Hermann Hirt (1932): Handbuch des Urgermanischen. Teil II: Stammbildungs- und Flexionslehre (original) (raw)

Abstract

Die reinen o-Stamme (33). 39. Betonung (38). 40. Stammbildung (38). 41. Diejo-Stämme (39). 42.Stamm bildung (40). 43. Die xoo-Stämme (42).

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References (367)

  1. Hierher gehören:
  2. got. -düp-i, das von Adjektiven Abstrakta bildet: z. B. managdüps 'Menge'; mikildüps 'Größe*; gamaindüps 'Gemeinschaft*. Entsprechend 1. juven-tus, senec-tus. Mit diesem -tüt steht 1. -tat im Ablaut (nach 1, 115 aus ticdt), 1. ciuitas, so daß man darin eine Bildung zu der Basis tewä 'Menge, Fülle' sehen kann. So jetzt auch Kluge3, § 132, 161. Vgl. IGr. 3, 215. Dieses -t(w)ät-, -tut ist aber eine Erweiterung mit f-Deter- minativ (s. IGr. 3, 215) von -ticä, -tio-om, das wir in got. fija-pica1) f. § 33-35.] Nom. PI. Ntr. Der Akk. Der Genitiv.
  3. Nom. PI. Ntr. ln seinem großangelegten Buch Die Pluralbildung der idg. Neutra hat Joh. Schmidt erwiesen, daß das Ntr. PI. der o-Stämme gleich dem N. Sg. der Ct- Stämme war. Er nahm an, daß diese Bildungen kollek tiven Sinn hatten, und daher als Plural verwendet wurden. Ich möchte diese Ansicht dahin abändern, daß -om und -a angetretene Determinative waren, und daß die Bildungen auf -a deshalb als Plurale verwendet wurden, weil einige Bildungen kollektive Bedeutung angenommen hatten. Jedenfalls stehen häufig Fern, auf -a neben Neutren auf -om.
  4. S. oben S. 13. Das im Nom. PI. anzusetzende ä wurde im Got. zu a, Anord. und Wgerm. dagegen zu u. Dieses fiel regelrecht nach langer Wurzelsilbe, vielfach aber auch nach kurzer ab. Daber g. waürda, an. börn, ae. word, hofu, ahd. wort.
  5. Der Akk. M. F. hatte idg. ganz allgemein die Endung -ns. Anm. Man hat vielfach angenommen, daß dies für -ms stehe, d. h. daß an die Endung m des Akk. Sg. s getreten sei. Doch bleibt sonst mi vor s, z. B. got. mituz 'Fleisch*, ams-'Schulter*. Es sind auch andere Erklärungen möglich, z. B. daß wie in dem m des Sing, das Pronomen -tue steckt, so in ns das Pronomen g. uns <C idg. ns. ' Wir finden also: g. dagatis, gibös < idg. gibö-(n)s mit schon idg. geschwundenem -n1); gastins, sununs. Bei den «-Stämmen und sonst ist der Akk. gleich dem Nominativ. Die Form hätte g. *hana- ntins oder *hannuns lauten müssen, wie bröpruns. 35. Der Genitiv. Der Gen. PI. hatte im Idg. in allen Stammklassen die Endung 6m, d. h. der Stamm auslaut o war mit der Partikel -om kontrahiert worden.2) Daher g. gibö, qinönö, tnanageinö. ahd. tago. Im Gotischen erscheint daneben auch -g, und zwar überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, beim Mask. und Ntr. Beim Pronomen liegt der Gegensatz deutlich vor. Es heißt g. M. pize. ize, F. pizö, tzö, und dementsprechend finden wir M. dage F. gibö' , m. n. n-Stämme attane, halrtane, aber lern. w-St. qinönö. ») S. 1, 68.
  6. Auch hier stehen also -s und -om nebeneinander, gr. G. Sg. iroöö?, G. PI. rroöuiv < podö-om. Der Lokativ. Die reinen o-Stämme.
  7. im Lat. -bos. Man hat früher einen lautlichen Übergang von bh zu m angenommen, der nicht möglich zu sein scheint. Ich habe IF. 5, 251 idg. -bhis und -mos angesetzt, woraus durch Kreuzung bhjos, bhos und -mis entstanden wären. Neuerdings hat man wieder w aus bh durch Dissimilation her leiten wollen in Wörtern, die einen Labial enthalten. Tatsächlich ist ein Übergang von m in b oder b, io nichts Unerhörtes. Vgl. Kretschmer, KZ. 35, 605 und Hirt, IGr. 1,305. Fest steht das eine, daß wir germ. m durchaus an Stelle der Endungen mit bh ßnden. Bd. 1, 11 habe ich einen Weg angedeutet, auf dem das m noch anders zu erklären wäre.
  8. Der Lokativ ging idg. auf -su oder -si aus, ai. vrkesu, gr. XukouJi. Von diesem Kasus, der im Griech. und Lat. als
  9. Dat. erhalten ist, findet sich im Germ, keine Spur. Anm. R. Kögel suchte ihn in den nur in lateinischen Ur kunden vorkommenden ahd. Ortsnamen auf -ingas (Frigisingas), vgl. ZfJA. 28, 110fl'.; Btr. 14, 1151T. Henning hält sie mit Recht für lat. Akk. (KZ. 31, 297; ZfdA. 46, 289). Anm. Der Dual ist im Germanischen beim Nomen nicht mehr lebendig. Über Reste s. § 11. Die maskulinen o-Stämme.
  10. A. Die reinen o-Stämme.
  11. V. Die o-Stämme des Idg., a-Stämme des Germ, bilden die Hauptmasse der Deklination. Diese Klasse entspricht der lat. und griech. zweiten Deklination und enthält im Germanischen nur noch Mask. und Neutra, die sich im Nom. Akk. Sg. und Plur. unterscheiden. Bei den ursprünglichen Neutra auf -s ist im Germ, entweder das s in allen Kasus durchgeführt, vgl. *farhas = 1. porcus, *lambas = gr. 2Aci<po<; (s. o. S. 10), oder die Wörter sind Mask. oder Fern, ge worden, g. balgs <i*balgis (e-St.) = ai. barhls n. 'Opferstreu*. Zur Deklination vgl. van Helten, Zur agerm. Flexion der o- Substantiva. Btr. 36, 435 ff. Got. Sg. M. N. dags A. dag G. dagis D. daga
  12. Von dem Lokativ des Idg. auf -ei haben wir keine ganz sicheren Spuren. Es hätte dies zu i führen müssen. E. Sievers hat Btr. 8, 324 gezeigt, daß in den ältesten ags. Denkmälern der Instr. auf i ausgeht. Daß dies auf idg. -ei zurückgeführt werden kann, ist sicher. Ebensogut könnte man das t aber wohl auch dem ur- germ. ff, got. pe, JvC gleichsetzen, vgl. ags. Jiwl, hwy. Anderseits kann allerdings in der Form auf -ai, -ff auch der idg. Lokativ auf -oi stecken. Wäre das der Fall, so wäre die Sieversche Ansicht wahrscheinlich. Da wir aber im Got. eine Instrumentalform auf ff haben, so wird man am besten diese in der ae. Form sehen.
  13. Der Ablativ des Idg. ging auf -öd mit Zirkumflex aus, entstanden aus o + ed. Er ist im Germanischen als Kasus nicht erhalten, wohl aber deutlich in Adverbien. Vgl. got. haprö 'woher*; paßrö 'daher*; undarö 'von unten' = 1. infra. Ferner liegt er wohl vor in den gewöhnlichen Ad verbien auf -ff, got. galeikö, ahd. gilihho, die den lat. auf o, den griech. auf -(uq (kciXws) entsprechen. Anm. Nicht sicher zu erklären sind im Wgerm. auftretende endungslose Formen, die syntaktisch als Lok. auftreten (ahd. zi, in fon hüs, as. an dag, ae. to dxg). Vgl. van Helten, Btr. 28, 512f., 36, 439ff. Ohne Schwierigkeiten kann man darin einen Instrumental auf -ö sehen, das nach langer Silbe hätte abfallen müssen. Aber es sind auch andere Auffassungen möglich. Plural. 1. Nom. Mask. Das g. dagös, an. armar, kann dem idg. N. PI. auf -ds <C o -f-es entsprechen, und dies wieder dem ahd. taga, soweit das a lang ist, vgl. Braune, Ahd. Gr., § 193. Daneben hat aber das Altsächs. und das Aengl. Formen auf -ffs, as. liobos und ae. dömas, afries. auf -ar.
  14. Da s im Wgerm. abgefallen ist, so führte W. Scherer, ZGDSp.2 559, die Form mit Recht auf -öses zurück, das in ai. -äsas vorliegt. Vgl. auch W. Schulze, KZ. 28,275; van Helten, Btr. 36,445. Anm. Der ndd. PI. auf -s hat sich bis heute erhalten. Vgl.
  15. E. öhmann, Der s-Plural im Deutschen, Helsinki 1924. Annales academicae scientiarum fennicae. Ser. B., Tom. XVII, Nr. 1 mit reicher Literatur. Die Deklination.
  16. J Singular. Im Nom. ist iz in urnord. Hlewagastiu, Sali-gastiR noch erhalten. Im Wgerm. mußte t nach kurzer Wurzelsilbe bleiben. Tatsächlich finden wir ahd. wini 'Freund', risi 'Riese5, quiti 'Ausspruch5. Dazu die zahl reichen aengi. Fälle. Vgl. Sievers3 136. Die langsilbigen haben zwar ihr i verloren, zeigen aber ira Anord. und Ae. Umlaut. Im Gotischen ist dos i geschwunden. Der Akkusativ mußte erst sein m und dann das i bewahren oder verlieren wie ira Nom. Der Genitiv zeigt nur im Nordischen nicht die Form der o-Stämme. An. stadar ist von den w-Stämmen über nommen. Es gab aber im Idg. einen Gen. auf -jos, gr. TtoXioq, der im Got. usw. zu is geführt hätte. Der Gen. gastis könnte ihm also entsprechen. Der Dativ kann natürlich gleich der Form der o- Stämme sein. Es kann darin aber auch die idg. Lokativ form auf -e stecken, die J. Schmidt, KZ. 26, 287 erkannt hat. Von der endungslosen Form aisl. stad kann man annehmen, daß ö abgefallen ist. Im Ahd. finden sich bei den i-Stämmen Lokative auf -iw, z. B. Bachiu, Kögel, Btr. 14, 120, luengiu. Vgl. auch van Helten, Btr. 36, 469. Man sieht darin Analogiebildungen nach den w- Stämmen, was möglich ist. Aber die w-Stämme sind ira Aussterben und dürften kaum die i-Stämme beeinflußt haben. Daher ist es mir wahrscheinlicher, daß eine idg. Form auf -6u, ai. agticlu, gr. *Ttc5Arj(^Oi vorliegt, vgl. dazu IGr. 3, 106; und VVackernagel, Ai. Gr. 3, 156ff. Der Instrumental zeigt die Formen gastiu und gastu. Die letztere, falls sie nicht aus gastiu entstanden ist, ist zweifellos die Form der o-Stämme, gastiu könnte auch ai. -ja entsprechen, z. B. patjä = ahd. *fatiu. Der Plural. Der Nom. zeigt vor dem Suffix -es die
  17. Vollstufe -ei, vgl. ai. agnajas, abg. gostXje, 1. hostes, woraus im Got. is wurde: gasteis, an. gester. Ob die wgerm. Form ae. wiue, ahd. gesti dieser Form entspricht oder der Akk.-Form, läßt sich nicht sicher sagen.
  18. M. E. müßten wir als Entsprechung von g. gasteis im [ § 44. Die maskulinen »-Stämme.
  19. Ahd. wenigstens gelegentlich die Länge finden. Das i ist aber sicher kurz (Braune, § 215, 4). Im Akk. PI. ist 7is abgefallen. Daher an. gesti, ae. route, as. stiki, ahd. gesti <C. *gestins. Der Gen. zeigt ahd. die regelrechte Form gesteo in älteren Quellen, as. stikio = 1. finium. Über g. gaste s. o.
  20. S. 32. Die übrigen Dialekte haben die Form der a-Stämme. Der Dat. PI. g. gastim, ahd. gestim ist regelrecht, vgl.
  21. hostibus. Diese maskulinen »'-Stämme sind für die Geschichte des Deutschen insofern bedeutungsvoll geworden, als wir durch sie eine neue Pluralbildung gewonnen haben. Das t ist ahd. im N. Akk. Sg. geschwunden, ehe es Umlaut des a bewirkt hat. Daher gast. Jm Plural be stand dagegen in allen Kasus Umlaut. Es hieß also Sg. gast: PI. gesti. Dieser Umlaut bekam dann eine Funktion. Da im Sing, o-und »'-Stämme frühzeitig zusammen gefallen sind, so sind manche o-Stämme zu «-Stämmen geworden. So got. laists 'Spur', bar ms *Schoß\ saggws 'Sang*, gards 'Haus5, die wir wegen ihres Vokalismus als o-Stamme ansprechen müßten, auch wenn die übrigen Sprachen nicht dafür zeugten. Dazu ahd. ast, PI. esti = gr. öZoq; ahd. aphul, PI. ephili, vgl. lit. öbuolas, abg. jablüko; ahd. PI. winti = 1. ventus\ ahd. züni: kelt. dünum. Außerdem sind die «-Stämme fast ganz in die »- Deklination übergetreten. S. unten. Die Berührung von o-und »-Stämmen lag aber schon in älterer Zeit vor, insofern als es schon idg. »-Erweiterung von konsonantischen Stämmen gab und manche o-Stämme aus konsonantischen Stämmen entwickelt sind. Vgl. 1. piscis, aber air. iasc, g. fisks a-St. g. gaits f. «'-St. : 1. haedns. Neutra. Neutrale »'-Stämme waren im Idg. selten, und zwar deshalb, weil sie durch das Determinativ -om erweitert waren. Über diese s. oben § 42, 5. Verbreitet ist inari, 1. viare, ahd. main, m&ri, auch m., wie ae. mere, aisl. marr. Daneben steht got. inarei f., as. meri f. Germ, sind noch as. halsmeni 'Halsschmuck', aber ae. mine m.,
  22. monile, ai. manis m., idg. monis n. Die konsonantische Deklination. [ § 50.
  23. Der Akk. idg.
  24. -em, gr. -a mußte im Germ, u ergeben, das im Ae. nach kurzer Wurzelsilbe erhalten blieb. Daher ae. Akk. hnutu 'Nuß* = 1. nucem; studu 'Säule*: gr. Akk.
  25. Tra-CTtiba 'Vorhalle*; hnitu *Niß* = gr. Akk. »covtba. Im Got. ist, wie man meint, u geblieben und die Worte sind dann in die w-Deklination übergetreten. Daher fötu = 1. pedem; Jiandu; auch hliftu : gr. kX^tttti«;.1) Wenn nicht in zweiter, so ist doch u wohl in dritter Silbe abgefallen, so daß Formen wie Akk. g. hanan, fadar lautgesetzlich wären. Eine andere Möglichkeit s. o. S. 28. Der Gen. ging idg. auf -es, -os aus, gr. vuktos, 1. noctis, woraus regelrecht g. baürgs, waihts, an. iiaglsy ae. bec, bijrg, fyrh, dryh mit Umlaut, ahd. man (zweimal bei O.). Der Dativ ist der idg. Lokativ mit der Endung ir die abfällt, im Ags. und Anord. mit Hinterlassung von t-Umlaut. Daher ngs. D. fit : föt 'Fuß*, tld 'Zahn*: töd\ blk : bök 'Buch*;: ek : nk us\\\; breder : brödor; nieder : tnödor; dehter: dohtor; fricnd t. frtond usw., ahd. man. Nach kurzer Wurzelsilbe mußte t erhalten bleiben- Daher ags. D. hnyte: hnutu 'Nuß*; styde : studu.7) hnutu, studu sind eigentlich Akk. Sg. Daneben gab es auch Lok. auf -ai (gr. xaM<" 'auf der Erde'), die in Adverbien wie g. üta 'außen* vorliegen. S. o. S. 29. Plural. Der Nom. muß das e verlieren. Daher g. nasjands, baürgs. Im Ahd. schwindet auch das s. Da her ahd. man 'die 'Männer*; naht 'die Nächte*; bruoh 'Hosen*; buoh. Im Ae. fjnden wir Umlaut fet 'Füße5, tld 'Zähne5, men, und bei den kurzsilbigen Fern, erhaltenes t, hnyte, hniie.. Im Akk. PI. mußte -ns (gr. irobaq, 1. pedls) > uns werden, was in g. fötuns, handuns, bröpruns usw. vorliegt..
  26. Ahd. ae. muß sich u ergeben, was nicht von der Form der M-Stämme zu unterscheiden ist. Ae. duru könnte - 1. forcs sein.
  27. *) Man kann natürlich auch vom Akk. PI. ausgehen: fötuns =
  28. pedls, gr. -Ttöbas; hliftuns = gr. kX^utck;.
  29. Wir wissen jetzt, daß der idg. Dativ auf -ei ausging. Auch« dieser könnte in den ags. Formen stecken. Die 6-Slämme.
  30. §55.] über giefu (s. 1, 3 39) und vereinzelt im ahd. chimeinidh Is., skauwunc, samanunc, buog, stunt, wls, liwil, halb.
  31. Braune, Ahd. Gr.3) 183. Außerdem ahd. beim Adj. blint gegenüber Akk. blinta. Sonst wurde im Ahd. die Akku sativform als Nominativ verwendet. Im Urnord. finden wir noch u (und finn. o runo fRune', sakko 'Geldbuße'), das dann schwand unter Hinterlassung von w-Umlaut.
  32. Vgl. Akkusativ. Der Akk. hatte die Endung -dm mit
  33. Akut, vgl. gr. Tipriv. Wir finden die Form als vom Nom. verschieden im ahd. Adj. Akk. blinta: N. blint, ae. giefe: N. giefu und im Altnord, beim starken Adjektiv spaka: M. spök. Im Anord. ist sonst der Nom. an Stelle des Akk. getreten, schon run. alu, wie dies im Plural fast überall der Fall ist. Daher kann natürlich got. giba auch der Nom sein. Umgekehrt ist im Ahd. die Akkusativform geba für den Nominativ verwendet worden. Vokativ. Eine besondere Vokativform, wie sie das Slawische und Indische, teilweise auch das Griech., kennt, läßt sich im Germ, nicht nachweisen. Der Genitiv, idg. äs, vgl. gr. TifiriSi Ht. viergös, ist aus dem Stammauslaut ü und der Endung -es oder -os kon trahiert. Anders, aber kaum richtig Streitberg, IF. 3, 371. Wir finden regelrechte Entwicklung zu g. ös, an. -ar, «rmar, sonst zu a, ahd. geba, ae. giefte. Anm. 1. G. Sg. und N. PI. heißen g. gleichmäßig gibös, ahd. geba, ae. giefx; ebenso der Nom. PI. M. g. dagös, ahd. tagä. Man muß daher annehmen, daß urgerm. ös ahd. usw. zu ä geworden ist. Das ist immerhin auffallend, da *6m zu -o G. PI. tago, -ö(d) zu -o wird, g. galeikö, ahd. gillcho. Aber ich sehe keine Möglichkeit, die Formen auf -a anders zu erklären. Als Dativ erscheinen im Germanischen zwei Formen. Got. gibai, ae. giefe geht wohl auf idg. -äi zurück, das sowohl Dativ (aus ä + ei) wie Lokativ (6 + i) sein kann. Es entspricht gr. &ea, 1. mensae, JRomae. Eine Form auf -m findet sich im Anord. und Ahd. Man kann sie auf -6, -a zurückführen. Eine solche Form scheint es aber nicht im Idg. zu geben. Vielleicht war Die l-, je-, iä-Stämme.
  34. alt. Denn im Idg. ist ja überhaupt oder unter besondern Bedingungen zu je geworden. Vgl. materies und materia 'Stoff * und 1. acies 'scharfer Rand, scharfe Spitze5 =ahd. ecka. Nominative auf -s finden wir auch im Anord. An. ylgr 'Wölfin5 geht auf *wulgts zurück, und dies entspricht genau ai. vrkis. Es hat lange Zeit gedauert, ehe man die verschiedenen Klassen erkannt hat, und die Ansetzung der idg. Grund formen ist nicht sicher.
  35. M. E. standen Formen auf -je und -ja nebeneinander, und es gab Nominative mit und ohne s. Die Flexion. Singular Nom. Es gab 1. einen Nom. auf -f, ai. patni, lit. sukanti, das im Got. zu i ge kürzt wurde. Vgl. g. frijondi 'Freundin5. Dieses i ist im Idg. aus ijo entstanden, das im Gr. Tiörvia noch vorliegt.
  36. Nach kurzer Wurzelsilbe finden wir idg. ja, gr.
  37. T^KTCtiva. Dies liegt im Germ, nicht vor. Es ist viel leicht zu ja umgewandelt, g. sibja.
  38. Daneben gab es Nominative auf -je, 1. fades. Auch darauf kann g. sibja zurückgehen.
  39. Es gab Nominative auf -Ts, ai. vrkis = an. ylgr. Akk. Der Akk. ist in der Klasse frijondi vom Nom. verschieden. Daher g. frijöndja, an. beide, ae. sibbe, ahd. kuniginna. Ich habe diese Form auf -jem, 1. fadem zurück geführt, was sicher möglich ist. Nötig ist das, wenn ur- germ. -am, -öm im Got. zu -au geworden ist. S. 1, 135. Genitiv. Der Genitiv geht sicher auf -jäs zurück. Dativ. Dementsprechend dürfte der Dativ g. -jai aus -jai entstanden sein. Doch ist auch Ableitung aus -jei möglich. Vgl. g. ansfai <Z *anstei. S. u. § 59. Eine Flexion sibje, Akk. sibjem, Gen. sibjäs, D. sibjäi, wie ich sie anselze, sieht sonderbar aus. Etwas Ähnliches liegt aber im Lat. vor. Vgl. Niedermann, M61. de Saussure 56, Stolz- Schmalz, Lat. Gr. 5, 205. Schon Goßrau, Lat. Sprachlehre* (18S0) sagt S. 94: "Die mehr als zweisilbigen Wörter auf -ies haben meist nur den Nom., auch wohl noch Akk. u. Abi. Sg. nach der fünften, den Gen. und Dat. nach der ersten. Daher luxuriös, aber ex luxuria *) Literatur: Sievers, PBrBtr. 5, 136 ff. -Streitberg, Btr. 14, 180; 15,489. -Jellinek, Btr. 16,318. -Walde, Aus lautgesetze, S. 179 ff. -J. Schmidt, Ntr. 69 ff. -Hellquist, Arkiv 7, 29 ff. -H. Lommel, Femininbildungen 72. -Bengt- Hesselmann, Västnordiska studier 2, 22f. -Sievers, BSGW. 77,2. §58.] [ § 58 a. 58 b. 59.
  40. Die Feminina.
  41. Stammbildung. 1. Die Bildung mit dem Nom. auf -i finden wir zunächst im Idg. als Bildung des Fern, der Adjektiva oder movierter Fern, zu allen Stämmen, z. T. auch zu den o-Stämmen. Hierher g. frijöndi : frijönds 'Freund'; -g. mawi 'Mädchen* : tnagns 'Knabe* < *magicl\ g. ßiwi 'Dienerin*: ßius 'Dienerin'; ahd. nift -ai. naptt 'Enkelin' : ai. napät, 1. nepos.1) Ferner gehört hierher g. jukiizi 'Joch*, eine i-Erweiterung von gr. ZeOfo«; und die Wörter mit dem Suffix -tnuni, -ubni, -ufni, wie lauhnmni 'Blilz*, fraistubni 'Versuchung*, icundufni 'Wunde*, die lat. wie calumnia entsprechen. Es sind eigentlich Fern, zu den Partizipien auf -tneno.
  42. Das Suffix bildet Abstrakta, Kluge3, § 113f. Hierher g. bavja 'Wunde5, ae. benn; g. wrakja 'Verfolgung5. Sie entsprechen lat. Bildungen wie aciSs (= ahd. ecka), facies, rabics.
  43. Eine besondere Klasse bilden die Wörter auf ~ls, an. ylgr = ai. vrkis. Sie hatten eigentlich einen Nom. auf -es, der nur im Lat. noch vorliegt. Dieser wurde durch -is ersetzt. Anm. Diese Deklinalionsklasse mufi viel zahlreicher gewesen sein. Sie hat Verluste erlitten dadurch, daß die Wörter zum großen Teil in die «-Deklination übergegangen siud. Dahin gehören: 1. Die *w-Stämme, s. u. § 65.
  44. Die jon-Stämme wie g. gartmjö 'Überschwemmung', g. sakjö 'Streit*, an. fylgja 'Hilfe*. 58 b. Die Betonung. Die Betonung zeigt dieselben Erscheinungen wie überhaupt die Nominalstämme. Alt sind an. ylgr, ahd. iculpa : ai. vrkts\ ahd. ecka, an. egg : gr. ÄKiq 'Spitze*, 1. acies; vgl. Barben 59. Die femininen i-Stämme. Während der Plural mit der Flexion der Mask. übereinstimmt, hat sich im Singular die alte i-Deklination im Got. regelrecht erhalten. Ahd. [ § 59. 60. Die Feminina. Der Plural geht wie bei den maskulinen i-Stämmen. Es heißt auch g. anstc. Man erwartet *anstijö.
  45. Stammbildung. Die Hauptmasse der fern, i- Stämme sind Bildungen auf -ti und -ni mit der Bedeutung von Verbalabstrakten. a) Die fi-Stämme waren idg. und sind in den meisten Sprachen noch erhalten.1) i war ein Determinativ, das an f-Bildungen (vgl. § 9, 3) trat. Die Stämme hatten viel fach Schwundstufe der Basis und Endbetonung. Vgl. IGr. 3, 103 und 5, 248, sowie zur Betonung Bar her. G. gaqumßs 'Zusammenkunft*, 1. conventio; g. gabaurßs, ahd. giburt: 1. fors; ahd. stat, ae. stede = 1. statio, g. GTCtöis. Wir finden aber auch Vollstufe, die auch berechtigt ist. G. deßs, ahd. tat 'Tat*, abg. diti 'Tat*; aber gr. - g. seßs, ahd. sät, abg. siti-ba, aber 1. satio; -g. knößs, ahd. knuot 'Geschlecht*, aber 1. nätio; -ahd. urknät 'agnitio* = gr. yvuktic. b) Die Bildungen auf -ni-sind zwar auch in den verwandten Sprachen vorhanden, vgl. Brugmann, Grd.2 2, 1, 286, aber in weit beschränkterem Umfang als die auf -ti. Wie die /i-Bildungen im engsten Zusammenhang mit den Verbaladjektiven auf -t, -io stehen, so gehören die »«-Bildungen mit denen auf -no zusammen, wenngleich dieser Zusammenhang nur noch selten besteht. Es scheint mir, daß die «i-Bildungen den fi-Stämmen nachgebildet sind, indem -nt-zu den Verbaladjektiven auf -no-ge stellt wurde wie -ti neben -io 6tand. Beispiele: g. taikus 'Zeichen*; sökns 'Streitsache*; siuns 'Ge sicht* : saihan; andatoizns 'Unterhalt'; toailaioizns 'gute Kost*; ae. ben 'Bitte*. Auf Abstraktion beruht dann das Suffix -sni, das
  46. T. aus -t-sni entstanden ist. G. us-beisns 'Geduld* : beidan 'warten'; g. ana-büsns 'Befehl* anäbiudan; g. garlhsns 'Anordnung*. Eine besondere Kategorie entsteht dadurch, daß von den drei Klassen schwacher Verben mit Suffix -ni Ver balabstrakta gebildet werden, die im Gotischen besonders verbreitet sind. Im Lat. sind sie zum guten Teil durch n erweitert; vgl.
  47. Zu ^o-Verben finden wir Bildungen auf -?ni. So g. laisems 'Lehre' : laisjan; naiteins 'Lästerung' : naitjan.
  48. Zu ö-Verben gehört -oni : frijöns 'Liebe': frijön.
  49. Zu e-Verben -aini, g. pahains 'Schweigen' : pahan; pulains 'das Dulden', libains 'das Leben', anakunnains 'Erkenntnis', watiains 'Mangel', bauahis 'Wohnung', trauains 'Vertrauen', atwituins Be obachten', lubains 'Hofinung', gafocilains 'Verweilen', leikains 'Ge fallen', muljastaeipains 'Überflutung', birünains 'Nachstellung', wö- kains 'Nachtwachen', gahöbains 'Enthaltsamkeit', Diese Bildung setzt m. E. Verbaladjektiva auf -no voraus, wie wir sie im Germanischen bei den starken Verben und im Slawischen bei allen Verben finden. Tat sächlich finden wir die meisten Entsprechungen im Sla wischen, vgl. abg. danl 'Gabe*, prtstanl 'Unterlaß*, basnl 'Fabel, Bezauberung* usw. Vgl. Vondräk, Vergl. slaw. Gramm.2, 1, 642. Es ist bemerkenswert, daß im Griech. und Lat. die entsprechenden Bildungen mit Suffix -ti gebildet werden. Vgl. gr. öpöou; 'das Sehen', 1. plantätio, gr. eibri^1? 'Wissen, Einsicht', entsprechend als spärlicher Rest g. faheps 'Freude'. Das lange i der ersten Klasse findet sich in 1. flratio 'Begrenzung5, sortitio 'Losen5, mölitio 'das in Bewegung setzen5. Auch die lit. slaw. Infinitive auf -ti gehören hier her, ebenfalls mit », z. B. gostiti 'bewirten5. Es muß sich also im Germanischen das Suffix -ni ausgedehnt haben. Aura. Die Abstrakta auf -ni lassen sich auch mit den gr. Inf. auf -vai zusammenbringen.
  50. Sonstige »-Bildungen treten den genannten gegen über zurück. Hierher gehören: g. tcens 'Hoffnung'; g. qens, as. qu&n 'Weib% ai. jdni8.
  51. Betonung. Auch die t-Stämme hatten ursprüng lich wohl wechselnden Ton, wovon einzelne Reste und die Stammabstufung Kunde geben. Im Germ, haben wir teils Endbetonung, teils Wurzelbetonung. Vgl. Barber. 62. Die femininen n-Stämme. Wir haben keinen
  52. Grund anzunehmen, daß im Idg. die femin. n-Stämme eine andere Flexion gehabt haben als die Maskulina. .
  53. Das Pronomen. Bei den Dual-und Pluralbildungen findet sich eine Endung -er-, -orwährend lat. gr. -tero (1. noster, vester) auftritt. r findet sich noch im Arm. Die genauere Her kunft ist unklar.
  54. Die geschlechtigen Pronomina. Die Stämme. Die Pronominalstämme stimmen teils wenig überein, teils sind sie nicht weit verbreitet. Das beruht darauf, daß ihnen eigentlich Partikeln, Adverbia zugrunde liegen, von denen eine große Anzahl bestand. So haben wir im Lat. eine Partikel ce in ce-do, hi-c, die im Lit. Slaw. zu einem vollen Paradigma entwickelt ist, lit. sbs, abg. st. Auch im Germ, gibt es Anfänge dazu in g. hidre, e. hiper, as. he, was dann im Ae. zu dem Pronomen he, hit, heo führt. -Aus der Partikel ghi, gr. x» entwickelt sich im Lat. das Pronomen hic. - So sind auch die Stämme so und to eigentlich Partikeln. Vgl. lGr. 3, 13, 27. Der Nom. g. sa 'der' darf wohl mit g. sai 'ecce5 zusammen gebracht weiden, to haben wir in g. ßar 'da5 usw. Diese Adverbien wurden mit Determinativen versehen, und erst allmählich entwickelte sich die Flexion. Von Anfang an stehen in der pronominalen Flexion o-und i-Stämme ganz nebeneinander. S. oben § 86. An die verschiedenen Stämme traten weiter Partikeln, wo durch auch die Kasus entstanden sind. S. IGr. 3, 32 u. vgl. auch E. Schwyzer, Donum Natalicum Schrijnen, 364.
  55. Interrogativum und Indefinitum. Das einzige Pro nomen, dessen Stamm gleichmäßig durch die Sprachen hindurchgeht, ist der Fragestamm idg. kwe, kwo, kwi. Bei diesem wird ursprünglich der Nom. Akk. vom Stamm kroi gebildet, gr. t{^, Akk. xiv(cü, 1. qtiis, quem, ahd. (h)wer, wen. Dagegen linden wir kwo in ai. Aras, 1. quod, lit. käs, abg. kiito, got. Joas, N. ha, aisl. huat N., ae. hwä, hwxt, as. hwe, hicat, ahd. hwag.1) Ae. htcil, as. hwe geht wohl auf *kwoi, alat. quoi zurück. Der Stamm kwi findet sich im Germ, noch in got. hideiks 'wie beschaffen5, ae. hwilc. Seit idg. Zeit war dieser Stamm auch indefinit (es hat wer getan), und zwar war dies das ältere. Das ergibt sich aus folgendem: 1. Der Stamm kwi stellt eine Schwundstufe dar, die in unbetonter Stellung entstanden sein muß, was für das Indefinitum zutrifft.
  56. >) Vielleicht lautete der Akk. kvom, vgl. das zur Partikel er starrte ai. Ara?«, 1. quom, g. han. Das Pronomen.
  57. g. hanhun 'jemals*, eigentlich 'wann, wann* : 1. -cunque in quictmque, indem kwe durch -hun = ai. dann ersetzt ist;
  58. g. he Instrumental 'womit*: gr. urj in mfyiroKa. Als Indefinitum finden wir gg. außer dem Stamm kwo noch g. sums 'irgendeiner*, ae. ahd. sum, das dem gr. €iq 'einer*, mit der Reduktionsstufe von dpct, entspricht.
  59. Demonstrativa. Die Stämme. Bei der großen Masse der deiktischen Pronomina sind zu unterscheiden, die anaphorischen (rückweisenden) und die deiktischen (hinweisenden) Pronomina. Bei diesen gibt es wieder verschiedene Zeigearten, nämlich das auf die erste Person bezügliche 'hier* (1. liic), das auf die zweite Person bezüg liche 'da*, 1. iste, und das auf die dritte Person bezügliche er oder jener, 1. ille. Literatur: Brugmann, Die Demonstrativpronomina der idg.
  60. Sprachen, Leipzig 1909; Prokosch, Beiträge z. Lehre vom Demon strativpronomen in den altgerm. Dialekten, Leipzig 1906.
  61. Ein altes Demonstrativpronomen ist das aus den Stämmen so und to zusammengesetzte, das im Griech., Germ, und Aind. vorliegt. Vgl. g. sa, so, ßata, gr. 6, f|, tö, ai. sa, sä, tad. Der Stamm so zeigt sich nur im Nom. Sg. Mask., und er war weiter nichts als ein Adverb mit der Be deutung 'hier* oder 'da*. Schon Bo pp sah dieses so in den verschiedenen mit s gebildeten Kasusendungen. Ferner liegt er vor in Adverbien wie 1. sic, si, g. sai. Vgl. IGr. 3, 13. Zu sa wurde dann ein Fern, sä gebildet. Ebenso war der Stamm te, to adverbial. Vgl. gr.
  62. Tfj 'da*. Wir merzen so aus und sagen der, die, das. In verschiedenen Formen, namentlich im Plural, liegt ein Stamm toi zugrunde, der aus to + i entstanden ist. Anm. Mit dem Stamm so 'der da* berührte sich der Stamm 8uo, der eigentlich 'selbst, eigen* bedeutete (vgl. ai. svajdm 'selbst*), weil das to z. T. geschwunden war. Vgl. 1. sibi, se, g. sik usw.). Daher finden wir denn auch den Stamm swo in der demonstrativen Bedeutung, vgl. g. stca 'so*, aisl. svä, ae. smä, g. swastve, swe 'wie*, osk. svai, urabr. sw 'wenn*, neben 1. si. Anders Brugmann, Demonstr. 31.
  63. Ein zweites Pronomen, anaphorischer Bedeutung, zeigt den Stamm i, N. 1. is, g. is, ahd. ir, mit Vollstufe ek Die Flexion.
  64. §77.] Der Nom. Sing, ist zunächst rein nominal, g. M. blinds, Ntr. blind, F. blinda = ahd. blint usw. Im Ntr. hat das Got. die pronominale Form blindata. Ebenso aisl. spakt, ahd. blintag. Ae. und As. kennen diese Form nicht. Im Ahd. bekommt auch das F. eine pronominale Form blintiu nach diu, und das Mask. blinter nach *dtr, das zu erschließen ist. Der Akk. Sg. M. zeigt die pronominale Form in allen Dialekten. Der Gen. M. hatte schon im Idg. bei den Sub stantiven die pronominale Form angenommen. Daher kann hier keine Veränderung eintreten, got. dagis, ßis, blindis. Anm. Erst nhd. scheidet man auch in diesem Fall die Adjektivform von der Substantivform : guten MtUs neben gutes Muts. Der Dativ M. ist überall pronominal. Das ist auch litauisch. Der Plural N. M. hat schon frühzeitig die prono minale Form angenommen, vgl. g. isti, gr. KaXot, g. blindai nach ßai, aber dagös. Das Neutrum ist g. noch regelmäßig, g. blinda. Im Ahd. hätte eine endungslose Form ent stehen müssen. Nach dem Pronomen diu heißt es blint(i)u. Der Akk. ist in g. blvtdans, an. spaka nominal, sonst nicht vom Nom. verschieden. Der Genitiv ist allgemein pronominal. Vgl. dazu
  65. Der Nom. Sg. ist nominal. Ahd. wird die Endung pronominal blint(i)u. Der Akk. ist nominal und bleibt es. Der Genitiv ist überall pronominal. Der Dat. ist gotisch noch nominal, blindai; wird sonst pronominal. Der Nom. PI. ist got. nominal, übereinstimmend mit der pronominalen Form, blindös, ßös. Der Gen. ist pronominal und ebenso der Dativ im Got. und Ahd. In einer Reihe von Fällen waren ursprünglich Sub stantiv-und Pronominalflexion gleich; sie entwickelten [ § 77.
  66. Das Adjektivum. sich aber infolge der Betonung, da das Pronomen ein silbig, das Adjektivum mehrsilbig war, verschieden. So heißt es g. N. Sg. F. giba, aber sö, Akk. giba, aber ßö, N. PI. Ntr. tvaürda, aber ßö. Im Ahd. ißt die Verschiedenheit noch weiter gegangen, und das Pronomen wirkt nun aufs neue auf die Adjektiv deklination ein. So heißt es N. Sg. F. geba, aber Pron. diu; daher Adj. blintiu; ähnlich im N. PI. Ntr. wort, aber diu und danach blintiu. Auf Grund dieser deutlich hervortretenden Ent wicklungsneigung habe ich IF. 1, 214 vermutet, daß ahd.
  67. N. PI. F. blinto gegenüber geba nach dem Pronomen *dö, dafür dio, gebildet ist, was ich aufrecht erhalte. Ebenso im Ae. giefa nach blinda, itä. Vgl. oben S. 60. Zuweilen weicht die «pronominale» Adjektivendung von der Pronominalform ab. So heißt es g. blindaizös G. Sg. F., aber ßizös, G. PI. N. blin- daize, aber ßize. F. blindaizö, aber ßizö. Hier hilft das Ae., wo wir G. Sg. diSre, PI. dära, aber adj. hwietre, hwotra, ahd. blintera = g. *blindtzös finden. Es hieß wahrscheinlich im Sing. *ßczös = ai. taajäs, aber PI. *ßaizö = ai. teSäm, und es wurde nun ausgeglichen nach verschiedenen Richtungen. Neben diesen o-Stämmen gibt es noch eine Reihe anderer Stämme, die durchweg nach der ./-Flexion gehen, 8ich also nur durch ein den Endungen vorausgehendes j von den o-Stämmen unterscheiden. Einzig im N. Sg. finden wir Abweichungen. Es lautet: 1. bei den ./-Stämmen mit kurzer Wurzelsilbe g. M. midjis, Ntr. *midi, Fern. midja\
  68. M. wilßeis, Ntr. tcilßi, Fern. xoilßi\
  69. bei den sog. i-Stämmen g. M. hrains, Ntr. Jiraiti, Fern, hrains;
  70. bei den ?i-Stämmen g. M. hardus, N. hardu, F. hardus. Hier ist zu beachten, daß das Fern, bei den i-und w-Stämmen nicht vom Mask. verschieden ist, womit eine idg. Eigentümlichkeit bewahrt ist. Vgl. IGr. 3, 330 f. [ § 77. 78.
  71. Das Adjektivum. Entsprechend finden wir im Lit. N. Sg. sukfys, Gen. sükanö'ö und im Abg. nesy, Gen. nesoSta <d *nesontjüd. Man kann daraus schließen, daß die /-Flexion älter ist als die Sonderentwicklung des Germanischen. Der Gedanke, daß ein Pronomen angetreten ist, liegt nahe.
  72. Die Motion, bes. die Femininbildung. Als zweite Eigentümlichkeit des Adjektivums finden wir die Motion. Ziemlich allgemein verbreitet ist die Unterscheidung von Mask. Fern, einer-und Ntr. anderseits. Das ist der Fall im Komp. gr. fieföuuv, peiCov, 1. maior, maius; bei den es- Adjektiven, gr. eüceßris, euceß^q, vielleicht auch beim Part. Präs. 1. ferens m. f. Auch die «-Adjektiva haben kein Fern, gebildet, wa3 sich in g. ßaursus f. erhalten bat. Ebenso wird N. hrains als M. und F. verwendet.1) Der ganzen Eigenart des Germanischen entsprechend ist hier das Femininum mit ganz geringen Ausnahmen als besondere Form völlig ausgebildet. I. Die älteste Femininabildung ist idg. die auf -f, gr. ia (wohl aus ijd) oder ja, gr. (j)a. Vgl. gr. |iAa<;, g^Xaiva, tibO?, f)beia.
  73. Diese Bildungsweise ist im Germanischen nur wenig erhalten. Wir finden: 1. g. si 'sie* im Pronomen;
  74. i beim movierten Fern. So frijöndi, 'Freundin'; hulundi.
  75. 'Höhle', eig. Part, zu helan, gr. cp^pouaa; jukuzi 'Joch', eig. Fern, zum Part. Perf. gr. etbuta, ai. Perf. jujöja; auch wohl *bertisi, eig. 'Mutter', nur erhalten in bernsjös n. pl. 'Eltern'; mawi 'xMadchen', ßiwi 'Dienerin* : magus, ßius. Auch bei /-Stämmen findet sich dieses Fern. Vgl. tcöpi 'süß*. Dagegen entspricht got. N. F. frija wohl ai. prijd.
  76. In andern Fällen ist der Auslaut % durch das «- Determinativ ( § 53. 62) erweitert worden, so daß dann in- Stämme entstehen. Hierher gehören:
  77. Das Fern, des Part. Präs. g. nitnandei = gr. cp^pouaa < *bherontja, lit. sukantX, abg. bergsti, ai. bharatl.
  78. Das Fern, des Komparativs (Neubildung), G. managiz-ei, lit. saldesne.
  79. •) Wieweit es noch Adjektive einer Endung gibt, tut hier nichts zur Sache. [ § 79.
  80. Das Adjektivum. laut und in einigen Resten der Betonung zeigt. Vgl. IGr. 5, 268. Vgl. ahd. suozgi, ags. sielte, gr. fjbü? : got. sütis; -got. filw : gr. uoXü, ai. puru; -got. hardus : gr. Kpaxü?; -got. seipus 'spät5; -ahd. zähi, ae. töh\ -ai. vdsus, gr. cö, germ. wisu, gegenüber gr. 40?. Anm. Wie aus dem Lit. und gr. eu, ai. vdsu gegenüber 40? hervorgeht, war das Ntr. wurzelbetont. Vgl. IGr. 5, 2(iS. In engstem Zusammenhang mit den u-Stämmen stehen Adjektiva, die mit Suffix -wo gebildet sind. Während sich n meist nach Konsonanten findet, steht wo im wesent lichen nach Vokal oder Sonorlaut. Daneben finden wir einen Wechsel von u und wo. Vgl. gr. Tava/cx; : ai. tanu-\ lit. leügvas' .gr. 4Xaxu?-Vgl. noch Karsten 2, 230. Mög licherweise beruht dieser Wechsel darauf, daß im Nom. us, im Akk. oder im Ntr. -w-otn stand. Vgl. gr. Akk. 7toXXöv <C *pol-iuom : uoXu^. Beispiele für -xeo sind: g. qins < *qiwas = 1. vlvus, ai. jlvds; dazu *kwelcwas, an. kuikr, ae. ewicu; -ae. earo 'schnell', lappisch arcas; -ahd. läo 'lau', urg. *hlcwas\ -ahd. hurawer 'herb'; g. triggws, an. trgggr. Produktiv wurde -wo zur Bildung von Farbebezeich nung: ahd. bläo < *bleu>a$ 'blau' : 1. flävus 'blond': -ahd. geh <C *gehcas : 1. helvus; -ahd. falo < *falwas 'fahl', abg. plavü 'weiß' ; -ahd. salo 'schwarz' <C *sahvas\ ae. haso 'grau' < *haswas. 2. Die sogenannten i-Stämme. Es gibt im Got.
  81. Adj., die nach der J-Flexion gehen, nur im Nom. endungs los sind. So M. hrains, Ntr. hrain, das Fern, hrahis. Da im Got. ein t nach langer Silbe schwinden mußte, so setzt man als Grundform *hrainiz an, und sieht in ihnen i-Stämme. Aber es fehlen Adj. auf -i im Griech., Lit. und Indischen fast gänzlich, so daß ich sie nicht als idg. anerkannt habe. Indessen waren sie in gewissem Ausmaß doch vorhanden. Es entspricht nämlich g. gamains genau 1. communis, und im Lat. ist wie im Got. das Fern, gleich dem Mask. Die meisten Worte, die hierher gehören, sind Verbal- adjektiva, wie sie vor allem im Indischen vorliegen. IS
  82. Anderseits sind Determinative wie ke, ne u. a. an schon vorhandene Adjektiva getreten, und es ist dann die Flexion an das Ende verlegt worden. Das ist z. B. ganz sicher der Fall bei den slawischen Adjektiven auf -u, die im wesentlichen durch Determinativ -k erweitert sind. Im Germ, finden wir ähnlich (Kluge8, § 20(») : g. andanenieigs : on- da?iems 'angenehm*; ahd. toirdig : werd; rihtlg : relit u. a. Es läßt sich nicht immer erkennen, was anzunehmen ist, und zuweilen sind in scheinbar gleichartigen Bildungen beide Arten zusammengefallen. Das Antreten von o finden wir ganz deutlich bei der Bildung der Ordinalia aus den Kardinalien. Es heißt: idg. dehnt 'zehn*, g. taihun[dj. Dazu dehnt-6s, g. taihnnd-a gr. b^xcmx;; -idg. nion, g. niun. Dazu 1. nönns ■< *novbn-6ei; -* idg. oktöu, dazu 1. octdv-us, gr. ÖYbo-oq; -idg. septrn. Dazu 1. sep- timus, gr. £ßbopo<;. Von dehnt-os hat sich dann das Suffix -to los gelöst, g. niun da, ahtuda, ahd. sibunto; von scplbmos stammt -mo in 1. decimus. Anm. Ich erinnere daran, daß im Rumänischen das Ordinale aus dem Kardinale durch den postponierten Artikel l (ille) ge bildet wird. Ebenso ist wohl das sehr verbreitete Suffix -VO ent standen. Beispiele 6ind: g. gaurs 'traurig* : ai. ghöräs; - 'starr*; -ahd. lungar 'schnell* : gr. Aacppö?; - gr. axedpö^ 'knapp*; -ahd. timbar 'dunkel* : ai. tamrüs 'verdunkelnd, erstickend'; -ahd. tcär : 1. verus 'wahr*; -ahd. heitar : ai. öitrds; -ahd. wackar : ai. ugrds; -ahd. magar : 1. maccr, gr. paxpö? 'lang*; -ahd. jämar 'traurig* : gr. fipepo? 'sanft*; -germ. isara 'Flußname' : ai. isirds 'schnell*; -got. rauds < 'raudras mit Diss. zu ai. rudhirds. ahd. star 'starr* : ai. sthirds ahd. sketar 'dünn*: Zugrundo liegen Nomina, die mit dem Determinativ r (s. oben S.
  83. erweitert waren. Daher gr. öbap*6c; : übrnp 'Wasser*. Daneben standen auch unerweiterte Stämme, an die t getreten war, vgl. gr. cucx»*cto<; : gr. atcxp-6<; (vgl. oben S. 93). Im Germ, finden wir dementsprechend ein paar Bildungen auf -i neben solchen auf -ro.
  84. Vgl. mhd. luck, lilck : locker; ahd. toeggi 'Keil*, lit. vag\s 'Zapfen*, ai. vajra-m. n. 'Donnerkeil*, ahd. teacker 'munter, frisch*. Anm. Statt der Bildungen auf-r erscheinen häufig s-Stämme.
  85. Vgl. ai. tdmas 'Finsternis* : tamrds; gr. pf|KO<; 'Länge* : paxpöq; gr. üpeuöoi; 'Röte* : ^puöpö?, so daß man fast vermuten möchte, im Idg. sei s unter gewissen Bedingungen zu r geworden. Bei den übrigen Adjektiva bildenden Suffixen läßt sich nicht immer sicher erkennen wie sie entstanden sind.
  86. -lo, IGr. 3, 137 habe ich in l ein Determinativ gesehen, vgl. z. B. d. Nebel, 1. nebula: gr. v£cp-os 'Wolke*, und man kann daher das Adjektiva bildende Suffix -lo durch Antreten von e, o erklären. Anderseits kann aber auch ein Element le, lo an Adjektiva getreten sein. Vgl. gr. f)bu-\os : fjbu?. Im Germ, können wir von dem Ursprung nichts mehr erkennen. Wir finden zunächst eine Reihe alter tümlicher Bildungen ohne Mittelvokal. So g. hails 'gesund*, ahd. fül 'faul*; 1. püs, g. agls 'schrecklich*: g. öx°C-ahd. eteckal, ae. stikol 'steil*. Irgendeine genaue Entsprechung in den verwandten Sprachen fehlt. Denn abg. celu = g. hails ist wohl entlehnt. Daneben stehen Formen mit Mittel vokal. Deutliches Determinativ l in g. mikils, an. mykell -gr. pexaXo neben ai. mahi, gr. Vgl. noch Kluge3, § 190.
  87. -tno ist nicht selten, zeigt aber keine Eigenart. Material bei Kluge3, § 184 und Karsten, 2, 61. Beispiele: g. icarms : gr. öeppdi;, 1. formus, ai. gharmas 'warm*; -g. arms : gr. £pr)pö<; oder zu gr. <$p9avö<; 'verwaist, beraubt*. Anm. -mo-ist wohl nach 1, 110c z. T. aus -mno-entstanden.
  88. Vgl. gr. öeppaiviu : Oeppöi;; 1. almus 'nährend* neben alumnns. Ander seits ist -»io ein Determinativ, vgl. gr. cpcubi-pÖ£ 'glänzend* : tpcubpö«;, 1. lacru-ma : gr. bdxpu, g. tagt.
  89. -no (vgl. Karsten, 2, 30) bildet zunächst Verbal- adjektiva. Es tritt unmittelbar an den Stamm oder an den «Bindevokal». G. *gairns zu erschließen aus gairnei 'Verlangen*, ahd. gern begehren mit auffälligem Vokalismus; g. surikns 'rein, unschuldig'; - g. tbns, ahd. eban 'eben* : ai. jamäs 'zwilling*: -g. ahd. an. barn 'Kind* : lit. btrnas 'Knabe* zu idg. bher 'tragen*. Zahlreiche Fälle sind nicht ohne weiteres erkennbar, weil n assimiliert ist. Hierher g. fülle = ai. pürnds, lit. pMnas, abg. plätiü. : 1. ple- nus• -g. heits < *hiddna = ai. Jvltnas; -an. lokkr m. 'Haar locke*, ae. lokk = lit. lugnas 'biegsam*; aschwed. blotter 'bloß*, d. blutt < *bludnä. Ein Adjektiv ist wohl auch g. tculla, ahd. tcölla = 1. lätia, ai. üriiä, lit. vMna 'Wolle*. Auch dieses Suffix -no könnte mit mno zusammen gehören. Über -no als eigentliches Verbaladjektiv vgl. § 157.. [ § 79.
  90. Das Adjektivum. Ganz anderer Herkunft ist ein Suffix -Ino, das sich außer im Germ, im Lat. und Ind. findet und die Zu gehörigkeit bezeichnet. Es war also wohl idg., ist aber in der alten Zeit dadurch entstanden, daß das Determinativ -ne an Bildungen auf -l trat. Diese Bildung auf -f, die im Germ. Fern, bildet, vgl. frijöJidi, erscheint im Lat. als Gen. Sg. virl, und drückte allein schon die Zugehörigkeit ÜU8.
  91. Idg. -to bildet Adjektiva, insbesondere Verbal- adjektiva. Das Germ, und Lat. stimmen darin überein, daß sie wenige der alten Bildungen, die Schwundstufe der Stammsilbe erforderten, bewahrt haben, das Suffix aber als regelrechtes Verbaladjektiv haben produktiv werden lassen (s. u.). Das Suffix -to hängt auf das engste zusammen mit dem -1, das an Wurzelnomina tritt (s. o. S. 8).
  92. G. uswiss, ahd. gewiss 'gewiß* < *wid-tös; an. dnndr, ahd. töt 'gestorben'; -hluda in Eigennamen, z. B. alid Hludo-wig : gr. kXutö<;; daneben hlöfia-;
  93. -Jcunds 'stammend' : 1. nätus; -g. kunps 'bekannt';1. nöltis; ahd. alt : 1. altus 'hoch', von alo 'wachsen'; -g. loassa 'scharf < *hatta : hatjan 'schärfen'; -an. kaldr 'kalt' : an. kala 'frieren5; -an. staßr 'stehend, halsstarrig' : 1. Status, gr. öxax<5<;. Über to als Verbaladjektiv s. § 157.
  94. Das Suffix -ke, -ko kann man nur verstehen, wenn man sich über seinen Ursprung klar wird.
  95. Ist -ke nämlich ein Determinativ, wie c in 1. hic, das an Adjektiva tritt, ohne dessen Bedeutung zu ver ändern. Vgl. IGr. 3, 114. So finden wir ai. sana-kds, 1. senecs, g. sineigs : ai. sdnas 'alt*,
  96. Gen. scnis; -g. ainö-hö Fern.: aina-hs, vgl. ai. $ka-kas \ \. juvencus, iS-juggs : \. juvenis 'jung5, %.junda= 1. juven-tä 'Jugend'; ahd. föh, 1. paucus : g. fawai, e. few; g. handugs 'weise5, wohl zu einem Adj. mkontüs\ ahd. görag 'betrübt' : g. gaurs; ahd. sälig : g. sels 'glücklich5.
  97. Ich nehme an, daß sich allmählich dieses -ko als ein Adjektiva bildendes Suffix losgelöst hat und dann Adjektiva von Substantiven ableitet.
  98. Vgl. Hirt, IF. 31, 1 ff.
  99. Betonung. § 79. 80.] So finden wir got. mödags 'zornig', von möd-, g. haila-gs : g. hail-8 usw. und auch g. stainahs mit h. Vgl. Kluge*, § 207. Das Adjektiva bildende Sufiix hat ver-
  100. Jo-. schiedenen Ursprung. a) Es bildet Adjektiva, die die Zugehörigkeit be zeichnen, wie 1. patrius, gr. dypto^. Derartige Bildungen liegen im Germ, nur als Subst. vor. G. hatrdei$<C*hirdijaz : *herda 'Herde'; -g. lekeis 'Arzt' : *lck 'Arznei'; -g. asneis 'Arbeiter' : g. asans 'Ernte'; -germ. *aujä 'Insel' : aha 'Wasser'. Vgl. Kluge8, § 183.
  101. Die ältesten j-Adjektiva sind dagegen aus Adverbien auf -i entstanden. So g. midjis 'mitten' = 1. viedius, gr. H^co?, ai. madhj-am;
  102. zugrunde liegt idg. *medhi, IGr. 3, 88; -ferner g. aljis -1. alius, gr. dXXoq von alt, vgl. 1. ali-quis; -g. niuj-ts = ai. navjas von neici neben gr. Woq, 1. novus, ai. ndvas von neu (nu)\ -g. falrneis, ahd. ftrni 'alt', 1. perendic; -g. sunjis 'wahrhaftig' ; satjds; g. teil- peis 'wild* : ai. vrthd. Der dem angetretenen Element vorangehende Stamm geht im Germanischen gewöhnlich auf -a, idg. -o aus. Im Idg. waren aber alle Vokale möglich, die sich als Stamm auslaut finden, also i, m, ü und vor allem i. ä ist im Lat. und Griechischen sehr verbreitet. Über i vgl. Hirt, IP. 31, 1 ff. i bildete im Idg.
  103. Formen, die im Lat. als Gen. Sg., lupl, im Germ, als Feminina vorliegen (g. frijöndi). Daß beides nicht das Ursprüngliche ist, zeigen die Ableitungen. Denn an das l sind verschiedene Determinative getreten und haben An laß zur Bildung verschiedener neuer Suffixe gegeben. a) Schon idg. ist Suffix -tno, g. -ein, das Stoffadjektiva bildet.
  104. Vgl. Kluge8; § 198. Vgl. g. gaiteins, 1. haedinus', -g. sicein, 1. sui- num; -g. airpeins 'irden'; g. aiweitis : 1. aevi. b) Ebenso ist Suffix -lg durch Antreten von Determinativ -ke an Bildungen auf -i zu erklären. G. tnahteigs : mahts\ ginddig : ginäda; g. ßiußeigs : ßiup; ahd. sältg : g. 8cls.
  105. Betonung. Die Adjektiva waren in weitem Um fang im Idg. endbetont1), wofür auch im Germanischen zahlreiche Beispiele sprechen.
  106. G. D. n a. a. 0.
  107. *) Literatur: Lichtenfeld, ZfdA. 16, 325fT.; IS, 17. -L. Meyer, Über die Flexion der Adjekliva im Deutschen, 1863. -H. Osthoff, Zur Geschichte des schwachen deutschen Adjektivums. Forsch, im Gebiete der idg. nominalen Stammbildung II, Jena 1S76. - H. Zimmer, Die Nominalsufiixe a und ä in den germ. Sprachen, 1S76, S. 170, -Osthoff, Zur Frage des Ursprungs der germ «- Deklination, Btr. 3, 1 ff. -M. H. Jellinek, AnzfdA. 32, 7 ff., Btr. 34, 581. -E. Wessen, Zur Geschichte der germ. n-Deklination.
  108. Adverbia. Negation. Die idg. Negation war ne, 1. ne-, ai. na, g. abd. äs. »i, ae. ne. Dazu die Schwundstufe gg. un-= gr. d-, dv-, 1. in, ai. Dazu g. nih = 1. neque, ai. naöa. Als Dehnung dazu g. nB 'nein*, lat. nB. Fragepartikel: g. -u und -uh ist vielleicht aus -un entstanden und die Schwundstufe zu 1. -ne (notme); kann natürlich auch altes u sein; -g. an, ob gleich gr. dv und 1. an? Vgl. Walde, Lat. WB.3 s. v. Konjunktionen: g. aß in ap-ßan 'aber*: 1. ai; g. ak 'sondern*, ae. ac, as. aÄ1)?; g. iß 'aber* = ai. äti 'darüber hinaus5, gr. £ti 'ferner*, 1. et; ahd. unti, ae. and 'und5, viel leicht zu ai. atha 'dann*; g. jd-h 'und* = gr. öte 'wann*;
  109. abd. as. ae. nu 'jetzt5, e. now = ai. nu, gr. vu, lit. nii, erweitert 1. nunc, gr. vuv, mhd. nun, abg. nynB 'jetzt*; dazu g. nauh 'noch5, ahd. as. noh <d idg. *nu-kwe; g. -h = 1. -que, gr. T€, ai. öa; g. -Am» =ai. öana;
  110. -ei als Relativpartikel ist = gr. ei 'da, wann5, lit. jei;
  111. Syntax; ahd. (thar)-ot 'dorthin*: ai. utä oder gr. ciCrre (Brug- mann, Grd.2 2, 2, 732);
  112. Adverbia aus Kasus oder mit ableitenden Ele- Neben den eben angeführten stehen nun Ad- menten. verbien, die aus Kasus entstanden oder mit ableitenden Elementen gebildet sind.
  113. Gemeinwestindogermanisch sind Adverbien auf -6d von Adjektiven auf -o wie gr. kcxXujc;, 1. subito, got. galeikö, an. lika, as. gilico, ahd. gillcho. Es liegen wohl Ablative auf -öd zugrunde. Im Ae. müßten wir -a finden, wie tatsächlich dem got. umcBniggo 'unverhofft* ags. Bildungen auf -inga, -unga entsprechen, z. B. dearnunga 'heimlich*, weninga 'vielleicht5 (Sievers § 318).
  114. Nach Holthausen, IF. 17, 458 ist es gleich 1. age.
  115. In der Bedeutung 'auch, dazu* sieht man darin einen Im perativ *auke von aukan 'vornehmen5. Es ist aber auch gleich gr. au-Y€.
  116. §89.] Adverbia aus Kasus.
  117. Auch sonst gibt es noch einige ae. Adverbien auf -a, wie geostra, die aber auch anderer Herkunft sein können. Bemerkenswert ist, daß eine Reihe scheinbarer jo-• Stämme ihr Adverbium ohne Umlaut bilden. Vgl. ahd. ango : ahd. engi; faato : feati\ swüro : ahd. swäri, mhd. swiEre; stiogo : suogi. Es liegen hier w-Stumme zugrunde, die kein j hatten und daher auch keinen Umlaut zeigen könnten. Vgl. Kluge, Grd. 1, 401; .Hirt, IF. 6, 70».
  118. Natürlich kann in germ. -ö auch idg. -ö stecken, vgl. got. ufarö 'von oben': 1. suprä(d); undarö 'von unten*: 1. infra.
  119. Das im Ae. erscheinende -te kann auf -äm (Akk. Sing, gicfie) oder auch wohl auf *e zurückgehen, letzteren Falle würde sich ae. -ed : ahd. -öd verhalten wie lat. ferme, bene : -ö(d), 1. subito. Aber auch -äm war eine bei Adverbien beliebte Par tikel. Vgl. ai. prataräm, gr. Xiüv usw. Bei der nahen Ver wandtschaft des Lat. mit dem Germ, ist wohl jene An sicht vorzuziehen.
  120. Im Gotischen tritt ein Element -ba an den vokalisch auslautenden Stamm, z. B. g. harduba, ubilaba, analaugniba. Welcher Vokal dem a zugrunde liegt, läßt sich nicht sagen. Im -ba kann sein ein Lokativ auf -ai, ein Instr. auf -e oder -ö, uud schließlich ein Neutrum Plur. auf -ä, falls überhaupt ein Kasus darin steckt und nicht eine Partikel (gr. <pr| 'wie'?). Man hat mit diesen Bildungen slaw. Suhstantiva auf -ba ver glichen, die zunächst von Adjektiven abgeleitet sind. Z. B. skr. hudbba, r. chudobd, tsch. chudoba 'Armut5 : chudü 'arm5. Unsicher. 5. Andere Endungen sind unklar. In g. alja 'außer5 könnte ein N. PI. Ntr. = gr. AXXd stecken, ebenso in falrra 'fern5. Vgl. ferner g. ütana 'von außen5, innana 'von innen5, iupana 'von oben5, aftana 'von hinten5. Ich habe Bildungen wie 1. superne verglichen.
  121. Als ältesten Adverbialkasus kann man wohl den Kasus indefinitus ansehen = dem Nom. Akk. Sg. Ntr. Hierher g. filu = gr. iroXö 'viel5, ahd. gitiuog 'satis5, g. leitil 'wenig5, g. aito, ahd. io, d. je = 1. aeoom, g. niaito 'nie5, aisl. miok 'sehr stark5 = gr. Ferner wird diese Form vom Komparativ verwendet: g. hatihis 'höher5, nehis 'näher5, ahd. bag u. a. und vom Superlativ g. fmmist 'zuerst5, g. malst. Die Zahlen 1 -10.
  122. §910 Ein anderes Wort für 'zwei* mit der Bedeutung 'beide* bietet der idg. Stamm we, den wir in gr. /eiKOCJi, 1. viginti 'die beiden Zehner* finden. Er steckt ferner in der Dualendung des Nomens idg. öu <C o-we (ai. ä£vdu) und in der 1. Dekl. der Verba g. bairos, bairaiwa (s. u.) und im Pronominalstamm der 1. P. PI. g. wi-t 'wir beide*, weis 'wir* und 1. vös, bei denen das eigentliche Pronomen fortgefallen ist. Vgl. übrigens ai. ä-väm 'wir beide', ju-väm 'ihr beide* und g. iz-wis 'euch* mit dem eigent lichen Pronomen der 2. Person iz = gr. c-qpdü. In den geschichtlichen Zeiten ist aber we verloren gegangen und es ist ersetzt durch den Stamm bhe, bho, der mit verschiedenen Elementen zusammengesetzt ist, vgl. gr. ä|i-<puj, 1. am-bo, lit. a-bii> abg. o-ba, ai. u-bhüu. Einzig im Germ, liegt der einfache Stamm ba vor, der freilich gekürzt sein kann. Wir finden g. bai, D. PI. bahn, Akk. bans, Ntr. ba. Daneben bajöps, Dat. bajößum. Zweifellos entspricht g. ba, vgl. auch pö ba und ba po, dem N. Dual. gr. dp-(puj, ambo. Durch g. tiva ist dann die weitere Flexion von ba hervorgerufen. Das g. bai könnte ai. u-bhdj-am entsprechen. Zu dem Stamm baja gehört zweifellos auch g. bajöps und an. Gen. beggia. N. PI. bajo-ps, Dat. bajopum ist offenbar ein konsonantischer Stamm. Im Wgerm. wird an die Form bai der Artikel ge fügt. Daher M. bö-de, Ntr. bei-diu, as. m. be-thia, N. be-thiu und weiter mit mannigfacher Umwandlung. -Ae. hegen enthält ein Suffix, das vielleicht mit dem von g. twci-hnai 'zwei, je zwei* im grammatischen Wechsel steht.
  123. M. Got. An. Ae. Ahd. N. preis prtr drl dri = 1. tres, gr. Tpcu;, ai. träjas Ntr. prija priü drio drin = 1. iria, gr. xp(a Akk. prins = 1. tris, gr. xp(v<;
  124. G. prije priggia driora drio D. prim ßrim(r) drim drim.
  125. Das Fern. an. priär, um. prijoR, ae. ärSo, ahd. drio ist zweifellos eine Neubildung, da es dem Idg. fehlte. Dafür bestand eine Zss. ai. tisras. Vgl. IGr. 3, 309. [ § 94-96.
  126. Die Zahlworte. spricht got. sibunt dem gr. ^Trrab-; niunt-dem gr. eivag; laihunt dem gr. begab-, das Germanische stimmt also im Prinzip mit dem Griech. Lat. überein. Eine Schwierigkeit bleibt noch in dem langen Mittel vokal. Das Got. weist auf -e, und auch wohl das Alt- sächsische. Das Ahd. auf -ö. Nun könnte dies 1. septu- ä-ginta entsprechen. Anderseits können die Germanen sehr wohl in dem sibuntB-hund einen Gen. Plur. gesehen haben, und sie hätten daher im Ahd. die regelrechte Form sibunzo eingeführt. Doch scheint mir die erste Mög lichkeit vorzuziehen zu sein. 95. Die Übrigen Zahlen. 100. Das idg. Zahlwort 100 *krptöm ist regelrecht erhalten in g. hund, ae. hund n., ahd. zehanzug. Gewöhnlich ist es erweitert zu hwidert (ahd. erst seit dem 12. Jh.), ae. hundred, an. hundrad '120', durch Zss. mit rad 'Zahl*:g. rapjan 'zählen*. Gewöhnlich sagt man für 100 zelmzig. So got. taihuntB-hund, ae. hun(d)- tBontig, ahd. zehanzug, was auf eine 60 er Rechnung deutet. Bei den übrigen 100 wird hund als ein Ntr. Sing, aufgefaßt und demnach pluralisch flektiert. Got. tica hunda tuau hundrod tü hund ßrija hunda priü hundrod dreo hund 1000 bzw. 1200 heißt g. püsundi, an. pasund, ae. düsend, ahd. düsunt f., auch n. Zur Erklärung vgl. Bugge, Btr. 13, 327; Kluge, P. Grd. 2 1, 491; Hirt, 1F. 6, 344; van Helten, IF. 18, 121. Kluges Erklärung 'Großhundert' stützt sich auf das angebliche thuschunde der Lex Salica (vgl. darüber van Helten, Btr. 25, 515) und auf an. püshund, das aber dem ältesten Isl. durchaus fehlt. Vgl. L. Larsson, Ord förr&deL Ich sehe in g. püsundi eine Ableitung von der Basis tü, die 'Menge, Fülle' bedeutete. Anm. Von Bedeutung für das germanische Zahlensystem ist es, daß wir in der Bildungsweise drei Einschnitte haben, nach 12, nach 60 und nach 120. Mit Recht sieht hierin Joh. Schmidt, Die Urheimat des Idg., einen Einfluß des babylonischen Zahlensystems. Vgl. auch Hirt, Die Indogermanen, 534. 96. Die Ordinalia.
  127. Im Idg. gab es dafür verschiedene Ausdrücke.
  128. Vgl. gr. TrpujToq, 1. primus usw. Germ, finden wir: g. frutna, ae. as. forma = gr. rrpdpoi;, idg. *pr?mos : lit. plrmas aus idg. *p*r?mo8, das auch in 1. prandtum < präm-edium steckt, zu Ahd. zwei hunt thriu hunt.
  129. An. Ae. §96.] 115
  130. Die Ordinalia. dem idg. Stamm pr 'vorn* mit Suffix wo, wie in I. summus usw. Da neben an. fyratr, ae. fyrest (daneben fyrmesta), as. ahd. furisto, eine Zss. aus furi 'vorn' und sto-stehend. Weiter ae. xresta, as. trist, ahd. eristo: got. airis 'früher*. Gebildet nach furisto.
  131. Ebenso gab es für 'zweiter* verschiedene Aus drücke, vgl. gr. beuTepos, 1. alter, abg. vütory. Im Germ, finden wir g. anpar, an. annarr, ae. öder, as. öthar, ahd. ander = afUras 'der andere', ai. antaras und auch wohl I. alter < *anter.
  132. Für dritter finden wir übereinstimmend eine Ableitung mit -tjo.
  133. G. ßridja, an. pride, ae. dridda, as. thriddio, ahd. dritto kann genau 1. tertius < *triljos, auch lit. treö'as, abg. tretrji, entsprechen. Vgl. auch ai. trtijas. Die übrigen Ordinalia wurden ursprünglich mit dem
  134. Pronomen -e, -o abgeleitet. Von idg. defapt-os hat sich dann -tos losgelöst, das wir fast durchweg im Germa nischen finden. Daneben stand noch idg. -thos.
  135. Vgl. Hirt, IGr. 3, 316.
  136. -, g. -, an. fiörde, ae. feorda, ahd. feordo entspricht gr. T^Tpoto?, 1. quartus, ai. öaturthas.
  137. g. -, an. fim(m)te} ae. fifta, ahd. fimfto = gr. it^pirro?, 1. quitilus, aber ai. pauöamas. Daneben gibt es eine Form mit Schwundstufe funlito-, schwäb. fuft = awest. puchda. Vgl. hierzu Kauffmann, Btr. 12, 512; Zupitza, Gutturale, 8.
  138. g. salhsta, an. seile, ae. siexta, nhd. sehsto = gr. txxö?-,
  139. sextus. Ahd. findet sich in B. u. T. sehto = an. selte und wohl gr. ?kto<; mit idg.Schwund des«; Sievers, MU. 329. Anders Braune, Ahd. Gr., § 278.
  140. g. -, an. si(a)unde, ae. scofoda, ahd. sibunto ist germ. Neu bildung gegenüber gr. fßöop-o?, 1. septim-us;
  141. g. niunda, an. nlonde, ae. nigoda, ahd. niunto ist Neubildung wie gr. gvaxo«; gegenüber 1. nön-us.
  142. g. taihund-a, an. tionde, ae. tioda,, ahd. zehant-o -gr. b^Kax-o?. Neubildung 1. decimus. 11., 12 sind regelmäßig. • Von 13 an werden in ältester Zeit beide Zahlwörter als Ordinalia behandelt. Vgl. g. fimfta-talhunda, ahd. dritto zehanto usw., wie 1. tertius decimus, att. xpixoq xal b^Kaxo?. Schon früh faßt man aber nach unserer Weise das Kardinale als ein Kompositum auf....
  143. * [ § 96. 97. Die Zahlworte. Es gab also schon im Idg. mehrere Bildungsweisen der Ordinalia. Einige werden mit Suffix e, o, das einem Artikel entspricht, gebildet, die andern mit dem selb ständigen Element stho-'stehend', da s zwischen Kon sonanten ausgefallen ist.
  144. Sonstige Zahlworte. 1. Schon im Idg. gab es Zablsubstantiva auf -d oder -ti. Vgl. IGr. 3, 317.
  145. Sie sind im Anord. erhalten als finit, sett, siannd, niund, Hund u. a. Sie entsprechen griech. wie irevTct«;. £itrd<;, durabo«; oder abg. wie sesti '6', ai. sastls *60'; abg. sedmt *7\ ai. saptatls. Sie liegen, vgl. oben S. 113, den Zehnerbildungen von 70 an zugrunde.
  146. Im An. finden wir tvennr, ßrennr, femir. Sie haben die Bedeutung 'doppelt, dreifach* oder auch 'zwei* und 'drei*, und sie stehen vor allem beiPluralia tantum (Sievers bei Brugmann 72), also genau wie 1. bini, terni, mit denen zusammen sie wohl auch auf *dvisno, *trisno zurückgehen dürften. Daneben steht ahd. zivBne, das auch lat. bini entsprechen kann, wenn dies auf dwoi-noi zurückgeht. Es handelt sich wohl in beiden Fällen um das Deter minativ -ne, das teils an Zahladverbien wie 1. bis <Z *twis, teils an eine Bildung wie dicoi angetreten ist. Germ, twis liegt noch vor in dem got. Präfix twis in tms-standan 'sich trennen5, sowie in westnord, tuisuar 'zwei mal*, dazu wn. prysuar 'dreimal*, zusammengesetzt mit pris = gr. xpiq. Ein weiteres angetretenes Element finden wir in g. tweihnai, ae. ticegen.
  147. In der Zss. haben die Zahlen 2-4 noch je eine besondere Form. Für 2 ist die älteste Bildung twa in g. tioalif e12\
  148. Daneben steht tioi = gr. bt-, 1. bi-, ai. dvi-, in ahd. zwivalt, ae. Uvi-feald u. a. und gedehnt zvn. Vgl. Solmsen, Btr. 27, 364. Idg. dwi ist wohl nach tri gebildet, das wir in ahd. drifald, ae. ßrifeald finden. Vier erscheint g. in der Form fidur in fidur-dogs und als fiper in ae. fißer-fete 'vierfüßig5, fiper-rica 'Tetrarch*, das irgendwie 1. quadru-, gr. xerpa-, ai. catur-entspricht.
  149. Für 'halb' batte das Germ, ein sSmi, gr. npi-,
  150. sBmi, ai. sämi ererbt, das in ae. säm-(z. B. säm-wis 'töricht*, säm-hal 'in schlechter Gesundheit*, as. säinquik, ahd. sämiquSk = sömivlvus, gr. ?mi-ßios 'halblebend* vorliegt. Für das aussterbende Wort tritt halb-ein. § 97. 98.] XIV. Zusammensetzung.
  151. Allgemeines.
  152. Das Idg. zeichnet sich durch einen großen Reichtum an Zusammensetzungen aus, wo bei sehr eigentümliche Typen auftreten. Das Germanische hat manches auf diesem Gebiet ererbt, aber auch alte Typen fallen lassen und Neuerungen eingeführt. Die idg. Sprachen verhalten sich in dieser Beziehung verschieden. Das Lateinische z. B. ist arm, das Griechische und Ger manische sind reich an Zss. Am meisten bemerkenswert ist das Indische, wo die Zss. eine überwuchernde Rolle spielen. Die indischen Grammatiker haben die Zss. auf das beste untersucht und eingeteilt. Sie haben für die verschiedenen Arten von Zss. Namen geschaffen, und diese Namen sind lange Zeit von der Sprachwissenschaft ge braucht worden. Ich habe dafür deutsche, verständliche Namen eingeführt und einige dazugefügt, da die indischen Einteilungen für das wissenschaftliche Verständnis nicht ausreichend sind. Ich unterscheide folgende Arten: 1. den Typus dreizehn = ai. Doandva;
  153. den Typus Dickkopf = ai. Bahuvrihi;
  154. den Typus Liebhaber = ai. TatpuruSa;
  155. den Typus Mcnelaos;
  156. *) Literatur: Über die idg. Zss. vgl. Hirt, IGr. 4, 15. -Für das Germ, kommen in Betracht: Krem er, Behandlung der ersten Kompositionsglieder im germ. Nominalkompositum, I. Btr. 8,371. - O.
  157. Gröger, Die ahd. und as. Kompositionsfuge mit Verzeichnis der ahd. und as. Komposita. Diss. Zürich 1910. -S. Kroesch. The formation of compound words in Gothic. Modern Philology 5, 377;
  158. -K. F. Johansson , Nominalsamansfittningar i gotiskan. Nordiska Studier tillegnade A. Noreen. Upsala 1904. S. 455 ff. Außerdem die Handbücher. US [ § 98. 99, Zusammensetzung. Von den Zusammensetzungen der alten Zeit ist vor allem zu bemerken, daß verschiedene Typen aus der Zeit stammen, in der es noch keine Flexion gab. Daher er scheint in der Zss. der Kasus indefinitus oder der bloße Stamm. Selbst wir besitzen noch zahlreiche sogenannte «echte» Komposita, in denen im Vorderglied der bloße Stamm erscheint, wie in gr. ÜKpd-TroXis, 1. signi-fer, z. B. Vaterland, Hofmauer. Wesentlich jünger sind die Zss., bei denen im ersten Glied ein Kasus auftritt, wie bei uns in Frauenzimmer, Handiverksmann, gr. AiotTKOupoi. Es gibt also auch auf dem Gebiet der Zss. eine Ent wicklung.
  159. Form der Zusammensetzung.1) In der Zusammen setzung der Nomina erscheint ursprünglich der bloße Stamm, das, was ich den Kasus indefinitus genannt habe, und zwar in seiner schwächsten Gestalt. Die Urbilder sind also entstanden, ehe die Betonung wirkte. Das hat sich in einigen Fällen im Gotischen noch erhalten. t-Stümme: g. niati-balgs 'Speiselasche'; w-Stämme: handu-ioaürhts 'handgewirkt*; s-Stämme: sigis-laun 'Siegeslohn'; r-Stämme: g. bröpru-lubö 'Bruderliebe'; kons. Stämme: g. man-leika 'Bild'. In allen übrigen Fällen ist wie im Gr. o so a als Kompositionsvokal verallgemeinert worden, d. h. der Stamm auslaut dero-Stämme, auch bei den ä-und den ?&-Stämmen. So akrana-laus 'unfruchtbar'; lubja-leis 'giftkundig'; alrpa- kunds 'erdgeboren' (: erßä *Erde'); auga-daürö 'Fenster' (laugön 'Auge'). Anm. 1. Nicht alle Fälle, in denen ein konsonantischer Stamm erscheint, sind alt. Es kann auch Synkope eines o stattgefunden haben. Vgl. 1, 141. Jedenfalls stehen nebeneinander g. aina-baur 'eingeboren'; atna-mundipa 'Einmütigkeit' und ainfalps 'einfach', ainlif *11'; aUawerei 'Redlichkeit' und allwaldands; mana-seps 'Menschheit'; manatnaurßrja 'Menschenmörder' und manleika 'Bild' (Blr. 8, 381). Anm. 2. Als etwas uraltes erscheint in der Komposition eine Bildung auf Vgl. IGr. 3, 274. Hierher g. and-augi-ba 'frei-
  160. Vgl. hierzu J. Krem er, Behandlung der ersten Kompositions glieder im germ. Nominalkompositum. Btr. 8, 371. Der Typus dreizehn. § 99. 100.] mütig* : augö 'Auge*; ahd. herzi-suht: g. halrtö (Joh. Schmidt, Ntr. 250). Die «-Stämme sind im Germ, im wesentlichen sekundär, Und sie treten daher nicht in der Zss. auf. Vgl. g. guma-kunds 'männlich* : gumati-'Maun*; waihsta-staitis 'Eckstein* : waihstan-\ auga-daürö n. : augan-. Vgl. dazu 1. homi-cida, gr. dicpö-öeTOv 'Untergestell des Amboß*.
  161. Der Typus dreizehn. Gleichwertige nebenein anderstehende Wörter wuchsen im Idg. zu Kompositen zusammen, bei denen dann nur das letzte Glied gebeugt zu werden brauchte. Diese Komposita nannten die Inder Dvandva; ich nenne sie den Typus dreizehn. Die Flexion war teils dualisch, was dadurch zu erklären ist, daß das Element we 'die beiden* antrat, oder sie werden mit dem Determinativ ~om versehen und dann als Ntr. aufgefaßt, z. B. ai. gavü$vam 'Rinder und Rosse*. Vgl. Wackernagel, Ai. Gr. 2, 1, 163. Ich halte auch diesen Typus für alt wegen gr. vuxOfjpepov 'Tag und Nacht*, ob gleich dies erst spät auftritt. Im Germ, haben wir nur wenige Reste derartiger Komposita. So as. gisunfader 'Vater und Sohn'; ahd. sunufatarungo 'die Leute von Vater und Sohn'; ae. suhtergefiederan m. pl. 'Onkel und Nefie'; ae. äpumswerian m. pl. 'Schwiegersohn und -vater*. Diesen Typus geben die europäischen Sprachen im allgemeinen auf und ersetzen ihn durch eine Verbindung mit und. Erhalten hat es sich in den Zahlwörtern von 11-19, während darüber hinaus die Verbindung mit und herrscht. Wir haben jetzt noch Farbenadjektive dieser Art: schwarz-weiß, schwärz-rot-gold, hell-dunkel. Aber es heißt Salz und Brot, russ. noch chUbsol'.
  162. Diese Verbindungen, namentlich soweit sie dualisch waren, waren zunächst nicht fest, d. h. es konnten ein fach die beiden Begriffe nebeneinander stehen (1. patres conscripti). Wenn sie aber fest geworden waren, konnte ein Glied unterdrückt werden. Statt Vater, Mutter, die beiden sagt man Vater, die beiden, Mutter, die beiden, ai. pitdräu, mätdrau. Das hat sich bei uns erhalten in Geschwister, das doch 'Brüder und Schwestern* bedeutet, und in g. berusjös 'die Eltern*. Der Form nach ist dieses ein Nom. Pl. Zusammensetzung. [ § 103.
  163. eigentlich aufzufassen als 'bloß den Fuß' (geht er). Ebenso got. laus-handus 'gelöst die Hand*. Muxnvn eöpuaYuia heißt: 'Mykene breit seine Straße*. Hierher gehören: g. frei-hals 'frei', eigentl. 'frei der Hals'; hrainja-hairts 'rein das Herz* = 'reinen Herzens'; *lagga-möds 'lang mütig5; lausa-waurds 'leeres Geschwätz vollführend'; lans-qiprs 'leeren Magens5. Bis zum heutigen Tage hat sich der Typus in den Zss. mit lieh, g. leih erhalten, das 'Körper, Gestalt* bedeutet. Vgl. g. ibna-leiks, das eigentlich heißt 'gleich der Körper; - tcaira-leiks 'männlich5, eigentl. 'Mann der Körper'; -g. alja-leik 'anders5, eigentl. 'anders die Gestalt5. Nachdem die beiden ursprünglich selbständigen Wörter zu einer Einheit zusammengewachsen waren, widersprach der ganze Typus dem in der Flexion sich weiter ent wickelnden Sprachbau. Vor allem kamen Komposita auf, in denen das erste Glied im Sinne eines Kasus vom zweiten abhängig war (s. u.), z. B. ahd. dio-muoti 'Knechtes sinn*, das mit ahd. dio-muoti 'Knechtes Sinn besitzend* demütig zusammen fiel.1) Man benutzte daher die an die Bildungen antretenden Determinative, und faßte diese als adjektivbildende Suffixe auf.
  164. Das Determinativ -Ä, -ko-findet sich im Indischen derart, daß -ka in den Brahmanas und später angefügt wird. Vgl. an. anakSi-kas 'augenlos5; sasiras-kas 'mit dem Kopf ver sehen5. Dazu apers. anämakas 'namenlos5. Dem entsprechen nun im Deutschen Bildungen wie ahd. elilentig, bluotrunstek, barmherzek = 1. miseri-cors, d. zweihändig.
  165. Sehr gewöhnlich ist auch eine Weiterbildung mit t oder jo, z. B. 1. acu-pedius 'schnellfüßig*, gr. aber iuku-ttous; gr. dvved-ßoios '9 Rinder wert*. Dazu gehören aus dem Germ.: ahd. eli-lenti 'in fremdem Land'; ae. fyder-fete 'vierfüßig5, aber ahd. viorfuog, ai. iatuspäd, noch heute 'Tausendfuß5; an. satn-fedr = *) Eine Zeitlang waren derartige Bildungen wohl durch die Betonung unterschieden. Vgl. ai. räja-putrds 'Königssohn' räjapulras 'einen König zum Sohn habend5, eigentl. 'ein König sein Sohn5. und 123 Der Typus Neustadt, Vaterland. gr. öpo-TrdTpio«; 'von gleichem Vater'; g. alja-kuns 'von fremdem Geschlecht', vgl. gr. öpö-Yvio? 'blutsverwandt'; ahd. eban-mägi 'coae- qualis'; einstimmig einkunni, einougi.
  166. Möglich, daß jo hier als eine Art Artikel gebraucht worden ist. Vgl. oben S. 6. Auf ähnlichem Wege, wie die eben behandelten sind Zss. entstanden, die aus einer Präp. und einem Nomen bestehen. So heißt gr. qjpr'iv gvdeoq eigentlich *ein Sinn darin Gott'; icMvri ^nlxpuco? 'ein Lager darauf Gold'. Auch das Germ, hat Beispiele. So g. uswena 'hoffnungslos', eigentl. 'aus die Hoffnung'; gagttds 'fromm', eigentl. 'mit Gott'. Dazu gehören dann mit Weiterbildung durch jo: g. usgrndja 'verdrossen'; ingardja 'hausgenössisch'. 104. 5. Der Typus Neustadt. In diesem Typus, den die Inder Karmadhäraja nennen, sind einfach zwei Worte, von denen das eine das andere bestimmt, also ein Ad- jektivum mit einem Substantivum zusammengewachsen. Hierher gehören etwa: g. niunte-hund 'neunzig'; salhs-tigjus 'sechzig'; gistra-dagia 'gestern'; midjnn-gards 'die mittlere Welt'u. a. Man kann auch hierherstellen: g. piu-magus 'ein Knabe, der ein Knecht ist'; d. Königin-Witwe. 105. 6. Der Typus Vaterland. Komposita, in denen das erste Glied von dem zweiten als Kasus abhängig ist, können alle möglichen Kasus enthalten sowie auch jeden Numerus. Trotzdem steht im ersten Glied der Stamm oder der Kasus indefinitus. Beispiele: g. nianleika 'Bild', eigentl. 'Mannesgestalt'; g. broßru- lubö 'Bruderliebe'; brüß-faps 'Bräutigam' ='Mann der Braut'; auga- danrö 'Fenster* = 'Tür für das Auge'; figgra-gulp n. 'Fingerring'= 'Gold für den Finger'. Für den Plural läßt sich anführen: ahd. marahskalh 'Pferde knecht', d. Schafstall, Roßteuscher. Im Idg. waren diese Bildungen vorhanden, aber doch selten. Sie wurden von solchen abgelöst, in denen im ersten Glied ein Kasus erscheint. So gr. Atoq-Koupoi 'die Zeussöhne5; g. baurgs-waddjus 'Stadtmauer*. x) Um die Dickkopfkomposita zu verstehen vgl. man gr. ibKÖ- ttou?, djKu-uöb-n?, iröbac; ibKÜq, die alle die gleiche Bedeutung haben. Vgl. auch äpYupö-TreZa 'silberfüßig'. § 103-105.J
  167. Präfix ad>d: ahd. zougen Vor Augen bringen*: g. at-augjan- ahd. zagen 'zagen': air. ad-agnr 'ich fürchte', g. agan (Kluge, KZ. 26, 69);
  168. d. zünden, g. tandjan : air. ad-andai 'anzünden* (Thurn- eysen, IF. Anz. 33, 32).
  169. Präfix toi 1. au 'weg*; mhd. wäg 'Du fl', wägen 'duften*:
  170. odor\ -g. toisan 'sein*, ae. väsati 'wohnt*: idg. es 'sein*; - ahd. wetan 'binden* : ahd. etar 'geflochtener Zaun'; -g. toilwan 'rauben* < *toi-lwö : 1. so-lvö 'löse*.
  171. Präfix n: idg. en: g. nimanz 1. emo 'kaufe*. i
  172. Präfix -s. Das sogenannte bewegliche s ist der Forschung längst aufgefallen, und es bestehen darüber verschiedene Arbeiten. Vgl. J. Schrijnen, Etüde sur lephtnombie de l's mobile dans leslangucs elassiques. Louwain 1891; -Th. Siebs, Anlautstudien, KZ. 37, 277 mit weiteren Literaturangaben; -H. Schröder, Btr. 29, 499;
  173. Ph. Colinet, Les pröformantes proto-aryennes. Gand et Lpz. 1892. Es besteht jetzt kaum noch ein Zweifel darüber, daß in dem anlautenden s vielfach eine Präposition steckt, und zwar wohl meistens eks, aber auch vielleicht abs oder ads.1) Hierher d. spähen: 1. (as)picio, ai. pdsjämi 'sehe'; -d. speie: gr. ^K(o)ntüeiv; -d. sprießen : mhd. briegen 'anschwellen, knospen'; -ahd. spritan 'sich auseinanderbreiten*: d. breit; -g. stautan, d. stoßen : 1. extundo; -d. stechen : ai. tejate 'ist scharf*; -d. stören : 1. exturbäre' , -d. schütten : 1. excutcre; -d. scheren : gr. iKxeipui; -d. schreien : frz. crier; -ahd. sliogan : 1. exclüdere. Außer diesen verdunkelten Präfixen gibt es eine Reihe deutlicher, die zum guten Teil aus dem Idg. ererbt sind. Sammlung des Materials bei J. Grimm, DGr. 2, 797 ff.; Wil- manns, DGr. 2, 115ff. Man unterscheidet auch hier zwischen untrennbaren und trennbaren Partikeln. So sind nhd. beent-, er-, ge-, ver-und zer-untrennbar. Aber sie sind es auch erst geworden. Anm. Es gab schon im Idg. zusammengesetzte Präp., wie sie es noch heute gibt. Vgl. vorbei, gr.
  174. J. Schrijnen, Präformanten, KZ. 42, 97ff.; - Bei vielen Präpositionen findet sich eine «-Erweiterung. Zu nächst in eks 'aus*. Dann aber auch in 1. ab-s : gr. äitö 'weg*;
  175. us < *uds 'in die Höhe*: ai. ud; osk. az < *ad-s 'hinzu*. Wohl bei allen hätte der erste Vokal schwinden können, und es braucht daher nicht nur eks in dem beweglichen s zu stecken. Auf 1. (ab)- stuli, das 'wegnehmen, entfernen, entziehen, entreißen, rauben, stehlen' bedeutet, habe ich d. stahl zurückgeführt. Ahd. skigan könnte dem 1. abscindo 'abtrennen, absondern* entsprechen. [ § 106. Zusammensetzung. von. oben her'. Dahin gehören gr. fiir-o, ött-o, 1. d-g, germ. t-ö < *(a)d + ö, um-bi. Vor allem sind die idg. Präpositionen e, o und e, ö, die schon früh als selbständige Wörter verlorengegangen sind, häufig mit andern zusammengewachsen. Got. at entspricht 1. ad, phryg. ad, ai. aöcha. Be deutung 'hinzu5. Eine alte längst erkannte Erweiterung von ad ist wgerm. t-ö, ahd. zuo. Daneben ahd. zi aus -1 + e, gr--be oiköv-be 'nach Hause5, und vielleicht ahd. za aus -d-o? Vgl. g. at-balran 'hinzutragen*: 1. affero-, -at-gaggan, 1. adire; -at-satjan, 1. assidere\ -at-tckan 'berühren*: 1. attingo; -at- tiuhan, 1. addüco. G. af-, ab-'von5 = 1. ab und weiter gr. dno, ai. dpa findet sich häufig in Zss. g. afiddja: 1. ab-eo 'weggehen*; -g. afskaidan 'absondern*: 1. abscindo; -g. afstandan 'abfallen*: 1. absisto; g. af-tiuhan 'weg führen* : 1. abdücere. G. ana ist vielleicht gr. dvuu, das neben dva steht. G. anakuiman 'lesen* ist wohl Übersetzung von gr. Ävafirvibaeiv;
  176. ana-giman 'zu jemand hintreten': gr. ävaßalvw 'hinaufgehen*. and, g. and(a)•, ahd. ant-, as. and-, entspricht in der Bedeutung dem gr. dvn 'gegen*, lit. aiit mit Gen. 'auf, zum Zweck von*, und die Bedeutung 'entgegen5 findet sich im Got. noch. G. and-standan 'entgegenstehen, widerstreben' : gr. ÄvtMcrriHi 'entgegenstellen*. Dazu mit Schwundstufe got. und, dvn Tivoq augo und augin und-rinnan 'hinlaufen', undredan 'besorgen*, undgreipan, unpa- pliuhan. Got. bi, ahd. bl, ae. bl und ahd. bi-, ae. be-ist zweifel los in dieser Form uralt, da es sich in der Kasusendung gr. -cpi, ai. -bhis wiederfindet. Die ursprüngliche Bedeutung ist 'bei, hinzu*. Daneben entspricht aber g. bi in der Bedeutung 'herum* dem zusammengesetzten gr. dpcpi, ahd. umbi und vielleicht auch dem ai. abM, 1. ob. Es kann sein, daß bi in gewissen Fällen aus umbi verkürzt ist. Vgl. g. bi-standan 'herumstehen*: gr. dpcp-lcxapai; -btgiman 'überfallen*: gr. äpqn-ßcdviu auch 'umzingeln*. G. du 'zu5 ist bisher ohne Entsprechung in den idg. wie in den germ. Sprachen. Die Bedeutung ist 'zu5 und. 1-27 Verbale Zusammensetzungen. § 106.] man möchte es daher zu g. at, 1. ad, ahd. zuo stellen. Vgl. g. at-bairan du 'hinbringen zu5, atgaggan du, atwairpan du. Es steht vor allem vor dem Infinitiv, wo wir zu gebrauchen. In Verbalzss. erscheint es nur selten: vgl. g. duginnan 'beginnen1; durinnan 'hinzulaufen1; dustödjan 'anfangen1;duicakan 'wachen*. Got. ga-, ahd. gi-usw. entspricht in der Bedeutung und Verwendung dem 1. cum, aber auch gr. auv 'mit*, abg. sü usw. Alle Versuche, die Formen lautlich zu ver einigen, sind hinfällig. Man kann auch 1. cum und gr. auv nicht zusammenbringen. Das Rätsel löst sich mit Hilfe des Indischen. Wir finden dort sdm 'mit1 c. Instr., also in der Bedeutung = 1. cum, gr. öuv. Ety mologisch zu d. samt, zusammen, gr. äpa. Diesem sam entspricht abg. sg-, sü-, lit. sq-. Mit Erweiterung, d. h. Antreten einer Par tikel, gehört dazu sä-kdm 'mit1, auch mit Instr., woraus gekürzt 1. com, und sa-hd ebenso = g. ga. Vgl. g. ga-qiman, 1. convenxrt 'Zusammenkommen1; g.gagaggan, ga-iddja, 1. coire; g. galisan 'sammeln1 : 1. colligerc; g. gabalran, 1. conferre; g. ga-niman, 1. concipere; g. gahaban, 1. cohibere; g. ga- brikan, 1. confringo; g. gafulljan, 1. complere; g. gahitinan, 1. cognosco;
  177. gasilan, 1. consido] g. gastandan, 1. constäre, consistere; g. ga- pahan, 1. conticesco; g. gawigan, 1. convehere. Gg. in = 1. in, gr. dv erscheint häufig in Zss. G. insaihan 'auf etwas hinsehen1, vgl. 1. invidere 'beneiden1
  178. und g. inweitan 'anbeten1; g. in-maidjan 'etwas verwandeln1:1. im mut äre; g. tnliuhljan 'erleuchten*: 1. illucere. Von dem Stamme per wurden im Idg. mehrere Formen als Präpositionen verwendet.
  179. So gr. Tipö 'vor*, 1. pro, ai. prd 'vor, vorwärts, fort, weg* = g. fra, ahd. fir-: ahd. fir-giogan = 1. profundo, gr. upox^civ; -ahd. fivsehan despicere1 = prospiccre', -g. frabalran, ahd. firberan 'abstinere1, 1. proferre 'vorwärtsbringen1; g. fraiceitan 'jem. rächen1:1. providere.
  180. Gr. irept 'herum*, ai. pdri, g. fair. Hierher g. fair-greipan 'ergreifen1: gr. -rrepi Xapßdvm 'umfassen1; fair-rinnan 'sich erstrecken1; fair-tcaurkjan 'erwirken1, übersetzt gr. irepmoieTcbai; vgl. gr. -rrepi-epTaZopai 'etwas mit Mühe tun*; -g. fairweitjan 'gespannt hinblicken1: gr. irepi-ibeiv 'umherschauen1, 1. pervidere 'gründlich beschauen1.
  181. Gr. irapd = g. faur(a).
  182. G. faur-biudan 'verbieten1, gr. uapan^XAciv; -g. faur-dammjan 'verdammen1; -g. faurgaggan 'vorübergehen1, gr. irapcmopeüoncu 'Vorbeigehen*, udpetpi; -g. faurlagjan, gr. napcmd^vcn 'vorlegen*. [ § 106. 107. Zusammensetzung. Alle drei Präpositionen sind in d. ver-zusammen geflossen. Got. tif 'unter5 entspricht dem gr. vm(-o), 1. (s)ub, ai. wpa. G. uf-straujan : 1. sub-sterno 'unterlegen'; g. uf-hausjan 'ge horchen' : gr. öir-aKOueiv.
  183. G. w/ar, ahd. ubir 'über* entspricht gr. im4p, ai. upäri,
  184. Vgl. g. ufar-steigan, ahd. ubar-shgan 'übersteigen', gr. üirep- creixiu; -g. ufar-gaggan : gr. tinepßalvw 'überschreite'. G. us-, alid. wr-, er-, arentspricht ai. ud-'in die
  185. Höhe*, das durch s erweitert ist, wie lit. uz.1) Got. us-standan 'sich erheben' : ai. ud-sthä; -g. usqiman *tötcn', ai. ud-gnm 'hervorkommen'; -g. usfulljan. ai. ud-pr 'bis obenan vollfülleu'; -g. us-anan 'aushauchen': ai. ud-an dss.; - us-bairan 'hinaustragen': ai. ud-bhar.
  186. Ahd. zer-entspricht 1. dis und sollte g. tis lauten. Statt dessen haben wir g. dis, wofür eine Erklärung bisher fehlt. Vgl. g. dis-skaidati 'trennen', 1. disscindo; ahd. zi-brechan,
  187. diffringo\ -g. dis-sitan 'ergreifen':!, dissidere 'uneinssein'. Anm. Bei den verbalen Zusammensetzungen bleibt im all gemeinen das Präfix unbetont, während im Idg. Betontheit und Unbetontheit des Präfixes vorkam. Doch hat sich auch im Germanischen, wie ich jetzt sehe, die Betontheit des Präfixes in einigen Fällen erhalten. So heißt es g. und-greipan, undridan, und-rinnan, aber unpa-plinhan (vgl. 1, 145); in-muidjan, insuian, insändjan, aber Inn-gagyan, inmoairpan, d. eimcerfen. Man wird auch daran denken dürfen, daß die got. Präpositionen faur und faüra auf verschiedene Betonung weisen, daß also faur-biudan 'ver bieten', aber faüra-gaggan 'vorgehen* zu lesen ist. Auch die Zss. mit g. ana-waren vielleicht auf der Präposition betont.
  188. Sonstige Zusammensetzungen. Es ist eine auf fällige Erscheinung, daß nicht alle Substantiva und Ad- jektiva mit Präpositionen zusammengesetzt werden, son dern daß es zunächst die Verbalnomina und Verbalad- jektiva waren. Vgl. IGr. 4, 63 ff. Das hat sich im ältesten Germanischen durchaus erhalten. So finden wir got. mit af zusammengesetzt: af-dömetns 'Ver dammung', af-drtigkja 'Trunkenbold', afetja 'Fresser', aflageins 'Ab legung', aflet 'Erlaß', af marzeins 'Betrug', afsateins 'Absetzung', afstass 'Abfall'.
  189. *) Als gedehnte Form (in einsilbigen Worten, s. 1, § 40) gehört dazu g. üt, ahd. üg 'aus', abg. vy-.
  190. Sg. haitada 'ich werde, er wird genannt*; 2. Sg. haitaza 1. 2. 3. PI. haitanda. Sie entsprechen gr. 3. Sg. qpepexai, 3. PI. <p£poviai,
  191. bharase, 1. amüri. Auffallend ist das a, das entweder von der 3. PI. stammt oder besser von der 1. Sg. *haita. S. u. Die 1. Sg. lautet gr. qpepo-pai, ai. aber bharB. Klär- lich ist die Unregelmäßigkeit des Indischen älter als die Regelmäßigkeit des Griechischen. Wir hätten urgerm. zu erwarten haitai, und diese Form liegt in an. lieite, run. haite-ka vor (Sievers, Btr. 6, 561). Ebenso wird sie durch ahd. heiföu vorausgesetzt.1) Jm Gotischen wird die 3. Sg. für die 1. gebraucht, wie überhaupt im Präteritum, während das im Nordischen nicht der Fall ist. Viaitai hätte g. zu liaita werden müssen, wonach 3. Sg. haitada statt haitida und weiter haitaza*) Die 3. PI. haitanda ist = gr. cpepovrai, ai. bhdrante. Unklar ist, weshalb im Plural nur eine Form besteht. Aber es ist zu beachten, daß in der 2. PI. die Sprachen durchaus ver schiedene Formen aufweisen, gr. tp^peode, 1. ferimini, g. haitanda, ai. bharadhve, so daß es wohl noch keine feste Form gab. Das Mediopassiv besitzt auch einen Optativ, in dessen Endungen au statt a steht. Die Formen lauten 1. 3. Sg. nimaidau, 2. Sg. nimaizau, PI. nimaindau. Ich sehe in au die Entsprechung von idg. -öm, -äm (s. 1, 136) und setze die Formen gleich den indischen 3. Pers. Sing. Du. Plur. med. bhdvatäm, bhdvetäm, bhdvantäm, die durch Einführung ') Collitz, Schw. Prät., 141 erkennt das jetzt nicht mehr an, aber mit Unrecht. Die Möglichkeit, daß an. heite für mheiite steht, ist nicht zu bestreiten. Aber ahd. müßte es dann heizzu lauten (nhd. heitze). Ae. heißt es regelrecht hatte = g. haitada.
  192. Anders, aber mich durchaus nicht überzeugend, Brugmann, 1F. 39, 26; Meillet, BuUetin, 23, S. 68.
  193. I ! = Primäre und sekundäre Endungen. § 112.] So fehlt er z. B. im Griech., Lat. und anderswo in der 1.
  194. PI. Es ist fraglich, ob der Unterschied streng durch geführt war. Die 3. Personen. Ein allgemein verbreiteter deutlicher Unterschied zwischen primären und sekundären Endungen zeigt sich überhaupt nur in den dritten Personen, in denen die primären Endlingen das Mehr eines i aufweisen. Die 3. Sg. zeigt die Endung t, Imperf.; ai. a-bharat, Opt. bharet, wozu primär ai. bharat-i 'er trägt*. Dem ent spricht g. Opt. nimai 'er nehme* mit Verlust des t, und Ind. nimip 'er nimmt* mit Verlust des i. Diesen Unter schied besitzen wir heute noch, vgl. er lebt und er lebe. Anm. Diese Form auf -t kann man den Nominalformen auf -t gleichsetzen, IGr. 4, 103. Vgl. 1. fert = ai. bhrt und bhrti-\ -
  195. Sg. hanti 'er schlägt' = ai. -hat und hati-s; -ai. iti 'geht* = ai. -it 'gehend', itfs. S. oben S. 8, 2. Da das / im Nomen das an getretene Determinativ t und dieses wohl gleich dem Pronominal stamm te, to ist, so haben die recht, die in der Endung t das Pro nomen sehen, allerdings in einem ganz andern Sinne, als man ge wöhnlich annimmt. Die 3. PI. zeigt sek. die Endung -nt, und hier liegt klärlich das Part. Präs, zugrunde, vgl. gr. eupepov 'sie trugen' = N. Sg. Ntr. des Partizips cpepov, 1. 3. PI. legunt und Part. Stamm legent-. Daher ist i angetreten. Vgl. übrigens N. PI. Ntr. des Partizips ai. bhdvanti. Im Sing, dürfte das Nebeneinander von -li und -t älter sein als im Plural. Vgl. IGr. 4, 154. Die 2. Personen. Der 3. Sg. -ti: -t nachgebildet finden wir auch in der 2. Sg. ai. -si : -s, bhdra-si und d-bharas. Darauf weist auch das Germ., ahd. 2. Sg. Prs. zioliis und
  196. Sg. Perf. (Aor.) ahd. zugi = gr. ?cpepe^. Anm. Den Unterschied von -si: -s kennt weder Gr. (vgl. 2 Sg.
  197. •riönc, 3. Sg. Tföno'O noch Lat. noch Lit. Slaw. Die 2. PI. hat die Endung -te in allen Formen. Gr. 2. PI. Präs, (p^pere. Imperf. £<p^p€T€, I. 2. Pi. Imperat. ferte usw., g. 2. Prs. bairip, Opt. balraip, Prät. bemp. Ich sehe in -te eine angelrctene Partikel mit der Bedeutung *da\ Nur das Indische kennt primär -tha, sek. ia. Davon ist -tha wohl identisch mit dem -tha des Perfekts, worin wir ebenfalls eine angetretene Partikel zu sehen haben. S. IGr. 4, 117. Die 1. Personen. Für die 1. Sg. besaß das Idg. mehrere Endungen.
  198. Am gewöhnlichsten ist -0, gr. <p£piu, 1. fero usw. Dem ent spricht g. baira, abd. bim. ae. bindu. Die Form ist äußerlich gleich dem Instr. Sg. g. daga, ahd. tagu: lit. 1. Sg. sukü 'drehe5 = Inslr. Sg. vilkü 'Wolf*. Primär.1)
  199. Die idg. Endung -om, gr. ?<pep-ov ist im Germ, nicht nach zuweisen. Da sie schwinden mußte, könnte sie rein theoretisch in der 1. P. Sg. des Perf. vorliegen. Wer will, kann ahd. blias < von einem s-Aorist idg. *ble(i)som herleiten. Sekundär.
  200. -äm liegt im Abg. vor berQ < *berüm, im Lat. Konj. fer-am, gr. Imperfekt Med. ^qpepöpflv tür *^<p£päv. Vielleicht entspricht abg. veljg < *weljäm dem got. wiljau, aisl. villa, ae. Wille.
  201. -mi (gr. Tidn-pi) erscheint in g. im 'ich bin5, ahd. tuom, gern, stem. Primär.
  202. -m liegt vor in g. 1. Sg. liaba, an. ließ < *habem, gr. dpdvnv. Sekundär.
  203. -m fehlt ganz. Das aus wi entwickelte -um hätte allerdings schwinden müssen. Diese Endungen enthalten entweder Nominal formen, oder es sind die Partikeln ö, om, äm angetreten. -mi ist wohl eine Neubildung nach -st, -ti.
  204. Die 1. PI. zeigt weder im Griech. noch im Lat. einen Unterschied zwischen primärer und sekundärer Endung. Gr. tp^popev, ^<p^popev, 1. ferimus. Auch das Germanische kennt, glaube ich, ursprüng lich keine Verschiedenheit. Wir finden zunächst ein -m, g. Prs. bairam, an. skiötom. Diese Form geht wohl auf idg. -mes oder -mos zurück. Dieselbe Endung finden wir im Prät. g. witum, ahd. wiggum, an. skutom. Es ist natürlich nicht sicher, daß die beiden Endungen gleich gewesen sind, da wir nicht wissen können, was hinter dem m gestanden hat. Aber da Griech. und Lat. keinen Unterschied zeigen, so ist das auch für das Germ, möglich. Im Gotischen wie Althochdeutschen finden wir nun aber doch verschiedene Endungen. Gegenüber got. Prs. nimam lautet der Opt. nimaima;
  205. Prt. nemum, Opt. nemeima. Hier liegt m. E. eine Neuerung des Germ, vor, und zwar findet sich das a außerdem noch *) Die Form auf -u, urgerm. -ö liegt in allen Dialekten vor.
  206. Im Ae. finden wir daneben in den südlichen Dialekten e. Horn, S. 24 sieht darin einen Fall seiner Funktionslosigkeit, was ganz un möglich ist. Es liegt darin die Optativform vor. Vgl. van Helten, Btr. 28, 504 *. Daneben ist wille = g. wiljau, hätte = g. haxtada alt und vielleicht auch löcige. Imperativendungen.
  207. in der 1. Dual nimaiica und in der 3. PL nimaina. Von welcher Person die Sache ausgeht, ist schwer zu 6agen. Sicher entspricht g. nimaiwa mit a aus ai dem abg. Ind. plovevi, Opt. plovive, und ebenso sicher ist das a in der
  208. Plur. des Got. sekundären Ursprungs. Im Ahd. finden wir m in Opt. nemem, Prät. nämum, Opt. namlin, -mes dagegen im Ind. Präs, und Imperativ. Anm. Man hat sich viel um die Erklärung bemüht. Scherer, ZGDS. 190ff., J. Schmidt, Vok. 2, 279, Kögel, Btr. 8, 126, Brug- mann, BSGW. 1918, 6, 59, Grd. 2*, 3, 621 sehen darin eine idg. Form. Man könnte heute annehmen, daß ein urgerm. -mesi = ai.
  209. -»was* durch das -tce der 1. Dual, zu -mesi umgestaltet worden wäre. Aber ai. -masi ist wohl selbst erst sekundär. Andere, Kuhn, KZ. 18, 332ff., Paul, Btr. 4, 421, Baesecke, Ahd. 199, sehen darin ein angefügtes Pronomen. Letzterer hat die Gründe für diese Annahme wesentlich verstärkt. Die Dualformen sind nur noch im Gotischen belegt. Es gibt wie im Litauischen keine besondere 3. Dualis. Dafür wird der Plural gebraucht.1) Die 2. Dual, hat die Endung -ts mit vorausgehendem a, g. nimats. Man setzt sie gleich ai. -thas, wobei man an nehmen muß, daß das lautgesetzliche p oder et nach Aus fall des Vokals vor j zu t geworden ist. Aber auch das tha des Perfekts erscheint als t. S. Bd. 1. 87. Die 1. Dual. Hier entspricht die Form bairös wohl ai. bhärävas, indem nach Schwund des e au zu ö wurde. Die sekundäre Endung bairaiiva entspricht wohl abg. -ve. Plural und Dual haben sich in der 1. Prs. beeinflußt. Gehen wir von we, tce und mes aus, so kommen wir einerseits zu ai. -vas, germ. *-tces und zu -me, -me (got. -ma).
  210. Imperativendungen. Im Imperativ wurde im Idg. der bloße Stamm verwendet, z. B. 1. i 'geh* < ei. Ge wöhnlich aber finden wir eine Form, die dem Vok. Sing, der o-Stämme gleicht, 1. lege, age. Aus diesen werden im Germ, nach Abfall des e endungslose Formen. An diese Form treten Partikeln. So te, woraus die 2. Plur. wird, 1. legite, g. balrip; weiter töd, was wir im Ind. als bharaiäd, 1. ferto, gr. <p€p£xui finden, und schließlich gibt es eine Form auf -äm oder -täm, das in 1) Zufall kann das nicht sein. Auch im Griech. gibt es nur eine Form für die 2. und 3. Dualis. § 112. 113.] [ § 113-115.
  211. Das Verbum.
  212. PI. Med. bharantüm, 3. PI. Akt. gr. (pepövrujv vorliegt. Seit langem vergleicht man damit g. balrandau.') Eine laulgesetzliche Vereinigung ist nur möglich, wenn man au (= <f) aus -öm hervor gehen läßt (IF. 1, 206; 6, 61 f. und Bd. 1, 136).
  213. Die Tempora. Das Idg. besaß drei verschiedene Verbalstämme, den Präsens-, den Aorist-und den Per fektstamm. Außerdem gab es in manchen Fällen einen Unterschied zwischen Präsens-und Verbalstamm. Im Aorist gab es wieder zwei Arten, den Stammaorist und den s-Aorist. Letzterer ist im Germanischen verlorenge gangen. Ob er sich in einzelnen Spuren erhalten hat, ist unsicher. Anm. An und für sich kann sich natürlich eine sonst ver lorene Kategorie in einzelnen Resten erhalten haben. Es ist durch aus nichts dagegen einzuwenden, einzelne Formen aus dem s-Aorist herzuleiten. So hat J. Schmidt, KZ. 25, 599 ahd. 3. PI. Prät. skrirun 'sie schrieen' <C *skrison, einem s-Aorist erklärt. Ahd. firlttrun hat J. Grimm gr. £Auoav, aisl. visso 'sie wußten', ae. tvisson, as. ahd. icissun Ost ho ff, Perfekt. 397 dem hom. icav 'sie wußten' gleich gesetzt. Ich halte das für durchaus überzeugend. Es ist immer gut, an wirklich vorhandene Formen anzuknüpfen. Ebenso entspricht der Opt. g. iciti dem ai. vidjät. Auch sonst kann das «-Determinativ aus dem Aorist stammen, so z. B. in ahd. touohs : gr. rjütov, 1. atixi mit Vermischung schon im Idg. Man wird auch nach Spuren des Wurzelaorists im Germa nischen suchen dürfen. Wie z. B. hom. Kpixe zu ahd. skrian 'schreien' gehört mit Antritt der Partikel -ke wie in SönK€> so kann man ahd. jehan 'sagen, sich äußern' mit 1. jacio verbinden, das neben 'werfen' auch die Bedeutung 'sich äußern' hat. Es entsprechen sich ahd. jähum und 1. jecimus. Auszugehen ist von der 3. Sg. *je-ke = gr. mit angetretenem ke. Auch gr. »ixe heißt 'die Stimme ertönen lassen* (11. 3, 221). Gr. i^Kapev, g. jehum, ahd. jähum ist eine tadellose Gleichung. XVI. Das Präteritum.
  214. Vorbemerkungen. Das Germanische bildet ein Tempus der Vergangenheit auf zwei Arten, die man nach dem Vorgang von J. Grimm als starkes und schwaches Präteritum unterscheidet. Beide Kategorien beruhen aber >) Bo pp, Vgl. Gr. 2,312,255; Scherer, ZGDS. 199 ;J. Schmidt, Vokalismus 1, 169 I.; Paul, Btr. 4, 378. Vgl. noch Jellinek, Btr. z. Erkl. d.germ. Flex., 99j Bezzenberger, BB. 26, 153; van Helten, Btr. 28, 551 f.
  215. scäbi : g. sköf 'schabte*;
  216. Langes e, im Germ, im Plural., im Lat. durcbgeführt.
  217. sedimus : got. setton, sat;
  218. renimus : got. qemum, quam;
  219. fregimus : ahd. brächum, g. *brekutn.
  220. Als besondere Übereinstimmung kommt noch hin zu: ae. bleoio 'blies* =1. fldvi, cneoiu 'kannte* = 1. növi, stow 'säte* = 1. stvi gegenüber ai. jajhdu. S. u. § 120. ') Die Entwicklung von 1. caedere : g. hatlan erklärt sich wohl aus der Bedeutung 'einhauen', 'mit einer Marke versehen, bezeichnen, benennen5. Vgl. bemerken und caedere sermönes, kötttciv tö 'schwatzen5.
  221. Vgl. Walde, EWB.* s. v.
  222. L. pegi könnte ahd. *fe(n)g entsprechen.
  223. Das Präteritum. Ohne Entsprechung sind: g. lots 'ich weiß5; g. parf 'bedarP; g. skal 'bin schuldig'; g. ganah 'es genügt'; g. gamöt 'tindet Raum'; g. ög 'fürchte mich'; g. mag 'kann'. Es ist bemerkenswert, daß diese Perfekta auch im Wgerm. eine zweite Sing, auf -t haben, z. B. ae. wüst, ähst, cansty pearft, dearst, skealt, mojist, vieaht, möst. Das ist, wie Löwe bemerkt hat, durchaus verständlich, diesen Perfekten konnte wegen ihrer präsentiechen Be deutung der alte Aorist nicht vereinigt werden. S. u. 122. Der Aorist im Präteritum. Während der Sing, des Präteritums Gotisch und Altnordisch Formen zeigt, die dem idg. Perfekt entsprechen, hat das Wgerm. eine abweichende 2. Sg., nämlich eine Form auf -i mit der Stufe des Plurals des Präteritums, also eigentl. der Schwund stufe, und mit stimmhaften Spiranten, die auf Ent- betonung weisen. Es heißt ahd. zöh, zugi, nam, nümi.
  224. Scherer, ZGDS. 194-sali in diesen Formen alte Optative, die in den Indikativ eingedrungen wären. Ebenso van Helten, Btr. 17, 554; 2S, 545; E. Schröder, IF. 39. 224. Eine andere Erklärung stammt von J. v. Fierlinger, KZ. 27, 430fT. Nach ihm entspricht die Form der 2. Sg. des sog. Aoristus secundus des Griecli. Seine Argumente sind verstärkt durch R. Löwe, KZ. 40, 267. Vgl. auch Behaghel, IF. 40, 167. Noch tiefer schürfend ist die Frage behandelt von J. Sver- drup, Der Aorist im germ. Verhalsysteni und die Bildung des starken Präteritums, Falk-Festschrift S. 296, und Norsk Tidskr. 1. Spr. 2, 4S fl. Ich stimme v. Fierlinger vollständig bei. Es ist aber zu beachten, daß auch die 3. Pluralis nicht dem Perfekt system angehören kann. Denn die Endung dieser Form ist im Ind. -wr, im Griech. -afi, also primär, während die germ. Form sekundär ist. Die 1. Plur. zugum kann dagegen dem Perfekt und dem Aorist angehören. Die
  225. PI. ist nicht perfektisch, ist aber vielleicht schon früh umgewandelt worden. Die 2. Sg. konnte also deshalb in das Paradigma eindringen, weil auch der Plural auf den Aoristus secundus zurückgeht. Ahd. zugum, zugut, zugun kann man hin sichtlich der Endungen gr. £Amopev, ekiTreTe, eAmov gleich setzen, nur daß der Bindevokal wieder vom Perfekt stammt. Mit 153 Der Aorist im Präteritum. § 122] Wir haben daraus folgendes zu schließen: Im Vor germ. haben lange Zeit das idg. Perfektum und der idg. Stammaorist nebeneinander bestanden; zunächst gewiß mit verschiedener Bedeutung. Als aber das Perfekt vollständig die Bedeutung der Vergangenheit angenommen, unter schieden sich eine Reihe von Formen nicht mehr von denen des Aorists und daher drang im Wgerm. die 2. Sing, in das Perfektparadigma ein. Man kann übrigens noch darauf hinweisen, daß auch die Endungen der 1. und 3 P. -om und -et abgefallen wären, und daß dadurch bei den abstufungslosen Formen ein Zusammenfall mit den Per- fektformen hätte eintreten müssen. Jedenfalls ist das germanische Präteritum ebenso aus Perfekt und Aorist gemischt, wie das lat., nur daß im Lat. der s-Aorist die Rolle spielt, die im Germ, der starke Aorist übernommen hat. Man wird auch wohl vermuten dürfen, daß gewisse Verben die eine Formation hatten, andere die andere. Sverdrup hat das Verdienst, die gar nicht seltnen außer- gerinanischen Entsprechungen zusammengestellt zu haben. Alid. bi$gi, ai. äbhidas '.spaltetest'; ahd. bi-libi, ai. dlipas 'be schmiertest'; ahd. siwi 'seihen', ai. dsiÖas 'gossest'; ahd. zigi 'zeihen', ai. ddisas 'zeigtest'; ahd. stigi, gr. £ctix€€ 'stiegst'; ahd. litoi 'leihen', gr. £Aut€<; 'verließest'; ahd. skiggi, ai. dihidas 'spaltetest'; ne. mige, ai. dmihus 'minxisti*; ahd. wichi, ai. doijas 'wichst zurück'; ahd. buti 'bieten', ai. dbudhns 'erwachtest'; ahd. bugi 'biegen', gr. £<puT€<;;
  226. ru%$i. ai. drudas 'wehklagen'; ahd. klubi 'spalten', gr. £Y*Ufpe<; 'schnitztest'; ahd. trugi 'trügen', ai. adruhas 'suchtest zu schaden';
  227. kuri 'wähltest*, ai. djuSas 'erfreutest dich'; ahd. ar-luti, ai. ärudhas 'wuchsest'; a»>. rufe 'zerbrechen', ai. drupas; ahd. wurti 'werden', ai. dvrtas 'drehtest'; ahd. mulki 'melken', ai. dmrjas; ahd. furzi, ae. furte, gr. ütrpabe«;; ahd. smurzi 'schmerzen', ai. dntrdas 'zerriebst'; as. thunsi, ahd. dunsi 'ziehen', ai. dtasas. Vgl. auch die dritten Personen Plur.: g. bitun, ai. dbhidnn\ g. gatalhun, ai. ddisan: g. bilibun, ai. dlipan; g. laihun, gr. fXmov; g. stigun, gr. Üötxov; g. bidun, gr. Sinöov; g. budun, ai. abhudan; g. bugun, gr. gtpuyov; ee. klufon, gr. £-f^U(pov; ae. rulon, ai. drtidan\ g. ludun, ai. arudhan; pun, ai. dvrtan\ g. gapaursun, ai. (rSan.
  228. PJ. setum, ahd. 2. Sg. söjj* Aoristformen wie 3. Sg. ai. dsädi. Aber das ist eine Passivform, die wohl nur indisch war. Hier stimme ich also nicht bei. g. ioaiir- [ § 123. 124.
  229. Das Präteritum.
  230. Das schwache Präteritum.1) Man' muß bei dem schwachen Präteritum unbedingt zweierlei unterscheiden: 1. Ein Tempus der Vergangenheit zu den Präterito- präsentien. Dieses bilden die idg. Sprachen verschieden, vgl. gr. fjbea : oiba, 1. memineram : memini, g. wissa: wait2)
  231. Ein Tempus der Vergangenheit zu den sogenannten schwachen Verben. Hier stimmen die Sprachen bis zu einem gewissen Grad, jedenfalls in den Hauptztigen, überein. Daß diese beiden Bildungen gleicher Herkunft sind, ist durchaus nicht bewiesen. Jedenfalls sind sie zu ver schiedenen Zeiten entstanden. Man darf annehmen, daß die zweite Bildung aus dem Idg. stammt, die erste nur zu einem gewissen Grade. Wir beginnen mit der zweiten Bildung.
  232. Das Präteritum der schwachen Verben. Wir finden im Germ, folgende Bildungen: 1. Bei den schwachen Verben der sog. J-Klassen liegt ein Stamm auf -» zugrunde. G. nasi-da, urn. tawidö, ae. nerede, ahd. nerita.
  233. Bei den ö-Verben wird gebildet g. salböda, an. elskada 'liebte', ae. lökode, ahd. salböta.
  234. Bei den e-Verben heißt es g. habaida, ahd. habeta. Die andern Sprachen zeigen Formen ohne Mittelvokal, an. hafda, ae. hicfde.
  235. Die vierte Klasse des Got. auf -nan zeigt nö, g. fullnö-da, an. vaknada.
  236. Es gibt auch Verben ohne Mittelvokal, g. pähta : pctgkjan, ßühta : pugkjan, brähta : briggan, bei denen das weiterbildende Ele ment zum guten Teil als t erscheint. J) Literatur: Eine Übersicht Ober die Entwicklung der Frage mit vollständigen Literaturangaben bei Collitz, Das schwache Prä teritum und seine Vorgeschichte, Göltingen 1912. C.'s eigenen Er klärungsversuch halte ich für so unglücklich wie möglich. Vgl. auch Sverdrup unten. Dazu sind noch gekommen: Collitz, IF. 34, 209 ff.; Löwe, KZ. 45, 334ff.; Brugmaun, Btr. 39, S4; Grd. II, 3,369; Sverdrup, IF. Anz. 35, 5ff.; L. L. Hammerich, Arkiv 38, 21 fl.; O. v. Frie sen, Om det svaga preteritum i germansk spr&k, Skrifter Upp sala 1925; A. W. M. Öd6, Das schwache Präteritum in den germ. Sprachen, Mededeelingen der K. Ak. van wetenschappen, Amster dam 1926; Chr. Rogge, Btr. 50, 321 ff.; J. Sverdrup, Das ger manische Dentalpräteritum, NTS. 2, 5 ff. *) Zu gr. oiba gehört eine 3. PI. Prät. tcav *sie wußten', das genau g. ahd. tcissun entspricht, wie Osthoff2, Gesch. d. Perf., 397f. gesehen hat. So kommen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein urgerrn. Paradigma 1. Sg. -döm, 2. Sg. -des, 3. Sg. -det. Ich halte dies für eine Nachbildung der idg. Endungen -om, -es, -et, währeng es ursprünglich -im, -es, -et hieß, vgl. gr. 4xipd0r|v, 4Tipddn<» ^Tipddu. Doch ist es nicht unbedingt nötig, das anzu nehmen, da wir auch im Lat. feram : fcres finden. Im Plural entspricht g. dedum, dedup, dedun genau dem Simplex ahd. tätum, tatut, tatun. Im Plural finden wir ahd. auf der einen Seite suohtum, suohtut, suohtun, entsprechend as. liabdun, ae. neredun, aisl. iölpom, tölpop, tölpo. Diese Formen würden got. -*dum, -*dup, -*dun entsprechen, d. h. hier ist von der 1. 2. PI. aus die Form ohne die Doppelungssilbe verallgemeinert worden. Daneben stehen alem. suohtöm, suohtös, suohtön. Hier liegt einfach eine Analogiebildung nach der 2. Sg. vor. Nach dem Verhältnis 2. PI. salböt: 2. Sg. salbos hat man zu 2. Sg. suohtös eine 2. PI. suohtöt gebildet, und dann weiter suohtöm, suohtön. Das Verhältnis von g. -dem, oder -dom, -des, -det zu -dedum, -dedup, -dedun gegenüber ahd. teta : tatun erklärt sich aus dem Schwund der Re duplikationssilbe te in der Zusammensetzung. Vgl. IGr. 4, 12 und 2, 221 f. Schon im Idg. standen nämlich neben einander *ädhbdhem und *edhäm. Vgl. ai. adhäm, ddhas, adhät, gr. efir|Ka und ai. adadhCvm, gr. die&iiv. Vgl. auch lit. dedü. Wie aber abg. dcidftü <1 *dödnt zeigt, gab es auch in der Doppelungssilbe den vollen Vokal, der ursprünglich in der 3. P. Plur. berechtigt war. Vgl. oben S. 146. Das Präteritum der schwachen Verben. § 124.] sie bildeten das ihnen nötige Tempus der Vergangenheit durch Umschreibung. Man hatte dabei zwei verschiedene Arten. Bei den intransitiven wählte man ein «Hilfs verbum» mit der Bedeutung 'sein*, bei den transitiven mit der Bedeutung 'tun*. Was aber geht diesem Hilfs verbum voraus? Im Indischen kann zu Nomina auf -a und -i eine Form auf -i gebildet werden, die vor allem in der Zse. gebraucht wird. Vgl. über diese Form Wackernagel, Melanges de Saussure 125. Vgl. auch oben S. 10. So finden wir zu ekas 'eins* ein eki in ekl-bhavati 'er wird eins', und dies entspricht im wesentlichen 1. unJ-bat. Weiler finden wir im Lat. largi-bar : largus; blandi-bar : blanclus und entsprechend im Lit. maint-davau 'ich tauschte' : moinas 'Tausch'; pelnt-davau 'verdiente* : pe7nas; seilet-davon 'ich sagte' : säkas; smlrdi-davau 'stank' : smfrdas 'Gestank'. Die Übereinstimmung der drei Sprachen erweist die Bildung als ursprünglich, wenn sie auch gerade im Germ, und Griech. nicht vorliegt. In diesen Bildungen auf haben wir nun die von allen vermißte Stammform, die in der Zss. auftreten konnte. Vgl. IGr. 4, 305. Neben den Formen auf -l standen aber solche auf -ö.
  237. Vgl. oben die Feminina der Adjektiva, S. 90. Auch -a war ein Determinativ, und die damit gebildeten Formen konnten als Nom. wie als Akk. verwendet werden. Das folgt zu nächst daraus, daß im Ntr. Plur. die Form auf -ä den
  238. Nora, und Akk. vertritt, und ferner aus Fällen wie ßorj- #e«ju 'ich laufe auf das Geschrei hin*. Der Akk. auf -am ist eine junge Bildung. Bei den Bildungen auf -ä stimmen fast alle Sprachen in dem Vorderglied überein. Vgl. gr. ^Tretpctfbi 'er versuchte'; 1. amä-bam, got. salbö-da 'salbte'; lit. jednS-davau 'vereinigte'; abg. dela-achü 'ich tat'; aber ai. gamajäm öakära, vidäm Öakära. Ob es auch Stämme auf e gegeben hat, ist nicht ganz sicher. Obgleich gr. £(pi\n-$nv, 1-habö-bam, g. habaida, ahd. habeta, lit. penedavau übereinstimmen, so könnte es sich doch um eine Neubildung handeln. Vgl. Güntert, Zur Herkunft und Bildung des italischen Imperfekts, S.-B. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1917/18. [ § 124
  239. Das Präteritum. Sicher bestanden also im Idg. Nominalstämme auf -i und -a, an die Hilfsverben verschiedener Art an traten, um ein Präteritum zu bilden, während das Präsens mit jo gebildet wird. Als Hilfsverbum finden wir ai. kr 'machen*, gr. drj, germ. de 'tun5 und lit. davaii, das ich zu g. iaujan 'tun, machen* stelle, urnord. tawido. Im Osk. finden wir ein aa-manaffed 'mandavit5, pruffed 'posuit5, deren ff Brugraann , Grd.2 2, 3, 149 auf *fefed >» ahd. teta zurückgeführt hat, m. E. ganz überzeugend. Auf der andern Seite finden wir Zss. ai. mit bha 'sein*, dem lat. -bam, -bat entspricht, während im Abg. -achte wohl zu cs 'sein* gehört.1) Im Laufe der Zeit, sobald die Bedeutung verblaßt war, wurde ein einziges Hilfsverbum durchgeführt, im Gr. -$T), im Lat. -bä (: fu-), im Germ, -de, im Lit. -davaii, im Abg. es. Allein steht die Bildung der ersten schwachen Kon jugation, wie nasida. Für sie findet sich keine Anknüpfung in den verwandten Sprachen.2) Hier muß man auf den Einfluß des Verbaladjektivs auf -to verweisen. Wie das Präteritum salböda neben *salböd-s stand, so stellte man zu *nasid-s ein nasida. Mit Recht weist Sverdrup NTS. 2, 94 darauf hin, daß zwischen dem Verbale und dem schwachen Präteritum im Germ, ein enger Zusammenhang hergestellt ist, sowohl in bezug auf die Vokalstufe wie in bezug auf den Dental. Vgl. g. paurfta : ßaurfts; mnnda : munds\ slculda : sktdds; aihta : an. &ttr\ ßähta : ßähts; g. ßühta : pühts; brühta : *brühts', waiirhta : waürhts; söhta : as. säht) g. brähta : ahd. brüht; g. wilda : an. wildr; g. kunpa : ktinßs. An und für sich könnte dieser hergestellte Zusammen hang genügen, um das schwache Präteritum zu erklären. Indessen können andere Momente mitgewirkt haben. Es ') Merkwürdig stimmen 1. lege-bam, fere-bam mit abg. nese- achü überein. Das eine e ist so unerklärt wie das andere. Man wird darin doch den Kasus indefinitus von Nomina auf -e (1. sedes) sehen dürfen.
  240. die daher im In dischen ein umschriebenes Perfekt bilden, während als Aorist der reduplizierte Aorist dazugestellt ist. Demnach ist die germanische Bildung jung. [ § 128.
  241. Das Präsens. Hierher oder eher zur folgenden1) Klasse gehören auch die drei Verben tun, stehen, gehen.
  242. Das erste fehlt dem Got. Nord, und das ist ein Beweis mit dafür, daß die beiden Sprachen enger zusammengehören. Wgerm. erscheint es in der Form ahd. töm, as. döm, dön, ae. dö*nt d. i. urgerm. *dömi oder mdänti, was gegenüber gr. Tfdripi, ai. dddhämi mit e auffällt. Auch hier stimmt das Lat. zum Gerin. Denn es heißt lat. Konj. ab-datn, condam; credam, perdam, was den germ. Formen genau entspricht. Da das Präsens in fast allen Sprachen Doppelung hat, so wird diese wohl idg. oder urgerm. ge schwunden sein. Zu beachten sind ae. 2. Sg. dest, 3. Sg. ded mit Umlaut durch i, also Grf. 3. Sg. dödi.
  243. stän und gän. Daß ahd. as. stän zu 1. Stare gehört, ist klar. Auffallend ist das ä, das auf urgerm. e weist. Daneben stehen Formen mit e, ahd. stet, gct, as. sted, die eigentlich auf einen Diphthong zurückgehen müssen. Es gibt mannigfache Erklärungsversuche. Vgl. Bremer, Btr. 11, 41fl.; van Helten, Btr. 17, 557ff.; Brugmann, 1F. 15, 127 ff.; Wilmanns, ZldA. 33, 427 ff., Gramm. 3, 63 ff. Will man (t und e ohne weiteres vereinigen, so müßte man, da ä auf urgerm. e zurückgeht, ß aus den Zss. her leiten, in denen das Verb unbetont war, z. B. ahd. foüagen. Das ist aber kaum glaublich. Anderseits könnte es g&mf aber stem geheißen, und die beiden Formen sich gegen seitig beeinflußt haben. Nach Streitberg, UG. 310 entspricht ahd. stem dem abg. stojp. Vgl. stojimü stojite stojttü.
  244. StOJQ sto/iSi stojitü Auch für das Umbrische ist eine Flexion *stojö (u. stak» estos) vorauszusetzen, stem stcs stemes stet stent stet Die Etymologie von gän ist nicht sicher.2) Wenn es gleich ai. jahüti 'verläßt* ist, Aor. ahät, gr. Kixr)Mb wäre gä in Ordnung. Vgl. hierzu noch Bremer, Bir. 11, 41 ff. Das alte ö der Basis stä liegt im Prät. g. stöp, ahd. noch vereinzelt arstuat, forstuotun, gistuat, as. stöd vor. Die Form geht wohl auf idg. *sthäto zurück, d. h. die *) Die Doppelung dürfte irgendwie verlorengegangen sein.
  245. Kluge, Urg.8 160 führt ahd. gern auf *gu-tmi zurück. Da gegen Streitberg, 1F. 6. 148, UG. 319, da ei nicht perfektiv ist. Unmöglich ist auch Horn, Sprachkörper, 40ff.
  246. P. Aor. Medii mit übertragenem Vollstufenvokalismus, vgl. ai. ästhita, gr. tcraxo. Anm. 1. Möglich ist, daß stäm (urgerm. stSm) : stöd nach dem Muster g. letan : lailöt neu gebildet ist. Vgl. 1, 55. Anm. 2. Diese athematische Klasse ist im Idg. immerhin ziem lich häutig gewesen. Im Germ, sind aber nur wenig Spuren banden. Es gehören hierher: g. itan, d. essen : ai. üdnri, vgl. das Par tizip tunpus 'Zahn'; g. liilan wegen g. Partizip hulundi 'Höhle*; bairan 'tragen' : I. fert; kann aber auch ai. bhdrati, gr. fp^pei sein; vielleicht ahd. kumu, ai. 1. PI. agan-ma. Dazu E. Sie vor s, Blr. 8, S01T. Indessen muß sie auch im Germanischen noch häufig vor handen gewesen sein. Denn erstlich glaube ich, daß die meisten sog. Aoristpräsentien athemalisch waren, und zweitens setzen auch getvisse Nasalverben athematische Präsentien voraus. S. u. Vgl. auch A. Meillet, Bulletin Soc. Ling. 20, 22.
  247. Die reduplizierende Klasse. Im Idg. wurde eine Klasse mit Doppelung gebildet: gr. Tiöript, 1. sislo. Da von haben sich nur dürftige Reste im Germ, erhalten. Hierher wohl das Präteritum ahd. teta, PI. tätun, as. deda, dadun : gr. 4r^öriv *). ai. adadhat. Das e auch in lit. dest <Z*dedt. Auffällig ist ae. dt/de aus du, dessen u ich nicht erklären kann. Andere Reste sind nhd. bibem 'ich bebe', das mit ai. bibheti*) verglichen ist; ahd. zitterön, isl. titra 'zwinkern, zittern, beben' < *titrämi, gr. dtrobibpdöKU); -aber ahd seslö/n nur bei Notker, wohl aus ital. sest tre.
  248. Die Nasalklasse.3) Im Idg. gab es eine Präsens verstärkung durch Nasal, die sich in mehrere Arten ge spalten hat. a) Es erscheint ein eingeschobener Nasal, 1. vinco, vici. Im Germ, ist nur g. standan : Prät. slöp erhalten. Doch ist dies kein altes Beispiel. Es muß vielmehr nach einem alten Muster gebildet sein. In zahlreichen Fällen ist der Nasal fest geworden, d. h. wie in 1. junxi : jungo 'verbinde* auch in das Prä teritum und das Verbale übertragen worden. So ahd. dwingan 'zwingen', eigentl. 'drucken*: dtrahan 'waschen';
  249. xo)ringan : verzü 'schnüre'; ahd springnn : gr. au^pxojiai 'eile';
  250. twingan : ai. svajate 'umschlingt'. Ebenso wohl noch ahd. dringan, gilingan, bringan. vor- Vgl. IGr. 4, 198.
  251. *) Ich merke hier an, daß ich gr. für eine reduplizierende Form halte, die als Aoristus Passivi aufgefaßt wurde.
  252. Ved. Part, bibhjnt, Perf. bibhäja 'zittert*.
  253. Vgl. hierzu J. Raith, Die englischen Nasalverben. 1931.
  254. S. 17 ff. ll* §130.] Die Nasalklasse.
  255. zu tun. Derartige Verben hatten Abstufung gr. bäfivripi. Pi. bapvapev, die im Nord, noch vorliegen könnte. Vgl. Möller, AldA. 20, 139. Im Gotischen ist von der 3. PI. aus, wo *waknond'f> waknand werden mußte, die gewöhn liche Flexion durchgeführt. Die Bedeutung dieser Klasse ist intransitiv-inchoativ, was in die passive Bedeutung übergeht. So heißt g. uslüknan 'geöffnet werden, sich öffnen', andbundnan iosgebunden werden' und anderseits ga-blindnan 'erblinden', fullnan 'voll werden'. Normalerweise haben diese Verben Schwundstufe der Wurzelsilbe. Vgl.: g. us-bruknan 'abbrechen, zerbrechen' : g. brikan 'brechen'» diS'taürncin 'zerreißen' (intrs.): distairan, andbundnan : andbindtian< gapaürsnnn 'dörr werden' : gapilrsati 'vertrocknen'; usgutnan 'aus gegossen werden': giutan 'gießen'; fralusnan 'verloren gehen':/ra- zerreißen' : dtshniupan; aflifnan liusan 'verlieren', dishnupn 'übrig bleiben' : btlaibjan 'übrig lassen'; dis-skrilnan 'zerreißen' : dis-skreitan. an Diesem alten Ablaut zufolge muß die Klasse alt sein. In der Tat finden wir folgende Entsprechungen: g. dis-taürnati :ai. drnijät; andbundnan : ai. badhnati; fullnan : ai. prnati. Vor allem aber gibt es Berührungspunkte zu den slawischen Verben auf -woti, die ebenfalls häufig eine intransiv-inchoative Bedeutung haben. Z. B. suchngti 'dürr werden': g. gapaursnan dss.; abg. u-sungti 'einschlafen'; gonezngli 'erlö-t werden', vykngti 'gewohnt werden', isQkngti 'austrocknen', mlikngti 'conticescere' u. a. Die besondere Bedeutung muß sich also an einigen Fällen entwickelt haben. Trotz der Schwundstufe der Basis ist aber die erste Silbe betont, wie bei den primären ./-Verben. Vgl. g. gapaursnan, fralusnan, aflifnan. c) Hinter der Basis erscheint -neu, nu, gr. tfxopvupi.
  256. Die «-Flexion ist im Germ, nicht mehr zu finden. Doch könnte das nn mancher Verben auf -nw zurückgehen, das in der 3. PI. berechtigt war, vgl. ai. stpivanti. Hierher brinnan : 1. fernere; -g. du-ginnan 'beginnen' : ai. hiiiömi 'treibe vorwArts'; -g. af-linnan 'fortgehen'; -g. ritxnan 'laufen' : 1. rivus 'Fluß'; -g. toinnan 'kämpten', ai. vanöti 'begehrt'. [ § 130-132.
  257. Anm. Man stellt hierher noch ein paar merkwürdige Formen. So ahd. 1. PI. unnnm : an 'gönne5 < *unznnm; für mnd. dam 'wage* erschließt man eine as. 1. PI. *durntvn und vergleicht ai. dhrsnöfi; für got. kunnum : kann 'weiß5 ein idg. jtnnu-zu konstruieren, ist willkürlich, da es ai. jündti heißt.
  258. In allen Sprachen finden sich Verben, die ein Suffix -ne, -no enthalten, z. B. gr. b&Kvw 'beiße5, 1. spemo 'verachte5, g. fraihna 'frage5. Von diesen sind aber zweifel los nur sehr wenige alt, nämlich etwa solche, die von Verbaladjektiven oder Stämmen auf -no abgeleitet sind. 131. Die Jo-Klasse. Erweiterungen mit j sind in allen idg. Sprachen sehr häufig, wenn auch leider im Griech. Lat. nicht deutlich erkennhar. Es sind aber bei ihnen eine ganze Reihe verschiedener Bildungen zu unter scheiden, die auseinander zu wirren viel Mühe gekostet hat.1) a) Die 6-, i-(j-)-\erben, ahd. hebis : 1. habere, s. § 135;
  259. die denominativen Verba, s. § 139;
  260. regelrecht starke Veiben mit j im Präsens wie I. capio : cepi. ln diesem Fall entspricht die indische vierte Klasse. Der Ton lag auf der Wurzelsilbe, obgleich diese meist schwundstulig ist. Vgl. Hirt, IGr. 5, §203. Daher steht im Germ, der stimmlose Spirant, vgl. g. hafjan, frapjan, skaßjan, hlahjan. Hierher gehören g. bidjan, noch heute bitten, bat; -ahd. sitzen, noch heute sitze, saß; -ahd. ligjan , noch heute liege, lag; -g. ga-skapjan 'erschaffen5; -g. hafja, ahd. heffiu 'heben5: 1. capio; -g. fiapjan 'verstehen5; -g. skaßjan 'schaden5; -g. wahsjan 'wachsen5 : 1. augere; g. hlahjan 'lachen5. Unter diesen j-Verben finden sich einige, die zu den g-Verben (a) gehören. So ahd. sitzen : 1. sedere; wahsjan :
  261. augere, gr. aüHfjauu. Es scheint mir überhaupt wahr scheinlich, daß die ganze Klasse mit den e-Verben (a) identisch ist, wir müssen sie aber als besondere Klasse ansetzen, weil sie stark sind.
  262. Die e-, o-Klasse. Die normalen Präsentien des Germanischen bilden ein Präsens mit Vollstufe und dem Bindevokal o, e wie im Lateinischen der 3. Konjugation ago, agis, im Griech. <pepw, cpepeu;, ai. bhdrämi. bhdrasi. Diese Klasse hat sich im Germanischen außerordentlich stark >) Literatur s. § 135. Die <J-, »-Klasse.
  263. Den lat. Typus liabeo können wir dem ahd. fast gleichsetzen. § 135.]
  264. Ahd. Lat. Ahd.
  265. Sg. habeo : habe»i
  266. Sg. habe» hohes
  267. Sg. habet : habet Diese schlagende Übereinstimmung verführt natürlich zu der Vermutung, daß auch das got. Paradigma, dem das nordische entspricht, ähnlich aufzufassen ist. Wir finden Sing. G. haha habais habaip
  268. Davon kann g. haba> an. vake auf *habem zurückgehen (S. 1, S. 133) und entsprechend g. haband auf *habend, 1. habent (Streitberg, Z. germ. Sprachg., S. 73). Es fragt sich nur, ob man habaip, 1. habet gleichsetzen darf. Ich halte das mit Johansson, De deriv. verbis 187, für möglich, wenn auch nicht für sicher. Eine Parallele würde vorliegen in g. Opt. sijais, sijai = alat. sies, siet. Anm. Da got. c in betonter Silbe nach » neigt, so wird es in unbetonter nach ö hin liegen. Vgl. 1, 42. Jedenfalls liegen, wie man auch über die got. Formen urteilen mag, in ahd. habes usw. die Entsprechungen von 1. habes usw., idg. -es vor. Neben den Präsentien auf -e finden wir im Germ.
  269. J-Präsentien. Zunächst solche, die zu den a-Verben ge hören. Vgl. Sievers, Ags. Gr., § 415; Kögel, Btr. 9, 518. Vgl as. libbian, ae. libban: g. It'bati, libaida 'leben': gr. äXupf|vcu 'beschmieren'; ahd. hogen 'denken' : ahd. huggen, g hugjan, ai. sufyati 'trauen'; ahd. haben : ahd. hebis; ahd. sagen : segis; ahd. hazzen : as. hettian. Lat.
  270. PI. habemus : habemes
  271. PI. habetis : habet
  272. Pi. habent: habent. J-Verben, deren € nur in den verwandten Sprachen vorliegt. So ahd. sitzu : 1. sedere; zu ahd. liggu 'liege' vgl. das der Be deutung nach entsprechende 1 .jacere. Vgl. auch ai. jüdhjati 'kämpft': 1. jubere; g. tvahsjan : gr. aöti'iouj. Die a-Verben haben viele Entsprechungen in den verwandten Sprachen, bes. im Lat.
  273. G. haban, ahd. haben : 1. habere; g. liban, ahd. leben 'leben' : gr. Aor. dAi<pf|vai? : g. witan 'beobachten', 1. videre, gr. etbnou), abg. Vgl. 1. moneo 'ermahne* : men; spondeo 'gelobe' : gr. cmlvbuj 'bringe dar*; tondeo 'scheere*: tendo 'spanne'; 1. niordeo 'beiße', eigentl. 'mache schmerzen' : d. schmerzen; 1. voveo 'gelobe' : gr. eöxopai 'bele'; gr. <pop^w 'tragen' (verstärkt) : <p^pu>. Der o-Vokalismus ist indessen nicht allein vorhanden, sondern es kommt auch die Dehnstufe (im Indischen) uud die Schwundstufe vor. Im Germanischen ist der Typus mit o-Vokalismus und j-Bildung produktiv geworden. Er ist sehr verbreitet und noch heute erhalten. Reiches Material bei Wilmanns2,60. G./»Haif/yan'erniedrigen': hneiwan 'sich neigen'; g. gadrausjan 'niederwerfen' : g. driusati 'fallen'; g. frawardjan 'zugrunde richten': g. fraxcairpan 'zugrunde gehen'; g. urrannjan 'aufgehen lassen' : urrinnan 'aufgehen'; g. nasjan 'retten', ahd. nerien : g. ganisan 'genesen'. Beispiele mit Dehnstufe sind: g. uf-hlöhjan 'lachen machen' : hlahjan 'lachen'; -ahd. fuoren 'führen' : faran; -g. afdöjan 'zugrunde richten' : dttoan 'sterben* (Bechtel 170). Mit Recht weist Wilmanns 2, 52 darauf hin, daß wir auch Verben ohne kausative Bedeutung haben: g. draibjan : dreiban 'treiben'; -g. kausja7i: kitisan 'prüfen';
  274. -g. gawagjan : gmvigati 'bewegen'; *-g gö/jnn 'begrüßen' : galan 'singen'; -sökjan 'suchen, streben': sakan 'streiten'. Vgl. dazu, daß derartige Verben im Griech. nicht kausative Bedeutung haben, und auch im Indischen nicht immer. Anm. Es gab im ldg. Verben auf -ejö, bei denen das ei nichts weiter ist als eine Präsenserweiterung. Vgl. 1. gaud-eo, gr. YH^10 'freue mich'; gr. Ycm^u» 'heirate* : ^fnwa; -gr. ccpapaY-^opai 'pras sele' : ahd. sprcchan; 1. indtilgeo : indulsi. Herkunft. Die ganze Bildung derKausativa-Iterativa weist auf eine Zusammensetzung hin. Eine solche ist schon von Graßmann, KZ. 11, 88 angenommen worden, und zwar mit der Basis i gehen. Man kann sich vor stellen, daß man sagte: ich gehe (mit den Tieren) zum Trinken, zur Tränke, was sich zu 'ich tränke5 entwickelte. Die eigentliche kausative Bedeutung muß in dem Sub- stantivura gelegen haben. Dadurch erklärt es sich auch, daß wir bei den sog. «Kausativen» zwei ganz verschiedene Bedeutungen antreffen, nämlich die kausative und die iterative. Ferner weist auf eine Zusammensetzung, daß das Verbale auf -itos gebildet wird. Vgl. g. nrtsips, 1. monitus, ai. väsitds, cöditds. [ § 138. 139.
  275. Das Präsens. Weiter ist die kausative Bedeutung nicht auf diese Bildungsweise beschränkt. Auch Verben auf -fl/o, ab geleitet von Nomina auf -fl und im Griech auf -6w, haben diese. Vgl. gr. boiidiu 'bändige', 1. domäre, ahd. zamon, und dazu g. ga-fripön 'versöhnen', gahamön 'bekleiden', gapaidön 'bekleiden', bifaihön 'betrügen', gatcundön 'verwunden' usw. Auch die Flexion weist auf eine Zss. hin. Vgl. unten § 145 und IGr. 4, 227 ff.
  276. Die Denominativs. Außer den Kausativen haben wir noch regelrechte Denominative in der /-Klasse. Deno minative werden mit Suffix jo vou allen Klaseen gebildet. Im Germanischen finden wir Ableitungen von konsonan tischen, ö-und ö-Stämmen.
  277. Ableitungen von konsonantischen Stämmen : j tritt an einen konsonantischen Stamm. Hierher g. dtilpjan 'feiern' von dulps 'Fest'; sigljan 'siegeln* von sigljö; g. weitwödjan 'zeugen* von weittcfids 'Zeuge'; arbaidjan 'arbeiten' von arbaips 'Arbeit'. Unter diesen Denominativen bilden eine uralte Klasse die Verben auf g. atjan (Wilmanns, 2, 82). Got. finden wir lauhatjan 'leuchten', swögat/an 'seufzen'. Ahd. sind sie häufiger, während sie später wieder zurticktreten. Heute hegt der Typus vor in schwänzen ; schwingen; mucksen, benamsen, lechzen, rutschen < ruckezen, schluchzen, schnalzen, hopsen, krächzen usw. Ausführlich darüber Job. Richter, Ursprung und analogische Ausbreitung der Verben auf -aCtn. Leipzig li»09. S. 135ff. Diese Verben entsprechen den gr. auf -ctCeiv, -lEeiv, die von Stämmen auf -ab, -ib ausgehen, d. h. Stämmen, die mit Determinativ d von fl-und z-Stämmen gebildet sind. Vgl. IGr. 3, 127 f. Es gab, wie J. Rieh ter a. a. O. 135 hervorhebt, auch
  278. Verben, die von Ä-Stämmen abgeleitet sind. Sie sind im Anord. produktiv geworden, vgl. Kluge, Nom. Stamm bild.3, § 213£f. Auch g, k war ein Determinativ. S. § 9, 1 und unten.
  279. Ableitungen von ä-Stämmen. Man rechnet hierher viele Verben der 2. Klasse schwacher Verben, wie g. salbön, ae. sealßan, die den lat. auf -fl (laudäre), gr. -ä (Ttprj-ö'uj) entsprechen. Sie stammen natürlich von fl-Stämmen.
  280. Vgl. g. snnjön 'rechtfertigen' : 8tmja 'Wahrheit'; g. gapaidön 'bekleiden'; paida 'Gewand'; ahd. borön, 1. forüre 'bohren' : ahd. bora 'Bohrer'. Aber sicher ist der Typus -äjö schon vorgeschichtlich produktiv geworden. Vgl. g. fiskön -1. piscäri 'fischen' (aber g. fistcs, I. ptecte); - ahd. namnön = 1. nominüre (: 1. nomen); -ahd. irrön 'irre gehen' = 1. er rare; -ahd. giniutvön 'erneuen' = 1. renoväre (: niuwi). Die Bedeutung ist z. T. auch kausativ. Diese Verben auf -a/o entsprechen demnach den lat. der 1. Konjugation. Es gibt weiter Verben auf -isön, izon, vgl. von Un- werth, Btr. 36, 33; Wilmanns 22, §80, die offenbar von $-Stämmen weitergebildet sind. So g. hatizön 'hassen' : hatte; -ahd. egteön 'schrecken' : g. agis 'Schrecken'; -ahd. sigirön 'triumphare' : g. sigis. Sie entsprechen 1. auf -er(Ire, wie vulneräre 'verwunden', ge- tieräre 'erzeugen'; ahd. uoberön *tlben' = 1. operäri 'beschäftigt sein'. Ebenso linden sich Verben auf -inön, g. fraujinön 'herrschen* im Lat. wieder; vgl. 1. regnäre : rex. Auch die Bildungen auf -ilön sind wohl alt. Von Stämmen auf -g sind Verben auf -Jeö abgeleitet, wie ahd. ippichön 'revolvere' : g. ibuks 'zurück*; ae. gearcian 'bereiten'; mhd. hörcchm (Kluge3, § ^ 13). Sie könnten lat. wie navig&re 'schiffen', lltigare 'streiten*, flammigäre 'Flammen treiben' entsprechen oder mit Wechsel von g und k 1. fodicüre 'wühlen' und vellicäre 'rupfen' (beide plaulinisch).
  281. Ableitungen von e-, S-Stämmen. Das Slawische kennt einen Typus auf -ijp, z. B. eelejg *ich wünsche'. Damit gehören wohl die griechischen Verben auf -ejö zu sammen. Aus dem Lat. gehören sicher Verben der 2. Kon jugation dazu, wie albeo 'weiß sein*, ßaveo 'gelb sein*, die weder Perfekt noch Supinum bilden. Mit diesen mögen die ahd. Verben auf -Sn wie irblinten 'erblinden', irfülsn. 'faul werden* Zusammenhängen. Anm. Im Lat. liegen die Stämme auf -e auch vor. Sie sind aber mit -sko erweitert. Vgl. ahd. alten 'alt werden', 1. senesco; ahd. ir-bleichen 'bleich werden', 1. exalbesco; ahd. irfülen 'faul werden', 1. pv.tresco.
  282. Sonstige Präsensbildungen. Es gab vielleicht noch weitere Präsensbildungen im Idg. Aber die meisten, die Brugmann im Grd. ansetzt, sind es nicht, und jedenfalls haben sie im Germanischen keine Bedeutung. [ § 140-142.
  283. Das Präsens.
  284. Alt sind Bildungen auf -sko-und -skäoffenbar Nominalverben. Hierher: ahd. forskön 'forschen' : 1. poscere, ai. prcöhämi', -ahd. eisköny as. eskön, ae. äskian 'heischen', lit. jiisköti 'suchen*, abg. iekati, aber ai. icihdti 'sucht*; -ahd. wunska?i, ae. tvyskan, an. CBskja 'wünschen* : ai. vävchati.1)
  285. Die -fo-Erweiterung ist offenbar nominalen Ur sprungs, soweit sie nicht auf die 3. Sg. Aor. zurückgeht. S. oben. Ahd. flehtan, 1. pleclere neben plicäre, gr. irX^Keiv; -ahd.
  286. fehtan, ae. feolitan, afrs. fiuhta; g. falj>an\ g. haldan; waldan usw. Das Material bei Brugmann, Btr. 39, 86ff.
  287. Wurzeldeterminative. Bei den Verben finden wir nun das, was man Wurzeldeterminative genannt hat, d. h. die eine Sprache zeigt eine erweiterte Stammform gegenüber einer einfachen einer andern. Ich stelle hier einige Fälle zusammen: 1. cüdo : ahd. hontcan 'hauen*; -ahd. skiogan 'schießen*, lit. Säudau : lit. sdujti 'schieße*; -ahd. sliogan, 1. claudo 'schließen':
  288. clavis\ -g. Ictan, lit. liidmi 'lasse* : 1. Icnis; -g. atslan 'sich scheuen', ai. tdato 'verehrt* ; ahd. era 'Ehre'; -g. giutan, 1. fundo 'gießen* : gr. -ahd. fliogan : gr. irX^u) 'schwimme*, 1. pluit 'es regnet'; -ahd. wäg an 'wehen, blasen': ahd. tcäen, g. waian 'wehen*; -ae. streydan 'streuen* : streowian 'streuen'; -ahd. fehtan : 1. ptig-na 'Kampf; -ahd. flehtan, 1 pleclere : 1. explicäre; g. falßan : 1. simphis; -ahd. spaltan 'spalten'; -ahd. skeltan 'schelten* : ahd. skellan 'schellen*; -g. haldan 'Vieh weiden* : gr. ßou-KÖXo«; 'Hirt*; -g. afhlapan 'überbürden* : lit. kldti 'hinbreiten'. Die «Wurzelerweiterung* besteht m. E. darin, daß an Nomina gewisse Determinative getreten und dann von solchen Bildungen Verben abgeleitet sind. Wir haben es also mit Nominalverben zu tun.
  289. Die Flexion des Präsens. Außer den Endungen und dem Stamm hat man bei der Flexion noch das zu beachten, was vor der Endung steht, weil sich hier teils Abtönung findet, teils Kontraktionen stattgefunden haben. Man unterscheidet im Idg. eine sogenannte athematische und eine thematische Flexion oder, wie man im Grie chischen sagt, die Verben auf -mi und die Verba pura. Der Unterschied besteht darin, daß in der ersten Klasse *) forskön läßt sich in gewissem Sinne als Präsens zu dem Prät, g. froh auffassen; vgl. u. pepurkur-ent.
  290. Die ./-Verben. Die Flexion der /-Verben ist in den Dialekten verschieden. Im Got. sind die kurzsilbigen ganz regelrecht. Es heißt liafja, hafjis, hafjiß. Die langgilbigen haben ei statt/». Es heißt also söJcja, sökeis, sökeiß. Man kann annehmen, •daß ji nach langer Silbe zu i geworden ist; aber es kann auch ein *sö/cijisi vorliegen. Die wgerm. Flexion ist anders. Es heißt: ahd. zellu, zelis, zelit; as. fremmiu, fremis, frcmid; ae. fremme, fremes, fremed.
  291. J) Imperativform.
  292. *) Über die mögliche Ursache vgl. Hirt, IF. 32, 216ff.
  293. Hirt, Urgermanisch II. 12 [ § 144-146.
  294. Das Präsens. Das weist auf ein Paradigma
  295. Sg. *hafjö 2. Sg. Viafis 3. Sg. *hafip, das 1. capio capis capit entspricht.
  296. Die Übereinstimmung ist schlagend. Es fragt sich aber, ob nicht sowohl wgerm. *haßs wie 1. capis aus *kapjesi entstanden sein kann. Anderseits könnte sowohl die got. wie die wgerm. Flexion alt sein. Die Flexion -jö, -jesi kommt zweifellos den reinen Denominativen zu. Es hat aber auch eine tathematische» Klasse mit i in einzelnen Personen gegeben. Das sind erstens die Kausativa und 2. die 6-, i-Verben.
  297. Die Kausativa. Die Kausativa sind in ihrer Flexion ganz mit den j-Verben zusammengefallen. Ur sprünglich waren sie aber verschieden, finden wir -ejü, -ejesi usw.; dagegen im Lit. -X, im Slaw. -i.
  298. M. E. ist das alles nur zu verstehen, wenn wir, wie schon oben § 138 bemerkt, eine Zusammensetzung mit der Basis ei annehmen. Dann erhalten wir eine abstufende Flexion 2. Sg. eis, abg. nosisl, 3. Sg. eit, abg. nositü, 1. PI. -wies, lit. milime, 2. PI. lit. mllite. Die Flexion 2. Sg. sökeis,
  299. Sg. sökeip, 2. PI. sökeiß entspricht abg. ?iosisi, nositür nosite\ die ahd. mit X entspricht der litauischen. 146. Die ei-Verben sind wohl diejenigen, die im Präsens -jö, -isi, -iti gehabt haben. Vgl. as. hebbiu, hebis. Man muß also für das Germanische verschiedene- Analogiebildungen annehmen. Nach meiner Ansicht sind alle vorliegenden Flexionstypen, g. sökeis, nasjis, ahd. neris alt; nur waren sie bei je einer Gruppe berechtigt. Im Gotischen finden wir die Verschiedenheit der Flexion, je nachdem die Wurzelsilbe kurz oder lang ist, nasjis, aber sökeis. Dieselbe Verschiedenheit kehrt bis zu einem gewissen. Grade im Lateinischen wieder. Man vergleiche sancis, vincls, farcts, fulcis, sarcis, sentis,. haurls, aber facis, jacis, fodis, fugis, sapis, quatis, capis usw. Das macht die Erklärung natürlich noch schwieriger.. Im Gr. Lat. Ind. [ § 150. 151.
  300. als Präsens. Von idg. *bhewö, germ. *biu stammt wohl as. bium, ae. beom und weiterhin ahd. bim durch Kon tamination. Die 2. Sg. ae. eart stammt von einem dritten Stamm.
  301. Vgl. J. Schmidt. KZ. 25, 595; Brugmann, IF. 1, 81;
  302. Fi er 1 in ge r, KZ. 27, 439. Als Präteritum wird das Perfekt des Verbs wesan. g. wisan, an. vesa, ae. wesan, ahd. wesan, ai. vas Verweilen' verwendet, das vielleicht aus es und dem Präfix w besteht.
  303. S. S. 1, 143. Das Part. Prs. g. ivisayids entspricht ai. vasat. An sonstigen sich ergänzenden Verben haben wir noch g. gaggan mit dem Präteritum iddja und ae. gän, Prät. lode, G. gaggan gehört zu lit. eengü 'schreite', ai. janghä 'Bein'. Wir haben es im Part, gegangen. In iddja ist ddj aus jj entstanden, so daß eine Form der Wz. ei 'gehen' vorliegt. S. oben § 124. Ae. Sode entspricht der got. Form nicht ganz. Es ist in -de die Endung der schwachen Verben angetreten, während eo auf *ijö zurückgeht, wie ae. freond got. frijönds entspricht.1) Got. briggan: Prät. brähta aus *branhta ist gemein- germ. und die beiden Formen gehören zu demselben Stamm. Wir haben aber sonst kein Muster für diese Un regelmäßigkeit. Offenbar gehört brähta zu dem Präsens as. brengjan <Z *brangjan, das in gleicher Bedeutung neben bnngan stand. Die Modi.
  304. XVIII. Die Modi.
  305. Vorbemerkungen. Alle idg. Sprachen kennen als besondere Modi den Optativ und den Imperativ, während der Konjunktiv nur in einem beschränkten Gebiet auf- tritt und wahrscheinlich jung ist. Er fehlt völlig im Slawisch -Litauischen. Ob er im Germanischen einst vorhanden war, läßt sich nicht sagen. Mit Sicherheit kann man keine Form nachweisen.
  306. *) Vgl. hierzu Sievers, Zum ags. Vokalismus, 1900, S. 52;
  307. Collitz, Das schwache Prät., 145; Bülbring, Ae. EB., § 118 und 458. Ich kann mich ebensowenig wie Collitz entschließen, ae. lode von g. iddja zu trennen und jenes mit Holthausen, IF. 14, .'{42 zu einem andern Stamm zu stellen. [ § 153. 154.
  308. Der Konjunktiv. Ich halte den Konjunktiv für keine allgemein idg. Bildung, und ich stehe daher allen Versuchen, einige germanische Formen auf ihn zurück zuführen, zweifelnd gegenüber.
  309. Ich habe got. bindau, an. binda IF. 1, 206, 6, 58ff. auf -öi» zurückgeführt und mit 1. Jeram verglichen. Wenn ich die germ. Formen auch noch immer aus -öm erkläre, so vergleiche ich sie doch nicht mehr mit lat. feram. S. o.
  310. Den got. Optativ salbös, salbö usw. haben Collitz, BB. 17, 50 Fn. und K. Bojunga, IF. 2, 184 ff. als einen alten Konjunktiv angesehen. Ich habe dem früher zu gestimmt, muß es aber heute sehr stark bezweifeln. Ebenso ist got. ögs in ?ii ogs kein Konjunktiv Perfekti, den es nie gegeben hat, sondern eine Form *öges wie ahd. curi in ni curi, also eine 2. Indikativi, eigentlich des Aorists, die man der Bedeutung wegen «Injunktiv» nennt.
  311. Der Imperativ. Ein Befehl kann auf mannig fache Weise ausgedrückt werden, z. B. durch den Indikativ Präsentis (du fährst morgen!), durch den Indikativ Futuri (du wirst morgen fahren!), den Optativ (sei!) und durch besondere Imperativformen. Letztere hatten sich schon im Idg. entwickelt.
  312. Es wurde der bloße Stamm verwendet, 1. I 'geh1, age 'führe'. Im Germ, sind nur die Formen auf -e der thematischen Verben erhalten, gr. dye, <pepe, 1. age. Das e scheint in allen Fällen abgefallen zu sein. Wir finden nirgends Formen mit erhaltenem e, während i wgerm. doch nach kurzer Wurzelsilbe erhalten ist. Vgl. meri. Daher g. gif, an. ae. gef, as. gef, gib, ahd. gib. Im Ahd. und z. T. im As. finden wir t-Umlaut.
  313. Es fragt sich, ob dies lautgeaetzlich ist. S. darüber 1, 41, Anm. 5. Die ./-Verben haben im Got. durchaus i, ganz gleich, ob die Silbe lang oder kurz ist, vgl. nasei, söket. Dagegen lauten die Formen im Ae. nere, aber dem, im Ahd. aber stets mit t, suochi und neri. Wenn nicht irgend welche Analogiebildungen vorliegen, so können die Formen nicht vereinigt werden. G. nasei möchte man auf *noseje zurückführen, ae. dem dagegen auf *dömje. Es würde demnach auch in diesen Formen die verschiedene Her kunft der ./-Konjugation zutage treten. Die Modi.
  314. Der Injunktiv. Unklar ihrer ursprünglichen Bildung nach sind auch die Imperative der sonstigen schwachen Verben g. salbö, habai, fulln, ahd. salbo, habe, ae. loca, hafa. Diese Imperativform auf -e war ursprünglich eine Indikativforra, wie sich noch in dem Typus gr. <pep£- oiKog 'das Haus mit sich führend* zeigt. S. oben S. 121.
  315. Die 2. Plur. got. batrip unterscheidet sich nicht von dem Indikativ, ebenso gr. cpepeie; aber 1. agitis 2. PI. Ind. neben agite. Die Form ist die Singularform -f-der Partikel te. IGr. 4, 3. Vgl. hierzu noch van Helten, Btr. 17, 569; Jellinek, Btr. S. 44.
  316. Die 3. P. Sg. und Plur. got. Sg. bairadau. PI. bairandau stehen im Zusammenhang. Nun finden wir 1. agiio, agunto, gr. qpepeTUJ, cpepövTuuv und ai. als Medialformen bharatäm, bharantäm. Ein Zusammenhang zwischen diesen Formen besteht m. E. Setzt man nun got. au -idg. -öm, -am, vgl. 1, 136, so würde bairandau gr. qpepövTUJVl), ai. bharantäm genau entsprechen. Die 3. Sg. sollte *beridau lauten. Man darf wohl annehmen, daß in dem a hier eine Analogie bildung nach der 3. PI. vorliegt.
  317. Die 1. PI. ist die Indikativform mit imperativischer Bedeutung, also eine Injunktivform. Sie lautet g. bairam, ahd. netnames, ae. bindan, an. slciötom.
  318. Der Injunktiv. Im Indischen werden merk würdigerweise Indikativformen des Aorists ohne Augment konjunktivisch verwendet. Früher sprach man von un echtem Konjunktiv. Brugmann hat den Namen In junktiv eingeführt. Man stellt sich gewöhnlich etwas Be sonderes darunter vor. Aber es ist gar nichts Besonderes. Es sind einfach Indikativformen, die in konjunktivischem (futurischem) Sinne verwendet werden. Sie stammen aus der Zeit, als es noch keinen Konjunktiv gab. Auch wir können noch heute den Indikativ als Imperativ verwenden (Ihr geht auf jene Seite!) und die 2. P. PI. Imperat. ist gleich dem Indikativ (tragt, g. bairip). Ob im Germ. In- junktivformen, d. h. Indikative des Aorists, vorliegen, ist mir zweifelhaft. G. ?ii ögs Imperativ 'fürchte nicht* ist einfach eine Indikativform. ') Im Griech ist <pepövTu»v älter als tpepövTU», wie ich IF. 17, 388 nachgewiesen habe. § 154. 155.1
  319. len hoff, ZfdA. 23, 1 fand einen Rest in irtnin-'groß* = gr. öppevoq 'Schoß, Stiel, Stengel', wozu auch Eigennamen wie Ermcina-ricus gehören. Anm. Erweiterungen des Suffixes finden sich in g. lauhmuni 'Blitz', toundufni 'Wunde', witubni 'Wissen*. Das Suffix hatte übrigens aktive und passive Bedeutung (1. femina 'die säugende', altitnnus 'der ernährte'). Der Verlust des Suffixes wäre nicht weiter wunder bar, wenn sowohl -wo-wie -wo-daraus entstanden wären. Vgl. 1, 110.
  320. Das Part. Perfekti mußte untergehen, weil das Perfekt die Bedeutung der Vergangenheit an nahm. Es ist bemerkenswert, daß das Germanische diesen Verlust wie auch den von -mno-mit dem Lateinischen teilt. Einige kostbaren Reste hat das Germanische bewahrt. Zunächst g. berusjös 'die Eltern', eigentl. der für den Dual eingetretene Plural von *berusi 'die getragen hat'.1) Die Betonung wie ai. vidtiSi. Ferner g. weitwöds 'Zeuge'von Bühlcr, Or. u. Occ. 2, 341 und L. Meyer, Got. Spr. 366 überzeugend gr. elbih? 'wissend', ai. Lok. PI. vidvat-su gleichgesetzt. Dazu apreufi. waideumt 'Oberpriester'. Vgl. Schade, Ad. WB. 2, 1101. Sonstige Reste des Nordischen und Wgerm. bei A. Noreen, IF. 4, 324 fT.
  321. B. Verbaladjektiva nennt man auch des öftern Partizipia, weil sie die gleiche Funktion wie diese haben. Sie siud aber nicht an den Tempusstamm und das Genus Verbi gebunden, 60 daß sie sich also vom Partizipium unterscheiden. Es gab im Idg. mehrere Arten Verbaladjektiva zu bilden, von denen die auf -to-, -no-und auf -i-, -jo-im Germanischen verbreitet sind.
  322. Die Bildungsweise auf -to war im Idg. häufiger als die auf -no-. Doch haben sich von den alten Bildungen mit Endbetonung und Schwundstufe wie gr. boröq, 1. dahis, gr. CTCiToq, 1. Status im Germ, nur wenige erhalten, die oben angeführt sind. Soweit die Endung als Verbal adjektiva bildend empfunden wurde, ist sie zu dem Verbal stamm in Beziehung gesetzt. Wir finden folgendes: a) Gewisse j-Verben lassen to ohne Mittel vokal an treten. So g. *brähts : briggan; bauhts 'gekauft' : bugjcin\ g. brüht-: brükjan; g. toaiirhts : waiirkjan; g. andapähts 'bedächtig': pctgkjan; mikil-ßühts 'hochmütig' : ßugkjan.
  323. Das Wort für 'Eltern' stehtauch in andern Sprachen im Plural. 156, 157.] [ § 157.
  324. Das Verbum infinitum.
  325. Diese Erscheinung ist nicht auffallend, oder vielmehr auffallend nur vom germanischen Standpunkt. Die j- Verben, die dieses Adjektiv bilden, haben j als Präsens erweiterung, und es fehlt daher das i in den Verbal adjektiven. Enlsprechend finden wir im 1. captus = g. hafts : capio, g. hafja\ 1. sessus : 1. sedere, d. sitzen\ 1. visus < *iveitios : ahd. tois, gitoisso.
  326. Dagegen bilden ursprünglich die j-Verben, die alte Kausativa sind, ihr Verbaladjektiv auf -itos.
  327. Vgl. g. nasifis 'gerettet* : nasjan, wie 1. monit-us : moneo, ai. veditds : veddjati. Das weist auf eine Zusammensetzung hin (s. oben S. 173), wie sie schon Graß mann, KZ. 11, 82 ff. an genommen hat. c) Übereinstimmend bilden die Verben auf -0 ihr Verbale auf -öd\ vgl. g. salbops: 1. amätus, gr. Ti|ir)TÖ£, abg. Inf. dilati 'tun5. d) Bei den Verben auf e (g. ai) finden wir g. habaips, ahd. gihabet, aber 1. habitus. Daneben gibt es aber auch im Germanischen Verbaladjektive ohne Mittelvokal, wie wgerm. *lagd-'gelegt5, *libd-'gelebt5, *hogd-'gedacht*, *sagd-'gesagt5. Daß diese Formen den gotischen nicht entsprechen können, ist heute klar. Es sind m. E. Formen ohne Mittelvokal, die eigentlich *lahta*lifta-usw. lauten müßten. Es wurde aber dann eine neue Form zu dem stimmhaften Auslaut mit der Endung -d gebildet, ähn lich wie im Lat. einmal *legtus gebildet ist, das zu lectus wurde. Zur Sicherheit ist freilich nicht zu kommen. Vgl. zu dieser Frage H. Paul, Btr. 7, 136ff., Col- litz 105.
  328. Die Bildung auf -no-zeigt sich auch zunächst in einzelnen isolierten Resten, in denen es ohne Mittelvokal angetreten ist. S. oben S. 95. Es ist dann aber in der Form -eno-(-in-) oder gewöhnlicher -ono-(germ. -an) bei den starken Verben produktiv geworden. Dasselbe ist im Slawischen geschehen, und es zeigt sich in diesem Punkt eine bemerkenswerte Übereinstimmung der beiden Sprachen. a) Die Form -in-finden wir in einzelnen Resten wie g. aigin-n. 'Eigentum5, wovon ga-aiginon 'in Besitz nehmen5, Verbaladjektiva. § 157.] run. haitinaR, ae. Ep. binumini, forleginum (vgl. Sievers, Ags. Gr.3, § 366, 2). Heueier, Aisl. KB.2, § 354 er schließt ein in auch für die 1. Klasse, an. stigenn wegen des mangelnden a-Umlauts.
  329. Die Endung -an ist die normale. Vgl. g. bundans, ahd. gibuntan; g. nutnatis, ahd. ginoman. Die Verteilung der beiden Endungen -to und -no auf die schwachen und starken Verben, was man als eine Eigentümlichkeit des Germanischen ansehen muß, beruht auf einer germanischen Neuerung. Im Lat. ist -to durch gedrungen, im Slaw. -no. Wie die Verteilung ursprüng lich gewesen ist, kann nur das Indische lehren, wo die Verteilung an keine Regel gebunden ist. Nur scheinen hier die Bildungen auf -na-und die Nasalpräsentien in einem gewissen Zusammenhang zu stehen. Aber auch im Germ, ist die Verteilung, wie sie his torisch vorliegt, nicht alt. Die got. Verbalnomina auf -ni (8. o S. 66) setzen doch wohl ein Verbaladjektiv auf -no voraus. Ferner gibt es isolierte f-Formen zu starken Verben, wie g. *alds: 1. alo, g. alan 'wachsen5, ahd. haft 'gefesselt5 = 1. captus : g. hafjan. Die Bedeutung der Verbaladjektiva auf -to und -no ist gewöhnlich passivisch. Aber es ist aus dem Latei nischen bekannt, daß sie auch aktivisch sein kann, z. B.
  330. pötus 'einer der getrunken hat5, wie d. betrunken.
  331. Verbaladjektive auf -jo, -tjo, -njo. Im Idg. gab es eine Art Verbaladjektiva auf -jo, -tjo und -njo, die im Germanischen einmal verbreitet gewesen sind, aber in der geschichtlichen Zeit auch nur in Resten vorliegen. Eine Entsprechung finden sie vor allem im Indischen. VgL Kluge3, § 229 ff. Man kann diese Bildungen verstehen, wenn man bedenkt, daß jo bzw. t, was sich bei diesen findet, ein angetretenes Element ist, wie e, o. Wir finden demnach: a) Erweiterung von Wurzelstämmen. Wir finden in der e-Reibe £-Vokal, in der a-Reihe ö. Vgl. g. anda-7iems 'angenehm* : g. niman 'nehmen*; unqeps 'unaussprechlich': qipun; g. andaseis 'entsetzlich' : sic an; mhd. spähi 'weise* : spehan 'sehen*; g. xmandsöks 'unbestreitbar* : sakan 'an- klagen', g, gadöfs 'passend* ; g. gadaban. Das Verbum infinitum. [ § 157. 158.
  332. Das e scheint mir, wie beim Plural das Prät. der starken Verben, die Dehnstufe zu enthalten und auf alte Doppelung zurückzugehen. Vgl. ai. jdgmis 'gehend' : ahd. biquümi\ ai. iaJcris 'machend'; sasnis 'gewinnnend'. Das o der a-Klasse beruht wohl auf Nachbildung.
  333. Erweiterung von t-Stämmen finden wir in g. alpeis 'alt', ahd. muodi, g. framaßs : ahd. fremidi. Hierher auch g. außs, d. öde u. a. c) Erweiterungen von n-Bildungen finden wir in ahd. sköni : skouurin; g. hrains 'rein5; g. anasitins 'sichtbar* : sailoan; g. gamains = 1. communis u. a. Diese Bildungen weisen bekanntlich auf einen Nom. auf während die obliquen Kasus auf die jo-Flexion weisen. Das entspricht genau dem Paradigma 1. g. ai. is, Gen. usw. dagegen vom Stamm jo. Es sind also wohl Zss. mit Pronomina.
  334. Infinitiv. Die Infinitive sind, wie Fr. Bopp erkannt hat, Verbalnomina, d. h. Substantiva, die weder am Genus Verbi noch an der Zeitstufe teilnehmen. Anm. Verbalnomina können noch heute aktivisch und passivisch sein. Geburt ist einerseits 'das Gebären5 (eine schwere Geburt) und 'das Geboren werden' (Geburt des Kindes). Außerdem sind sie zeitlos. Im Idg. konnten verschiedene Arten von Verbal nomina als Infinitive verwendet werden. Vor allem die Nomina auf -es (1. agere), auf -tu (1. Supinum), auf -ti {Lit. Slaw.), auf -men (gr. bopev, bopevcu) u. a. Der germ. Inf. geht auf -an aus. Hinter dem n muß etwas ab gefallen sein. Man nimmt om an, so daß ein Akk. *ber- anam 'das Tragen* zugrunde läge. Anm. Da als Infinitive alle Kasus außer dem Nominativ ver wendet werden, so könnte auch ein anderer Kasus als der Akk. darin stecken, aber welcher soll das sein? Ein germ. *beranam könnte einem ai. bhäranam 'das Tragen5 entsprechen. Aber das a der indischen Form gebt vielleicht auf -rp zurück, so daß die Vergleichung unsicher bleibt. Man kann aber annehmen, daß das Germ, n wie auch sonst n im Idg. aus -mn-entstanden wäre, so daß also Infinitiv. § 158.)
  335. ein *bhero-nm-om zugrunde läge, welche Formen dann mit gr. Inf. auf -menai zusammen hingen.1) Der Infinitiv wird ursprünglich nicht vom Tempus* stamm gebildet. Es gab also keine Infinitive Präsentie und Perfekti wie im Griech. und Lat. Auch am Genus Verbi nimmt er nicht teil. Demnach wird kein Infinitiv des Passivs gebildet, wie im Lat. und Griech. Im Ger manischen ist der Infinitiv an das Präsens angeschloseen. Wir finden also g. niman, bairan, Jiafjan, salbön, ahd. haben. G. liaban und fullnan statt *fullnön sind Neubil dungen. Daß sich in g. sita7i gegenüber ahd. sitzen, aisl. brüka gegenüber g. brükjan etwas Altes erhalten hätte, wie Streitberg, Z. germ. Sprachgesch. 15ff., Urgerm. Gr. 286 meint, scheint mir sehr zweifelhaft. Got. salbön und ae. sealßan, as. thionoian neben thionön sind Bildungen von den verschiedenen tf-Verben. S. oben S. 179. Neben dem gewöhnlichen Infinitiv auf -*i, der als Substantiv verwendet für den Nom. und Akk. gebraucht wird, erscheint im Ahd. im Gen. Dativ eine Form auf -mm, z. B. Gen. nemannes, Dat. ncma?ine, die sich auch im As. findet. Zugrunde liegt eine ./-Bildung. Führen wir auch in diesem Fall n auf mn zurück (vgl. 1, 110), so zeigt sich eine Entsprechung in dem Suffix von g. lauh- mutii, witubni, 1. calunmia. Wenn man sich fragt, wie diese Formen in ein Verhältnis zu den gewöhnlichen Infinitiven gekommen sind, so wird man an das Verhältnis von g. Ntr. hram <C. Viraini : Dat. hrainjamma denken müssen und dementsprechend annehmen, daß der Infinitiv auf n viel leicht auf -ni zurückgeht.
  336. ') Neben den Infinitiven auf -jievcu stehen im Griech. solche auf -vai, die m. E. auch auf -pvai zurückgehen. Jedenfalls ent sprechen sich im Germ, und Gr. Inf. Vgl. g. witan : gr. etb^vai. Jo hansson, De derivatis verbis contraetis linguae graecae, S. 203. 2) Infinitive aut -» finden sich im Aind. in Bildungen auf -sa?»» und -tari, solche auf -nai in gr. -vai, böpevat. 18
  337. Hirt, Urgermanisch n. Sachregister. 27; Neutra ohne Plural 14; o-Deklinalion sekundär 18; o- und n-SL nebeneinander 55; Stämme auf-ön68,r-, n-Stämme 56; M-Stämme aus konsonan tischen Stämmen 47. S. auch Kasus. Denominative Verben 174
  338. Diminutiva, neutral 18 Dvandva 119 Ablaut: Abtönung e : 6 im Per fekt 148; ä:ü 4; Abstufung der n-St. 54
  339. Abstrakta, neutral 19; auf -ä urspr. auch neutral 19; oo von Adj. aut ? 69.
  340. Adjektiva, Flexion 85; Motion 90: werden dreigeschlechtig 17;
  341. Jo-Adj. aus Adverbien 97; oo auf -u 89. 91; schwache oo 55. 98; oo zum Personalpro nomen 75; endbetont 98; Neu tra der oo nicht endbetont 98. Adverbia 102; ohne Umlaut 105; Jo-Adjektl aus oo 97.
  342. Aorist, s. Verbum. Augment, nicht Zeichen der Vergangenheit 132
  343. Feminina, movierte 22 Funktionslosigkeit 145
  344. Geschlecht, gramm. 15; keins beim Personalpronomen 16; zwei Geschlechter beim Pro nomen und beim Adj. 16; keine Geschlechtshezeichnung beim Nomen im Idg. 16; oo bei den ö-, d-, n-Stämmen 17; Germanisch werden fl St. zu Fern., o-St. zu Mask. 16; Neu* trum 18 Bahuvrlhi 121 Basen 1 Belebt und unbelebt, Unter scheidung 16. 26.
  345. Betonung, Adjektiva endbetont 98, aber nicht im Ntr. 98; Betonungswechsel beim Neu trum 38 Heteroklise 56
  346. Infinitiv, gr. auf -vai 67
  347. Kasus. Ablativ 30; Akkusativ auf -om bei kons. St. 51; got. Akk. hatian 28; die Bildungen auf -ä hatten den Akk. auf -ä 157; Akk. PI. 31; Dativ 29; got. auf -a 35; auf -uöO; Dat. Instr. 32; Dat. Plur. auf -um eigentlich Sing. 14; Dual auf -ö wurde zum Ntr. Plur. 12; Geniliv 28; lat. Gen Sg. auf -t 10; Gen. PI. 31; got. Gen. Plur. auf -e 32; Genitiv der Zeit 30; Instrumental 30; Lo- Deklination, starke undschwa- cbe24; ä-oo58; Stammbildung 61; ä-St. zu «-St. 61; Ntr. es-St. 57; i-St. mask. 45; fern. i-St. 64; Neutra auf -is 45: Fern, auf i durch n erweitert 55. 64; ja und je bei den t-St. 62; jo-und «-Erweiterung 5, beim Partizip 93 und sonst 99.120; kons. Stämme 27; «-Deklina tion 5. 8; fern. n-St. 67; «- Dekl. des Komparativs 100; Neutra auf -s 33, -o»»38; -os
  348. * Sachregister. kativ 29. 36; Lokativsuffix ai;
  349. Lok. der t-St. ahd. auf -iu 43. 65; Lok. Plur. 33; Nomina tiv auf -s 9; Nom. Akk. ur sprünglich nicht unterschieden 25; zunächst verschieden beim Pronomen 25; werden wieder gleich 26; Nom. Sg. der neu tralen «-Stämme 14; Nom. Plur. 30, auf -es 14; auf -$ 36; as. N. PI. dagös 36; N. PI. Fern, des Pronomens im Ahd. SS; der fern. ö-St. 60; N. PL Ntr. 31. 37; Vokativ 28; der w-St. 46. Kasusendungen 1. 25; -s und nebeneinander 31. S. auch 78; o-St. neben t-Stamm beim oo 71.76; Dat. mis, ßns, Akk. mik, puk 26; an oo angetretene Elemente 71
  350. Stamm 1; t-Stämme neben sol chen auf -ro 93; idg. men- Stümme im Germ, zu m- Stäinmen 53; s-Stumme neben solchen auf -r 94 Steigerung 99; Komparativ 100; auf -öza 101; Superlativ 101 ; ergänzende cv 101
  351. Suffixe. Herkunft 4; aus Pro nomina 5; Pronomen jo als Suffix 5; entlehnte oo 6; gleichlautende oo können ver schiedener Herkunft sein 6; Suffix ä 22, -ä Nomina agen- tis bildend 2; gr. -ad 3; g. -nrei8 6.41; g. -assus 6; ahd. -bäri 4: wgerm. -döm 4; g. -düpi 4; germ. •ga-, -ha-7;
  352. -haft 4; wgerm. -haid 4; -i-2; -1-22; Fern, bildend 10: -lg-10. 97; -t»mo-100; -in- 22.69; -ingä, -angd 61; -int-, -önt-, -ent-67; -Ino 10. 96 f.; -iski-13; -istho-99; g. -ipa 5; -jo-40. 97; -jom 6. 41; d. -keit 5; -ko 46; -lik 4; -lo 95- -rno 95; -» 8; g. -nassus 49; -ni 66; d. -niss 6; -no-95; -nt 93; g. -ödus, -öpus 48; -öst 100; -ro 94; -s 10; -sama
  353. Tatpurusa 120 Verbaladjektiva 189; auf-io. -no 190; auf -jo, -tjo, -njo 191
  354. Verbum 131; Entstehung der Verbalformen aus Infinitiven i i -Om Deklination. Kausativa 172; Partizipien 173
  355. Kollektiva, zum Ausdruck des Plurals 13
  356. Komparation, s. Steigerung Komposita, s. Zusammenset zungen Konsonantismus. Aspiraten dissimilation 159; w nach Kon sonant im Idg. geschwunden 5. 78; idg. tt > germ. ss 48; slaw. germ. m für bh 32; got. •r und -rs im Auslaut 34
  357. Lateinisch und Germanisch 147 Nomina agentis und actionis ur sprünglich nicht verschieden 2
  358. Nominalverba 16S Numerus, Dual 11 ff.; Plural 13; Ntr. Plur. 13 f.; Plural, Ent wicklung im Deutschen 15; Singular 11
  359. Präfixe. Verbalpräfixe noch nicht fest mit dem Verbum verbunden 124; oo vor Verben betont 128; Präfix «-, s-, t-, w-125 Präpositionen 103 Pronomen 70; Personal oo 71; Frage-und Indefinit-oo 77; oo stamm kwo-t kwi-76; e-, o- Präteritum 140; Präterita zu Präsentien geschaffen 131; germ. Präteritum enthält Aorist formen 142; umschreibendes Präteritum im Idg. 157; 161; schwaches Präteritum 154ff.; ohne Mittelvokal 158; Ver- gangenheitsbezeicbnungim Idg. 161; Verbum substantivum 161 Verwandtschaftsnamen 51
  360. Vokalismus. Idg. e < ei 144; idg. ja >je 63; urgerm.i<5 > je 32; got. ai in der Doppe lungssilbe 143; urgerm. -ös > ahd. ä 59; gr. öp<pu) = g. ba, g. ßai > ahd. de 145.
  361. und Partizipien 134. Aorist im Präteritum 152; g-Aorist im Germ. 140; Aoristpräsentien 152; Endungen 133, des Im perativs 139. 140, des Per fekts 136, des schwachen Prä teritums 155; primäre und sekundäre 136, mediale 134 f.; Dualendungen 139;
  362. P. PI. Medii 135; ahd.
  363. Sg. Ind. im Ae. 138; Futurum im Idg. 160; Im perativ 1S6; Infinitiv 192; In- junktiv 1S7; Konjunktiv 186. Optativ 183; Perfekt, Vokalis mus 148; mit ö 148; Perfekt ohne Abstufung 149; Typus schon 146; to-Perfekt 147. 150 ff.; Betonung des Perfekts 150; Doppelung im Perfekt 142; fehlt bei wait 142; re- dupl. Verben im Wgerm. 143; Perf. präs. 151; Präsens flexion 176; Präsentien zu Prä- teriten geschaffen 131; Prä sensbildungen 161; redupli zierende 163; primäre ä-Präs. 169; ä-Verben neben e-, o-169;
  364. neben jo-170; denominative ä-Verben 175; Verben auf -atjan 174, gr. auf -dEcu, e-, o-Klasse 166; Präsentien auf -e 159; denominative e-Verben 175;
  365. -, »-Klasse 170; jo-Präs. 166;
  366. Präs, auf -nä-164, auf -neu- 165, auf -sko-176, auf -to- 176; Kausativa 172 f.; Nasal klasse 163; Sonstige Präsens bildungen 175; Wurzelklasse 161; Präteritopräsentia 132; Wurzel 1 Wurzeidetermin ative6.176; Wechsel von oo 11; -ä neben -om 10; d 6. 51; g 7. 51; * 10. 93; -i 10; k 7. 51 ; bei Kom positen 122: l 9; n 8. 70; -otn 9; r 9; -s und -om im Wechsel 9; t 8. 51
  367. Wzdet. = Wurzeldeterminativ Zahlworte 107; Ordinalia mit dem Pronomen -e, -on gebildet 94 Zusammensetzungen. Bahu- vrihi 121; Typus Dickkopf 101 ; Typus dreizehn 119; Dvandva 119; Typus Liebhaber 120; Typus Menelaos 121; Tatpurusa 120; zusammengesetzte Prono mina 23; verbale cxj 124; »- Stämme in co 55. 119; oo mit t oder jo 118. 122; mit -jom 41.

Last updatedNovember 23, 2024