Polizisten in SH: Fast jeder zweite erfüllt Trainingsvorgaben nicht (original) (raw)
AUDIO: FDP-Anfrage: Polizisten in SH machen zu wenig Einsatztraining (1 Min)
Stand: 07.06.2026 16:11 Uhr
Knapp die Hälfte der Polizeibeamtinnen und -beamten in Schleswig-Holstein absolvierte 2025 nicht die vorgeschriebenen 24 Stunden Einsatztraining. Gründe sind Personalmangel und fehlende Trainingsstätten.
Knapp die Hälfte aller Polizistinnen und Polizisten in Schleswig-Holstein absolvieren nicht die vorgeschriebene Mindeststundenzahl des Einsatztrainings. Das geht aus einer kleinen Anfrage der FDP-Landtagsfraktion an die Landesregierung hervor. Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte, die auch Vollzugsmaßnahmen durchführen, haben in Schleswig-Holstein eine Mindestvorgabe von 24 Stunden Einsatztraining pro Jahr.
- Schießtraining
- Training von realistische Szenarien
- Einsatzbezogene Selbstverteidigung (ESV)
- Zwangsmitteltraining
- Erste Hilfe
Standorte Kiel und Flensburg besonders betroffen
In Kiel und Flensburg hat im vergangenen Jahr kein Beamter die vorgeschriebene Mindestvorgabe von 24 Stunden Einsatztraining erreicht. Das geht aus der Antwort auf die Kleine Anfrage hervor. In Kiel haben außerdem 229 von insgesamt 945 verpflichteten Beamten gar nicht an einem Einsatztraining teilgenommen.
Das sind die Gründe
Die Landesregierung nennt eine hohe Einsatzbelastung, Personalengpässe und Probleme bei der Infrastruktur als Gründe. Dazu zählen unter anderem geschlossene Schießstätten und fehlende Trainingsmöglichkeiten. Gleichzeitig nähmen die Anforderungen an die Polizei zu. Neue Einsatzmittel wie Taser und der häufigere Umgang mit psychisch erkrankten Menschen erforderten zusätzliche Schulungen und Übungen.
CDU-Innenministerin Magdalena Finke sagte NDR Schleswig-Holstein in einem schriftlichen Statement, dass das Einsatztraining ein wesentlicher Bestandteil des polizeilichen Alltags ist. Es hätten 5.062 der 5.716 Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte, die auch Vollzugsmaßnahmen durchführen, am Einsatztraining teilgenommen. Bei den Zahlen bezieht sie sich auf die Polizistinnen und Polizisten, die unabhängig von der Stundenanzahl trainiert haben.
Um das Einsatztraining weiter zu stärken, investieren wir in die Trainingsinfrastruktur. Magdalena Finke (CDU), Innenministerin
Erst kürzlich sei in Albersdorf (Kreis Dithmarschen) eine hochmoderne Raumschießanlage eröffnet worden. Darüber hinaus habe die Landespolizei für die Schieß- und Einsatztrainingsstätten im Land ein Gesamtkonzept erstellt, für die bereits 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden.
FDP spricht von strukturellem Problem
FDP-Fraktionschef Christopher Vogt spricht von einem massiven strukturellen Problem. Er warnt, dass mangelndes Training im Ernstfall schwerwiegende Folgen haben könne. Die Landesregierung müsse deshalb schnell handeln, den Fortbildungserlass überarbeiten und für ausreichende Trainingsmöglichkeiten sorgen. Ziel müsse sein, dass alle Polizeibeamten künftig die vorgeschriebenen Einsatztrainings vollständig absolvieren können.
GdP fordert Re-Invest in Einsatztrainingsstätten
Die GdP nimmt die Zahlen laut Landesvorsitzenden Sven Neumann mit großer Beunruhigung zur Kenntnis. "Seit Jahren weisen wir auf die baulichen Mängel in der Landespolizei hin," so Neumann. Für den Standort Kiel sei die erforderliche Raumschießanlage aufgrund baulicher Mängel seit Jahren geschlossen. Gleiches gelte für die Polizeidirektion Flensburg. Klar sei laut Neumann aber auch, dass Faktoren wie Ad-hoc-Lagen oder Krankheiten verhindern, dass 24 Stunden Einsatztraining im Jahr abgeleistet werden können.
Die Landesregierung muss jedoch vor allem dringend den Re-Invest der Einsatztrainingsstätten zum Abschluss bringen, zur Sicherheit unserer Kolleginnen und Kollegen und der Bevölkerung in SH. Sven Neumann, Landesvorsitzender GdP SH
Die Gewerkschaft der Polizei Schleswig-Holstein hatte im April in ihrem Antragsbuch sogar gefordert, die Einsatztrainings von aktuell vorgesehenen 24 Stunden pro Jahr auf mindestens 48 Stunden pro Jahr auszuweiten. Das sei notwendig, um wichtige Abläufe regelmäßig zu üben, zu verbessern und den Anforderungen anzupassen.