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kredenzen, Verb
etw. (Speisen, Getränke) zum Essen, Trinken, verkosten servieren, auftragen
In alten Zeiten, in denen (unfähige) Amtsinhaber lebenslang das Zepter führten, ein Rücktritt unwahrscheinlich, an Abwahl nicht zu denken war, diente als Mittel der Wahl oft ein gepflegter Giftmord. Entsprechend tief saß bei Würdenträgern die Angst. Noch heute finden sich im Wortschatz Reste der einstigen Vorsichtsmaßnahmen: Wenn der Vorkoster seines Amtes waltete, nannte man dies im Italienischen „fare la credenza“ (zu mittellateinisch: „credentia“ ‚Glauben, Vertrauen‘). Und die so geprüften, für vertrauenswürdig befundenen Speisen und Getränke wurden auf einem eigenen Tisch platziert, der „credenza“. Als „Kredenz“ bzw. „kredenzen“ wurden die Wörter ins Frühneuhochdeutsche entlehnt, wenn auch verändert. Das Kredenzen mutierte zum vom Mundschenk zelebrierten, feierlichen Ritual und die „Kredenz“ diente zur Präsentation des besonders kostbaren, nicht zum Gebrauch gedachten Prunkgeschirrs.