Nach Buckelwal-Aktion: Streit um Peilsender und riskante Manöver (original) (raw)
Stand: 04.05.2026 20:22 Uhr
Im Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen hat der Wal am Sonnabend das Transportdock verlassen. Danach gab es wieder Streit im Rettungsteam. Am Montag hielt die "Robin Hood" für kurze Zeit in Kiel.
Der Peilsender, der an dem lange in der Ostsee umherirrenden Buckelwal angebracht sein soll, hat offenbar Signale gesendet. Die "Bild-Zeitung" berichtet das - und beruft sich auf Tierärztin Kirsten Tönnies. Demnach könne der Peilsender nur dann Signale von sich geben, wenn das Tier zum Atmen an die Wasseroberfläche komme.
Am Sonnabend (2. Mai) hatte sich das Tier offenbar aus dem Lastkahn herausbewegt - im Skagerrak, dem nordöstlichen Teil der Nordsee. Danach war unklar, wo sich der Wal aufhielt und wie es ihm geht.
Schlepper und Schwimmdock nur kurz in Kiel
Schlepper "Robin Hood" ist am Montagmittag in der Kieler Förde angekommen. Nach Angaben des Hafenamtes der Landeshauptstadt Kiel, sollten der Schlepper und das Schwimmdock "Jürgen", in dem der Wal transportiert worden war, nur kurz im Scheerhafen anlegen.
Nach der Buckelwal-Freilassung ist der Schlepper "Robin Hood" mit dem Transportdock am Montagmittag in der Kieler Förde angekommen.
Die Mannschaft der "Robin Hood" hat die Barge dort abgesetzt und ist dann Richtung Osten weitergefahren. Das Schwimmdock sollte noch Montag von einem Schlepper abgeholt werden und nach Hamburg abtransportiert werden.
Die "Fortuna B", die das Schwimmdock ebenfalls lange gezogen hatte, waram Montag in der Helgoländer Bucht unterwegs.
Greenpeace: Sender kann keine Vitalzeichen übermitteln
Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, hatte zunächst davon gesprochen, dass der Sender Vitalzeichen des Wals übertrage. Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace sagte allerdings, ein GPS-Tracker erfasse und übermittle keine Vitaldaten. Laut der privaten Rettungsinitiative hatte zuvor ein Meeresbiologe einen Peilsender an der Finne des Wals angebracht. Auf dessen Daten soll demnach aber nur das private Rettungsteam zugreifen können.
Geldgeber sprechen von "nicht abgestimmten Handlungen"
Nachdem der Buckelwal am Sonnabend das Schwimmdock verlassen hatte, kritisierten die Geldgeber Karin Walter-Mommert und Walter Gunz die Aktion. Sie sprachen von "nicht abgestimmten Handlungen" - und dass die Eigner und Betreiber der "Fortuna B" und der "Robin Hood" "etwaige Konsequenzen" zu tragen hätten. Eine der Tierärztinnen an Bord, Kirsten Tönnies, kritisierte, die Besatzung des Schleppers habe Teile der Rettungsinitiative ausgeschlossen. Man sei ohne die Tierärztinnen zum Buckelwal gefahren, als der Wal noch nicht frei war. Lediglich der US-Walexperte Jeff Foster sei mitgenommen worden.
Reederei spricht von "vielen riskanten Manövern"
Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs "Robin Hood" teilte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa mit, dass die Freisetzung erfolgreich und in Abstimmung mit dem Walexperten Foster erfolgt sei - insbesondere unter Berücksichtigung der Schiffssicherheit und des Wohls des Wals. Das Tier sei zuvor durch den Seegang wiederholt gegen die Wände der Barge gestoßen. Auch von "vielen riskanten Manövern" während des Transports ist die Rede.
Experten: geringe Überlebenschancen
Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden, sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace: "Wir schätzen seine Überlebenschancen als minimal ein." Der Meeresbiologe Fabian Ritter gab zu bedenken: "Eine Rettung ist erst dann gegeben, wenn er über Tage oder Wochen ein normales Verhalten zeigt", sagte er im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein.
Was bisher geschah
Anfang März war der Buckelwal zunächst auf einer Sandbank vor Niendorf (Kreis Ostholstein) entdeckt worden. Er schwamm sich frei - aber dann mehrfach in der Wismarer Bucht in Mecklenburg-Vorpommern wieder fest. Am 28. April startete dort eine private Rettungsaktion. In dem mit Wasser gefüllten Lastkahn "Jürgen" wurde das Tier in Richtung Nordsee befördert. Am 2. Mai bewegte er sich im Skagerrak, dem nordwestlichen Teil der Nordsee, aus dem Lastkahn heraus und verschwand. Die genauen Umstände sind unklar.
Dänisches Umweltministerium will Wal bei erneuter Strandung nicht retten
Sollte das Tier in Dänemark stranden, wird man es dort offenbar in Ruhe lassen. Das dänische Umweltministerium hatte der Nachrichtenagentur dpa mitgeteilt, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette. Strandungen seien "ein natürlich vorkommendes Phänomen" und Wale sollten generell "nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört" werden, heißt es. Zu dem konkreten Fall äußerte sich das Ministerium nicht.
Im Text stand für kurze Zeit, dass sich das Skagerrak im nordwestlichen Teil der Nordsee befindet. Es ist jedoch der nordöstliche Teil. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.
Video: Transport beendet: Buckelwal in der Nordsee (3 Min)
Video: Spektakuläres Video: Der Moment, in dem der Wal in die Barge schwimmt (3 Min)