elexiko : "asexuell" (original) (raw)
dieser zwiespältige Status zwischen Einschließung und Ausgrenzung erklärt für die Autorin auch, warum gerade Dienstmädchen zum Objekt von Wunschphantasien werden konnten. um diese zu entschlüsseln, schlägt Karin Walser einen methodischen interessanten Weg ein: sie zieht die zeitgenössische Romanliteratur heran und befragt sie mit Hilfe der psychoanalytischen Kategorien Freuds auf ihren verborgenen Realitätsgehalt. der Befund: der bürgerliche Mann konnte sexuelle Wünsche, die seine eigene, als mütterlich-"rein" und asexuell verklärte Frau nicht erfüllen durfte, auf die fremde Person im eigenen Haus übertragen. diese Wünsche konnten jedoch dadurch bekämpft und abgewehrt werden, daß das Dienstmädchen auf soziale Distanz gehalten und als potentielle Prostituierte abgewertet wurde.(H86/CZ4.51149 Die Zeit, 03.10.1986, Nr. 41, Jg. 41, S. LB. - Sachgebiet: Pädagogik / Psychologie; Ullrich, Volker: Mädchen für alles (S.41))
Soviel Herz für das Gegenteil von Unkeuschheit erwartet man von einem Herrenfahrer nicht. Es waren Worte, wie man sie nicht über ein Auto, sondern über eine barocke Sakristei oder einen Pavillon, den Michelangelo bemalte, spricht. Euro Dabei ist der Begriff Käfer keineswegs von Grund auf jungfräulich. Nicht nur, daß man unter "Käfer" - meist mit dem Zusatz "ein flotter" - vor allem ein Fräulein versteht, das schon einmal der Begehrlichkeit zum Opfer fiel, sagte mir auch der gewesene Chauffeur eines Mächtigen der Filmbranche über seinen Herrn: "Er war ein guter Regisseur, großzügig zu den Untergebenen und geil wie ein Brotkäfer." Der Leser ahnt, daß auch der VW-Käfer nicht direkt ein asexueller Raum ist. Wir können daher dem Abenteuer des Obgenannten die Vermutung hinzufügen, daß es, als er die Partie mit der schönen Autostopperin machte, vielleicht, wie ein wenig derb gesagt wird, "nichts war", es jedoch die ganze Zeit vor Erotik knisterte.(O98/APR.40846 Neue Kronen-Zeitung, [Tageszeitung], 25.04.1998, S. 62)
Ein ganz schwieriges Alter. Jungs sind für sie igitt, und Männer bereiten nichts als Probleme, findet das Mädchen, dessen Mutter bei der Geburt starb. Schließlich zanken sich Tante Nora und Freund Rikard ja auch ständig. Beharrlich philosophiert Selma über das Leben, die Liebe und die Möglichkeiten asexueller Fortpflanzung. Doch die altklugen Betrachtungen stehen in komischem Widerspruch zu ihrer wachsenden Neugier auf das andere Geschlecht.(HMP07/FEB.01259 Hamburger Morgenpost, 11.02.2007, S. 19; Die liebe Not mit den Jungs)