ableben – Wiktionary (original) (raw)
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Siehe auch:
| Person | Wortform | |
|---|---|---|
| Präsens | ich | lebe ab |
| du | lebst ab | |
| er, sie, es | lebt ab | |
| Präteritum | ich | lebte ab |
| Konjunktiv II | ich | lebte ab |
| Imperativ | Singular | leb ab |
| Plural | lebt ab! | |
| Perfekt | Partizip II | Hilfsverb |
| abgelebt | haben, sein | |
| Alle weiteren Formen: Flexion:ableben |
Worttrennung:
ab·le·ben, Präteritum: leb·te ab, Partizip II: ab·ge·lebt
Aussprache:
IPA: [ˈapˌleːbn̩], [ˈapˌleːbm̩]
Hörbeispiele:
ableben (Info),
ableben (Info)
Bedeutungen:
[1] transitiv; Hilfsverb haben; veraltend: eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Lebensabschnitt durchleben
[2] reflexiv; Hilfsverb haben; veraltend; auch bildlich: (mit fortschreitender Lebensdauer) seine Vitalität verlieren, seine Lebenskraft aufzehren
[3] intransitiv; Hilfsverb haben, Hilfsverb sein; veraltend gehoben: vom lebendigen in den toten Zustand übergehen, aufhören zu leben
Herkunft:
gebildet aus der Partikel ab als Verbzusatz und dem Verb leben
Synonyme:
[3] das Leben verlieren, sterben
[3] verhüllend: einschlafen, einschlummern
[3] gehoben: den Weg allen Fleisches gehen, ins Grab sinken, verscheiden, versterben
[3] gehoben verhüllend: abscheiden, dahinscheiden, die ewige Ruhe finden, entschlafen, heimgehen, hinscheiden
Gegenwörter:
[1] auf die Welt kommen, das Licht der Welt erblicken, geboren werden, zur Welt kommen
Oberbegriffe:
[1] erleben
[2] aufbrauchen, verlieren
[3] aufhören
Beispiele:
[1] „Dort hat er mitten zwiſchen all’ dem Unkraut ſeine letzten Jahre _abgelebt._“[1]
[1] „Jch rannte ſofort aus dem Hauſe; erſt auf der Straße wurde es mir klar, daß ja noch acht lange Stunden bis zum Anfang der Komödie abzuleben waren.“[2]
[1] „Nun blieb ihm nichts mehr, als ſein Zeitlein vollends _abzuleben._“[3]
[1] „Das Programm, das ich jeden Tag abzuleben habe, ist wenig reizvoll.“[4]
[1] „Aber die bitteren Tage, die sie jetzt Stunde für Stunde ableben mußte, verdunkelten ihr geheimes unbewußtes tiefes Wissen um die menschliche Natur.“[5]
[1] „Daß Goethe von starken Welteindrücken nur die Ruinen Roms und das niedergehende Venedig gesehen und seine ganze Existenz in kleinen deutschen Städten ablebte, zu allermeist sogar in dem winzigen Weimar, war eine Vorbedingung dafür, daß seine Dichtungen in die Welt hinausstrahlten, und daß schon zu seinen Lebzeiten die Wirkung seines ‚Werther‘ selbst in China zu spüren war.“[6]
[1] „Aufgegeben von ihren Kindern, übriggeblieben aus langen Ehen, allein leben sie die letzten warmen Tage ab auf dem Broadway, doch in der Nähe von Bewegung, Verkehr, Umsatz, bis sie zurückmüssen in ihre möblierten Zimmer, in die Altersheime an der West End Avenue.“[7]
[1] „Da sitzen die beiden und leben ihre Passion ab, so einträchtig nebeneinander, abends, gesund, mit ihrem Besitz im Rücken.“[8]
[2] „Jch aber habe auch, was das Aeußerliche betrifft, in aͤhnlicher Weiſe mich abgeſtreift und _abgelebt._“[9]
[2] bildlich: „Faſſen wir es kurz: die Landeshoheit, der Nachſprößling des Feudalismus, hatte ſich raſch abgelebt und heruntergebracht bis zu hohler Herrſcherei auf der einen Seite und bis zur Knechtſchaft auf der andern Seite mit allen Dependenzen beider Uebel von paſſivem Gehorſam, Mechaniſirung des Staats, Miethſöldnerſchaft, bequemem geiſtigem und körperlichem Wohlſeyn unter dem Schatten der Hoheit oder Majeſtät.“[10]
[2] bildlich: „Eine Sitte läßt ſich aber nicht wegſchulmeiſtern, ſie muß ſich ſelber _ableben._“[11]
[2] „[…]; es entſtehen die tollſten Exzeſſe und die Menſchheit lebt ſich jäh ab zwiſchen Rauſch und Katzenjammer.“[12]
[3] „Der kranke Zirmer ſagte nichts, als: ‚Laß’ mich ableben! laß mich nur ſtill ableben und komm’ mir ehzeit nach.‘“[13]
[3] „‚Die Mutter iſt eine gute Sparbuͤchſe‘, ſagte dieſer, einen luͤſternen Blick nach dem gruͤnen Kaſten werfend, ‚wer weiß, was da drinnen noch alles ſteckt. Wenig iſt’s nicht, und wenn ſie einmal abgelebt hat, was Gott verhuͤte, dann ſetzt’s noch ein anſtaͤndiges Poͤſtchen, darauf verlaß dich.‘“[14]
[3] «Raymond ist in dieser Geschichte noch sehr vital und geht zur Arbeit, zwei Texte weiter ist er abgelebt, Alice schon beschäftigt mit seiner Hinterlassenschaft: ‹Wohin mit dem Rest, wohin damit – das musste man also lernen.›»[15]
[3] „Wenn man dem Buddhismus glaubt, sind wir ja alle nur Ersatz für andere Lebensformen, die vor uns _abgelebt sind._“[16]
Wortbildungen:
[3] Ableben n
[1] (bestimmte Zeit, bestimmten Lebensabschnitt) durchleben
[2] seine Vitalität verlieren, seine Lebenskraft aufzehren
[1, 3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „ableben“
[1, 3] Duden online „ableben“
[1, 3] Großes Wörterbuch der deutschen Sprache „ableben“ auf wissen.de
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „ableben“
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portal „ableben“
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „ABLEBEN“
[1–3] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Neubearbeitung (A–F), 9. Bände. Göttingen/Berlin 1980–2016 „ABLEBEN vb.“ (digitalisierte Fassung)
[1, 3] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0 , Stichwort »ableben«.
[3] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Deutsches Wörterbuch. 9. Auflage. Wissen-Media-Verlag, Gütersloh/München 2011, ISBN 978-3-577-07595-4 , Stichwort »ableben«, Seite 101 (Internet Archive).
Quellen:
- ↑ Theodor Storm: Pole Poppenſpäler. [1873/74]. In: Waldwinkel, Pole Poppenſpäler. Novellen. 1. Auflage. Druck und Verlag von George Weſtermann, Braunſchweig 1875, Seite 7 (Deutsches Textarchiv) .
- ↑ Theodor Storm: Pole Poppenſpäler. [1873/74]. In: Waldwinkel, Pole Poppenſpäler. Novellen. 1. Auflage. Druck und Verlag von George Weſtermann, Braunſchweig 1875, Seite 139 (Deutsches Textarchiv) .
- ↑ Hermann Heſſe: In der alten Sonne. In: Nachbarn. Erzählungen. Vierte Auflage. S. Fiſcher Verlag, Berlin 1909, Seite 297 (Google Books) .
- ↑ Klabund: [Brief von 1912]. In: Ernst Heinrich (Herausgeber): Briefe an einen Freund. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1963, Seite 51 (Google Books) .
- ↑ Kurt Kluge: Der Herr Kortüm. Roman. Engelhorn Verlag Adolf Spemann, Stuttgart 1938, Seite 138 (Internet Archive) .
- ↑ Arnold Zweig: Gedächtnisworte für unseren Erich Weinert. In: neue deutsche literatur. April 1954, ISSN 0028-3150, Seite 43 (Google Books) .
- ↑ Uwe Johnson: Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl. [Band 1], Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1970, Seite 98 .
- ↑ Brigitte Kronauer: Berittener Bogenschütze. Roman. Klett-Cotta, Stuttgart 1986, ISBN 3-608-95420-1, Seite 61 (Google Books) .
- ↑ Ludwig Tieck: Des Lebens Ueberfluß. Novelle. In: Ludwig Tieck’s geſammelte Novellen. Vermehrt und verbeſſert. Eilftes Bändchen, im Verlage bei Joſef Mar und Komp., Breslau 1842, Seite 14 (Google Books; Erstdruck 1839; entstanden vor 1837) .
- ↑ Karl Immermann: Fichte. In: Memorabilien. Erster Theil, [b]ei Hoffmann und Campe, Hamburg 1840, Seite 325 (Google Books) .
- ↑ W[ilhelm]. H[einrich]. Riehl: Die Ariſtokratie in ihrem ſocialen Berufe. In: Deutſche Vierteljahrs Schrift. Zweites Heft, 1851, Seite 194 (Google Books) .
- ↑ Wilhelm Bölſche: Hamerling’s „Atomiſtik des Willens“. In: Freie Bühne für modernes Leben. 1890, Seite 1152 (Google Books) .
- ↑ Peter Roſegger: Der Gottſucher. Ein Roman. In: Der Heimgarten. Eine Monatsſchrift. Heft 8, Mai 1881, Seite 576 (Internet Archive) .
- ↑ Gerhart Hauptmann: Faſching. S. Fiſcher Verlag, Berlin 1925, Seite 15–16 (Google Books; Erstveröffentlichung in der Zeitschrift Siegfried, August 1887) .
- ↑ Erwin Bachmann: Wohin mit dem Rest? In: St. Galler Tagblatt. Nummer 103, 5. Mai 2009, Seite 29 .
- ↑ »Der Null ein Denkmal setzen«. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Juni 2012, ISSN 0174-4917, Seite 86 .