien wird mit akribischer Energie gesammelt, geforscht, archiviert und reflektiert – mehr als 30 Millionen Objekte sind hier über die Jahrhunderte zusammengetragen worden. Der Film zeigt das Museum als eine Welt, die sich in ständiger Veränderung befindet: Die spektakulären Archivarien aus tausenden Jahren Natur und Menschheitsgeschichte werden durch Grundlagenforschung und den lebendigen Apparat des Museums immer wieder neu in der Gegenwart befragt, um in der Zukunft Geschichten zu erzählen. Wie bei einem Rundgang hinter den Kulissen erschließt sich die Institution: ein kürzlich verstorbener Löwe wird zur Präparation eingeliefert, die Haltung eines Dinosauriers dem aktuellen Forschungsstand angepasst oder Artefakte mittels 3D-Scan digitalisiert. Als aufmerksamer Beobachters entwirft Regisseur und Kameramann Joerg Burger das Museum als einen Ort, an dem das physische Handwerk am Objekt immer auch mit Fragen nach Wissenskonstruktionen und deren inhärenten Machtbeziehungen einhergeht. Die Spezies Mensch – als vermeintlich Betrachtende und Wissende – wird in ihrer Beziehung zu Tier, Natur und Historie schließlich selbst beobachtet.“Archiv der Zukunft auf fsk Kino, abgerufen am 8. Juni 2025
  45. Hubertus Kohle: Rezension von Alexander Klein: Museum des Museums – Geschichte der deutschen Museen in ihrer Welt. In: sehepunkte.de (sehepunkte 19, Nr. 3). 15. März 2019, abgerufen am 16. November 2019.