Dagegen -- und alle so "Yeaah". (original) (raw)

November 30 2009, 20:22

Listens: Porcupine Tree - Deadwing

Dieser Eintrag hätte eigentlich unter dem Titel "Ratten zum Bildungsstreik" stehen sollen... aber dann konnte ich es mir doch nicht nehmen lassen, gleich zwei der Art nach einander eher entgegengestellte Meme in einen Titel zu verbalfleischwolfen.

Ja, es ist so weit, der erste Hörsaal ist besetzt, die erste Vorlesung aus- und somit der erste Schuss gefallen, und bald werden wir alle feststellen, dass man Widerspruchsgeist nicht saufen kann. Oder so ähnlich.

Schon seit letzter Woche gehe ich geradezu mentalgebläht (respektive -geblaht) mit diesem Eintrag schwanger, aber heute ist es nun geschehen: Dank einer ausgefallenen (um nicht zu sagen ausgefallen wordenen) Vorlesung durfte ich mir in meinen Übungen spontan ein Konzept aus den Fingern saugen, wie meine Kleinen trotz fehlendem Stoff dann doch noch ihre wöchentliche mentale Schwerstarbeit leisten können. Letzten Endes ließ sich auch da eine Lösung finden (heiliger Sankt Improvisatius, geheiligt werde dein Name, etc.pp.), aber jetzt ist es soweit. Ab 20 Uhr wird zurückgerantet!

(Tatsächlich sogar in zwei Teilen... erstmals erlebe ich, dass ich größentechnisch an meine Grenzen stoße. Textuell, versteht sich. Ähem.)

Tatsächlich sitze ich nun hier unterm LJ-Cut und weiß gar nicht recht, wie ich anfangen soll. Vielleicht wäre es am Sinnvollsten, vor dem Vorstoß zunächst einmal zurückzurudern und frei und offen zuzugeben, dass die Ziele unserer mehr oder minder sympathischen Che-Guevara-Aufstellfiguren aus der Schwafelwissenschaftlerbaracke durchaus auch bei mir ihre Resonanz finden. Studiengebühren sind Schrott (nicht zuletzt, da sie ihr unerklärtes Ziel, die talent- und motivationslosen Vollidioten von der Uni fortzhalten und die Mensaschlangen auf diese Weise auf ein überschaubares Maß zusammenzumauten, kläglich verfehlt haben); das Gesellen- und Meisterstudium (das so zu bezeichnen den plastikverdeutschten Chefbolognanten sogar die heimatsprachlichen Kenntnisse fehlten) ist ein kunstlos zusammengeprittstifteter Pappverhau, der sich vergeblich den Anstrich von schmackhaften Fastfoodstudium à la Bolognese zu verleihen sucht, dabei aber so metaphorisch nährstoffreich wie ein Sony Walkman mit ausgelaufenen Batterien ist; und... äh, und... ja, das war's dann ja eigentlich, oder?

Soweit meine Zustimmung zu unseren (und den ganzen restlichen) Tupamarillos. Und jetzt kommt der interessante Teil.

Zunächst dürfte ich niemandem, der sich tatsächlich noch die Mühe macht, an dieser Stelle weiterzulesen, mehr erzählen müssen, dass ich eine starke Abneigung gegen Menschen als Kollektivum habe. Diese Abneigung vervielfacht sich, wenn es um (oder besser: gegen?) Menschenmassen geht; sie potenziert sich in Bezug auf Menschenmassen, die sich langsam bewegen.

Den Nahezu-Nadir der Lästigkeit, nur geringfügig noch über-(d.h. unter-)troffen von Stechmücken, Schmeißfliegen und Kindern (in dieser Reihenfolge) stellen laute Menschenmassen dar, die sich langsam bewegen.

Und meine erste (und gottseisgetrommelt auch soweit letzte) Begegnung mit eben jener Sorte von Humankonglomerat an jener Institution, die Alma Mater zu nennen sich mir trotz (oder wegen) allem verbietet, hat das ihre dazu getan, mich so weit wie möglich auf die jenen 40 Jahre verspäteten Sandkastendutschkes abgewandte Seite der physischen wie ideologischen Hochschullandschaft zu treiben.

Aber persönliche Antipathien, so ausgeprägt und wohlbegründet sie sein mögen, beiseite. Hier geht es schließlich um die Sache, oder nicht? Und diese Sache ist ja, wie oben angerissen, von meiner so weit nicht entfernt, oder?

Allein, die Mittel.

Angefangen mit der maximal ungünstigen Selbstbezeichnung "Bildungsstreik", die in meinem worthülsengeplagten Ohr einen unangenehmen akustischen Beigeschmack von "Ignoranz für den Weltfrieden und bessere Bildung" mit sich trägt, was tatsächlich, effektiv betrachtet, auch Ziel und Zweck dieser fast schon bemitleidenswerten Initiative zu sein scheint; erinnern doch die gewählten Mittel an den Versuch, gegen Unterernährung in der dritten Welt zu protestieren, indem afrikanische Kornkammern gesprengt und Getreidefelder besetzt werden.

Gegen überfüllte Hörsäle und hochschulischen Platzmangel wird demonstriert... indem Hörsäle besetzt und zusätzliche Platznot erzeugt wird. Gegen mangelhafte Bildung wird protestiert... durch die Verweigerung besagter Bildung nicht nur durch und für die Möchtegern-Meinhoffs, die als Initiatoren hinter der ganzen Sache stehen, sondern auch für jene potentiell lernwilligen und -begierigen Eben-dann-doch-nicht-Studierenden, die mit (nicht im innovativen Sinne) ausgefallenen und (nicht im phychiatrischen Sinne) gestörten Vorlesungen drangsaliert werden. Für Unterstützung wird geworben... indem eben jene Lernwilligen, gemeinsam mit potentiell der Sache wohlgesinnten Hochschullehrern, durch derartige Maßnahmen nachhaltig vergrätzt werden.