Gericht: Angriff vorgetäuscht: Koza verurteilt (original) (raw)

Gericht

Der ehemalige Bürgermeister von Vösendorf (Bezirk Mödling), Hannes Koza (ÖVP), ist am Donnerstag zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Er hatte Anfang des Jahres zugegeben, einen tätlichen Angriff auf sich selbst nur vorgetäuscht zu haben.

20. März 2025, 7.14 Uhr (Update: 20. März 2025, 11.16 Uhr)
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Der Prozess gegen den ehemaligen Bürgermeister fand heute am Landesgericht Wiener Neustadt statt. Koza hatte behauptet, ein Unbekannter habe ihn am Abend des 10. Dezember 2024 auf dem Heimweg vom Gemeindeamt im Schlosspark Vösendorf attackiert. Vor der Polizei gab er an, ein mit einem Schal vermummter Mann habe ihm unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Der Unbekannte habe ihn beschimpft und gerufen, dass er die Gemeinderatssitzung am nächsten Tag nicht überleben werde. Koza hatte berichtet, er sei im Bereich des rechten Auges getroffen und verletzt worden und zu Boden gestürzt. Fotos seiner Blessuren im Gesicht hatte Koza selbst veröffentlicht. In der Folge war die Gemeinderatssitzung mit spezieller Überwachung durch die Polizei über die Bühne gegangen.

Ex-Bürgermeister Koza nach vorgetäuschtem Angriff verurteilt

Der ehemalige ÖVP-Bürgermeister von Vösendorf, Hannes Koza, hat Anfang des Jahres eingestanden, einen tätlichen Angriff auf sich selbst nur vorgetäuscht zu haben. Koza stand am Donnerstag vor Gericht und wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt.

Selbst mit Kopf auf Boden geschlagen

Im Strafverfahren wurde Koza zunächst als Opfer und dann als Beschuldigter geführt. Am 20. Februar erklärte er seinen Rücktritt. Er habe sich „in eine Opferrolle“ bringen und Mitleid erhalten wollen, gestand Koza ein. Er habe sich bereits professionelle Hilfe gesucht. Die Verletzungen habe er sich selbst zugefügt, indem er sich im Schlosspark hingelegt und seinen Kopf auf den Boden geschlagen habe.

Es sei eine „Kurzschlusshandlung“ gewesen, mit der er erreichen wollte, dass die persönlichen Angriffe und Anzeigen, denen er sich im vergangenen Jahr unter anderem vonseiten der Opposition ausgesetzt sah, aufhören. „Ich wollte einfach nur in Ruhe für Vösendorf arbeiten“, sagte Koza, der vor Gericht auch immer wieder unterstrich, dass er überzeugt sei, für die Marktgemeinde „Unglaubliches“ geleistet zu haben.

Am 10. Dezember sei er im Büro gesessen und habe Wein getrunken. „Dann ist mir diese leider nicht sehr glorreiche Idee gekommen, was ich tun kann, damit das aufhört, damit ich endlich einmal Mitgefühl bekomme“, sagte der Ex-Gemeindechef. Er habe mit der Stresssituation nicht mehr umgehen können und bereue, dass er sich damals nicht professionelle Hilfe gesucht habe. Mittlerweile habe er das jedoch getan.

„Habe mein Lebenswerk zerstört“

Vor der Polizei habe er niemanden beschuldigt. „Ich habe niemand anderen geschädigt, nur mich selbst. Ich habe mein Lebenswerk zerstört und ich glaube, das ist für mich Strafe genug“, sagte er und plädierte für ein mildes Urteil. Eine Diversion war aus Sicht der Richterin jedoch nicht möglich.

Immerhin hatte die Staatsanwaltschaft schon 2024 gegen den ÖVP-Politiker ermittelt, weil er eine private Anwaltsrechnung manipuliert hatte, um sich die Kosten von der Gemeinde refundieren zu lassen. Damals erhielt er bereits eine Diversion und zahlte die Summe zurück.

In Vösendorf übernahm nach dem Abgang von Koza ÖVP-Vizebürgermeisterin Birgit Petross die Gemeindegeschäfte. Die Abgeordneten der Oppositionsparteien haben ihre Mandate niedergelegt. Es muss neu gewählt werden, der Termin ist voraussichtlich im Herbst.