Kommunikationsverben : "abschweifen" (original) (raw)
| Kommunikationsverben |
|---|
| abschweifen |
Bezugssituationstyp
Bedeutung
vorübergehend vom eigentlichen Thema abkommen
Ein Sprecher S äußert (einem Hörer H gegenüber) eine oder mehrere Sa(P), die sich nicht auf ein aktuell behandeltes Thema beziehen.
Verwendungsspezifik
Die Situationen, auf die mit abschweifenBezug genommen wird, sind dadurch gekennzeichnet, dass ein Sprecher im Verlauf eines Vortrags oder Gesprächs vorübergehend etwas äußert, was sich nicht auf ein aktuell behandeltes Thema bezieht.
H wird nicht thematisiert. P wird fakultativ thematisiert.
abschweifen wird häufig mit Präpositionalphrasen wie vom Thema, in Nebensächlichkeiten verwendet.
abschweifen kann nicht explizit performativ verwendet werden.
Synonyme
(vom Thema abkommen/abweichen)
Kommentar
Allen Verben des Bezugssituationstyps Kommunikationsverben.geprächsstrukturierend sind die folgenden typbestimmenden Bedeutungsaspekte gemeinsam: Ein Sprecher S äußert einem Hörer H gegenüber eine oder mehrere Sa(P), mit der/denen er die Art der Behandlung eines Themas im Verlauf eines Gesprächs steuert.
Es gibt keine Verben, die synonym mitabschweifen verwendet werden können. Die komplexen Ausdrücke vom Thema abkommen/abweichen sind synonym verwendbar, vgl.:
- In seiner Rede schweifte er ständig ab.
- In seiner Rede kam er ständig vom Thema ab.
- In seiner Rede wich er ständig vom Thema ab.
Belege
Er schweifte ab und erzählte etwas vom heiligen Patrick. (Duden)
Aber ich will nicht abschweifen. (die tageszeitung 2000)
Aber was schweife ich ab und plaudere, statt nur einfach zu sagen [...]. (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder)
Aber ich merke soeben, ich schweife ab, die Zeit läuft uns davon, tempus fugit, wie der Lateiner sagt, verehrte Anwesende. (die tageszeitung 1995)
Er antwortet klar und differenziert, holt manchmal aus, schweift nie ab, sagt das Wesentliche. (St. Galler Tagblatt 1998)
Im Gespräch schweift er nicht ab, sondern überdenkt jede Frage kurz und gibt dann präzise Auskunft. (Frankfurter Rundschau 1997)
Er zitiert gerne, zumal feine französische Redewendungen, er schweift gern ab, [...]. (Die Zeit 1998)
Diese werden nicht einfach zu brisanten Punkten befragt, sondern die Interviewerin lässt sie ausführlich reden und abschweifen. (die tageszeitung 1997)
Dazu müsse er ein bisschen ausholen und abschweifen: "Es nützt nichts, die Reformpädagogik darzustellen, ohne ihren Bezug zur Gegenwart aufzuzeigen." (Frankfurter Rundschau 1998)
Wie man vom Thema abschweifen und dennoch den Nagel auf den Kopf treffen kann, demonstrierte am Montag im festlichen Georgssaal des Kreml ein russischer Reporter. (Frankfurter Rundschau 1997)
Je weiter der Dozent vom vorgeschriebenen zu seinem eigentlichen Thema abschweift, desto mehr Instrumente fallen ein. (die tageszeitung 1998)
Doch wir schweifen ab in Nebensächlichkeiten. (die tageszeitung 1996)