elexiko : "unverhohlen" (original) (raw)

Die mit Castro gemeinsame Führung des Guerillakampfes in der kubanischen Sierra Maestra und der Sieg über die bereits demokratisierte Armee des kubanischen Diktators Batista führen ihn ab 1959 für einige Jahre auf den Gipfel der Macht. Er wird Industrieminister, Präsident der Nationalbank und Kommandant der Armee. Doch der revolutionäre Eiferer will Kuba zum «Vorposten im Kampf gegen den Kolonialismus» machen. Das Ziel einer von der UdSSR unabhängigen Dachorganisation der Guerilla-Fronten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, seine unverhohlene Kritik an der sowjetischen Afrikapolitik und Politik der Koexistenz führen im März 1965 zum Zerwürfnis mit Castro, zum Verzicht auf alle Partei- und Regierungsämter. So führte seine revolutionäre Unruhe Guevara wieder zurück in den Guerillakampf: zuerst in den Kongo, dann in das bolivianische Desaster.(A97/OKT.28517 St. Galler Tagblatt, 08.10.1997, Ressort: TB-AKT (Abk.); «Kein Leben ausser der Revolution»)

Marcel Reich-Ranicki hat die Idee von Literaturkanons gegen heftige Vorwürfe seiner Kritikerkollegin Sigrid Löffler verteidigt. Ein von Kritikern zusammengestellter Bücherkanon werde mit Sicherheit fragwürdig sein, schreibt Reich-Ranicki in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Aber ein fragwürdiger Kanon ist immer noch besser als Willkür und Beliebigkeit." Löffler hatte solche Leselisten im Buchhandels-Magazin "Börsenblatt" als "herrisches Gehabe der Bildungseiferer" kritisiert. "Hinter der lesepädagogischen Drohgebärde stecken unverhohlen diktatorische Gelüste", schrieb Löffler. Die Chefredakteurin der Zeitschrift "Literaturen" hatte im Jahr 2000 nach einem persönlichen Streit die Zusammenarbeit mit Reich-Ranicki in der ZDF-Sendung "Das Literarische Quartett" aufgegeben.(M03/JAN.01565 Mannheimer Morgen, 09.01.2003, Ressort: Kultur; Reich-Ranicki verteidigt Kanon)

es ist der Anfang eines langen Gedichts, das sie an ihren Schatz schreibt. der Schatz ist mein Sohn, und Gedichte sind ihre Spezialität. wenn ich ihre kleine, unförmige Gestalt hinkend auf meinen Sohn zugehen sehe, der Hut hängt schief auf dem Kopf, der Rock ist viel zu lang, und wenn er sich schlurfend auf sie zubewegt, sie umarmt und ihm vor lauter Glück dabei die Tränen übers Gesicht laufen, wende ich mich nicht mehr ab. ich kann es ertragen, daß die beiden so unverhohlen ihre Gefühle zeigen, ob nun andere dabei zusehen oder nicht. er ist frisch rasiert und gut gekleidet (dafür muß ich sorgen), und dann sieht der Dreißigjährige wirklich gut aus; die sonst so trüben Augen strahlen.(H85/JZ2.30414 Die Zeit, 25.10.1985, S. 94; Liebe tut gut)