elexiko : "Weh" (original) (raw)

Gleich nach dem praktischen Aids-Test für zu Hause (ganz ohne psychologische Betreuung, besonders geeignet für Suizidgefährdete) kam das Portrait. Seitdem ist "Mörtel" out, unsere deutschen Freunde sind ja viel einfallsreicher als wir. "Betonmogul" haben sie den potentiellen Bundespräsidenten genannt, "Rigips-Potentat" ist der Stein reiche liebevoll betitelt worden und ward fortan nur Lugi genannt. Mausi hat ihr "i" ja schon und hauchte first-lady-like, daß sie Herrn Oh Weh Fischer den Griff aufs Knie verziehen habe. Danach hätte es versöhnlichen Schriftverkehr gegeben (sonst offenbar keinen).(P97/AUG.32435 Die Presse, [Tageszeitung], 29.08.1997. - Sachgebiet: Kultur, Originalressort: Kultur; Lugi, Mausi, Hofburgi)

unten bewegen sich im geisterhaften Zeitlupentempo Bürgersleute durch die Finsternisse, rechts wächst eine mächtige Mauer ins Publikum, sie steht für die Macht der gesellschaftlichen Gebote, an der die Ausbruchsversuche des menschlichen Herzens scheitern. das ist alles sorglich überlegt, doch was die Bühne dann zeigt, wirkt eher ausgeklügelt und bemüht als ungezwungen und überzeugend lebendig. da gibt die Musik doch mehr her, und es ist ja weiß Gott keine schwache Musik, die Massenet zum" Werther "geschrieben hat. es ist auch keine schwache Wiedergabe, die Paul Landenberger ihr angedeihen läßt; leicht und fließend bringt er ihre Süße und ihr Weh zum Klingen, versteht es aber auch, den Gefühlsdruck an entscheidenden Punkten zu steigern und mit dramatischer Härte, in schwelgerischer Entfesselung zu formulieren. so im dritten Akt, im Zusammenwirken mit dem verzweifelten Werther, dem Wolfgang Oeste mit einem zuweilen etwas hart klingenden, doch immer kraftvoll klaren, durchaus auch zarter Nuancen fähigen Tenor attraktives Jünglings-Profil gibt.(H87/KM6.31597 Mannheimer Morgen, 13.11.1987, Nr. 263, Jg. 42, S. 42. - Sachgebiet: Kultur; Herr Werther? Im ersten Stock, bitte)

Der Verzicht auf biografisches Füllmaterial erweist sich als kluger Schachzug. Denn auch so entsteht - vorgetragen von Julia Kock im schlichten roten Samtkleid - ein rundes Kaléko-Porträt. Einer Frau, die den morgendlichen Wecker und den Büroalltag hasste, die voller Freiheitsdrang war - und immer wieder auf ihr großes Schicksalsthema zu sprechen kam: das Exil. "Heimweh" heißt bei ihr: "Nur das Weh, das blieb - das Heim ist fort." Ein angemessener Abend - mit viel Applaus - in Erinnerung an eine Dichterin, die in ihren Versen noch sehr lebendig ist.(HMP07/JUN.01187 Hamburger Morgenpost, 12.06.2007, S. 23; Berührende Hommage)