Deutsches Fremdwörterbuch : "Droge" (original) (raw)
F. (-; meist -n), im späteren 16. Jh. entlehnt aus frz. drogue ‘Gewürz, Chemikalie, pharmazeutisches Mittel’ (< mittelniederdtsch. droge ‘Getrocknetes; trocken’ bzw. drögevate Pl., eigentlich ‘trockene Fässer’, d. h. ‘Behälter für Trockenware’ < mittelniederl. droge vaten, wobei das abkürzende Adj. droge in subst. Form bald nicht nur die Behälter, sondern auch die in ihnen aufbewahrten Güter (Gewürz, Arzneimittel) bezeichnet; verw. mit trocken), bis ins 19. Jh. öfter in der frz. Form (mit Pl. -s).
a Zunächst in der Bed. ‘pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Stoff, der getrocknet oder anderweitig konserviert für die Herstellung von Arzneimitteln oder Gewürzen verwendet wird, im Rohzustand vorwiegend als pharmazeutischer Grundstoff’, öfter auch ‘aus mehreren Stoffen zusammengesetztes Medikament, Arzneimittel, medizinisches Präparat’ (s. Belege 1935, 1955, 1959, 1964), z. B. eine herzwirksame Droge, die heilende Wirkung dieser Droge war schon im Altertum bekannt, lindernde Mittel wie Spritzen, Drogen und Zäpfchen, selten in Zss. wie Drogenartikel, -geschäft, -handlung; Wunderdroge, im 19. Jh. vereinzelt bildlich (s. Beleg 1866; vgl. b und c).
b Seit frühem 20. Jh. eventuell unter Einfluß von gleichbed. engl.-amerikan. drug(s) in der Bed. ‘berauschendes Arzneimittel, Rauschgift; Stimulans’, bes. in Wendungen wie weiche, harte Drogen (wohl nach engl. soft/hard drugs), gelegentlich auch in der engl. Form (s. Belege 1970, 1983), Heroin ist eine harte Droge, die Droge Opium, Alkohol, unter (dem Einfluß von) Drogen stehen, von Drogen abhängig sein, mit Drogen handeln, auf härtere Drogen umsteigen, der Griff zur Droge, synthetische Drogen, regelmäßig Drogen nehmen und auf dem Trip sein (→ Trip b), als Bestimmungs- und Grundwort in (oft schlagwortartig gebrauchten) Zss. wie Drogenmafia, -szene (vgl. engl. drug scene), -bande, -baron, -abhängiger/-süchtiger, -händler/-dealer, -einfluß, -handel, -konsum, -kranker, -kriminalität, -kurier/-schmuggler, -markt, -milieu, -mißbrauch, -sucht, -toter; Einstiegs-, Rausch-, Ersatz-, Schicki-Micki-, Schickeria-, Power-, Sex-, Streß-, Sucht- und Designerdroge (→ Design), vgl. auch mehrgliedrige Zss. bzw. Kombinationen wie Anti-Drogen-Fahnder, -Kampagne, -Werbung, -Behörde, -Politik (→ Anti- 2b).
c Von daher seit etwa Ende der 50er Jahre übertragen verwendet für ‘berauschendes Mittel, Betäubungsmittel; etwas, das ein Hoch- oder euphorisches Gefühl bewirkt, so daß ein Zustand erreicht wird, der der Wirkung von Rauschgift vergleichbar ist’ (vgl. b; vgl.Psychopharmakon, Doping), z. B. die Arbeit war schon immer seine Droge, wenn das Glücksspiel zur Droge wird, die Literatur ist eine Droge geworden, die Droge Macht, Buch, Film.
Belege
Büt(t)ner 1574 Dialectica D7a
Medicina Wund artzney, Leibs artzney, Trencklein kochen, Trociscen-Droge;
1599 Orientalisch Indien III 167
Drogen, als Galgan, Deringo, Canior;
Hulsius 1600 Schiffahrt IX 42
Drogen (KLUGE 1967);
Garzoni 1619 Schauwplatz 514a
[der Apotheker] suchet mit Fleiß nach den alten vnd verlegenen Droguen;
ders. 1641 Piazza 623a
die Drogen (seynd Specereyen/ vnd Materialien);
ders. 1659 Allg. Schauwplatz 860a
Droghen;
Erberg 1705 Handelscontor II 39
Drogherey/ Drogue . . vide Materialien;
Hahnemann 1784 Schäden 179
daß man mit . . anderhalb hundert Droquen [!] alles in der Arzneikunde bis jezt mögliche bewerkstelligen könne;
Campe 1813 Fremdwb. 274
Droguen . . Spezerei, Würze;
Goethe 1821 WA I 25.2,146
Gebrauch des Bades . . Nicht rechter Gebrauch der Drogues;
Magnus 1839 Einbalsamiren 40
Genueser . ., welche nach der Levante handelten, brachten dieselben, . ., weil man der Mumie arzeneiliche Kräfte beimaß, als Drogue in den Handel;
Elsner 1843 Vergoldung 78
Drogenartikel;
A. v. Humboldt 1845–50 Kosmos II 84
Der ausgebreitete Specerei- und Droguen-Handel (KEHREIN);
Arbeitgeber 19. 7. 1859
Ein Pharmaceut . . sucht ein Engagement in einem chemischen oder Droguen-Geschäft;
Justi 1866 Winckelmann I 230
schon Tertullian nannte ihn [Plato] den Krämer, von dem alle Ketzer ihre Droguen bezogen;
Peschel 1874 Völkerkunde 222
Zu ihnen gesellten sich etliche köstliche Gewürze und geschätzte Drogen;
1883 Brockhaus V 567
Droguen, Drogueriewaren oder Apothekerwaren . . Unter Droguenkunde versteht man die pharmaceutische Warenkunde;
Detlefsen 1896 Briefw. 383
Drogengeschäft;
1907 Ärztl. Rechtskunde 87
Drogenhandlung;
Graebner 1909 Pflanzenwelt 332
Bereits im Mittelalter war die Pflanze in Gestalt der Droge bekannt;
Wewer 1912 Geschäftsmann 158
Drogen, Farbwaren;
Schmidt 1924 Drogen und Drogenhandel im Altertum
(Titel);
Blunck 1931 Sprung 31
wo Zunder und Wegekraut lag . . Blitzschnell stahl ich von den Drogen;
Redlich 1935 Reklame 30
die Erzeuger von Schnäpsen, . . Drogen, Zahn- und Haarwässern;
1936 Erfolg 229
Die Drogenhändler können ein [Schau-]Fenster mit einer windzerzausten Landschaft ausstellen. Darin geht ein Mensch gegen den Sturm an . . Warum bekommt der Mann keinen Schnupfen? Weil er die und die Pastillen ißt;
Hoppe 1941 Drogenkunde
(Titel);
Th. Mann 1949 Reden u. Aufs. (W. XI 255)
Die Droge beseitigte das Fieber vollkommen;
Jahnn 1949 Fluß II 1,199
Drogenhändler;
Süddtsch. Ztg. 8. 5. 1951
Drogen und Narkotika gehören zum Menschen. Sind schon die staatenbildenden Insekten auf den Genuß natürlicher Drogen angewiesen – Ameisen halten sich Blattläuse;
Münch. Stadtanz. 1. 2. 1952
Drogen sind ursprünglich nichts anderes als getrocknete Kräuter, Heilpflanzen, auch Spezereien . . [Die] Wirksamkeit des Vielerlei von Drogen, Chemikalien, Tees, Tinkturen, Salben, Destillate;
Jens 1955 Mann 92
Es verging kaum eine Nacht, in der Bugenhagen nicht lindernde Mittel, Spritzen, Drogen und Zäpfchen benötigte;
1959 Medizin II 184
mit Medikamenten, unter denen . . die . . abführenden Drogen vorherrschten (DUDEN 1993);
Stuttgarter Ztg. 15. 1. 1963
alle möglichen Unbehagenszustände . . mit Tabletten und Mixturen bekämpfen . . Die . . Meldungen über neue „Wunderdrogen“ verführen leicht dazu, es einmal selbst zu probieren;
Hiller 1964 Raum 134
wobei diese Drogen . . nicht mehr . . komplizierte Mischungen organischer Stoffe waren, sondern neben den weiterhin verwendeten Kräutern die Minerale der anorganischen Natur;
FAZ 28. 4. 1965
Angebot . . von der Wunderdroge bis zur Planierraupe, von Haushaltsgeräten bis zu Werkzeugmaschinen;
MM 10. 4. 1985
diese DEC-C genannte Droge muß mindestens fünfzehn Jahre lang eingenommen werden – so lange, wie die Larven sich noch im Organismus vermehren können;
Spiegel 2. 5. 1994
Dies unterscheide Cannabis von Opiaten und pharmazeutischen Drogen wie Valium.
Werfel 1924 Verdi 121
was für andere Künstler Wein, Kognak, schwarzer Kaffee oder verbotene Drogen sein mochten, bedeutete für ihn dieses stimulierende Instrument;
Th. Mann 1933–43 Joseph (W. IV/V 1092)
Zustand der Öde und Leere, wie ihn dem Rauschgiftsüchtigen der Entzug der Droge verursachen mag;
Adorno 1951 Minima moralia 460
So wie abgestumpfte Morphinisten wahllos . . zu allen Drogen, auch zu Atropin, greifen;
Welt 23. 9. 1969
daß . . 20 Prozent des Heroins und ein Großteil vieler anderer der Drogen, die im Land gehandelt werden, aus Mexiko stammen;
FAZ 9. 2. 1970
Der „Griff zur Rauschdroge“;
Welt 2. 3. 1970
Niemand . . nennt Cannabis „Soft Drug“ (AWB);
Mittelbayer. Ztg. 20. 6. 1970
Neben dem „Umsteigen“ auf härtere Drogen erscheinen . . auch die durch Haschisch-Genuß hervorgerufenen Fehleinschätzungen . . im Straßenverkehr gefährlich (AWB);
FAZ 5. 7. 1971
Drogenrausch – den Trip zurück bezahlen wir alle . . Das Drogen-Einstiegsalter sinkt – schon 14-jährige haschen;
Westf. Volksbl. 27. 10. 1977
Beratungsstelle für Suchtkranke, Drogenabhängige (AWB);
Frankf. Rundsch. 24. 10. 1979
Hasch ist die Einstiegsdroge für stärkere Drogen;
ND 3. 1. 1980
Der Griff zur Droge – Linderung und Lebenshilfe gegen Isolation;
N. Z. Z. 16. 10. 1981
haben die italienischen Grenzbeamten ihre Kontrollen gegenüber . . Drogenkurieren verstärkt;
Stern 10. 11. 1983
daß die Stadt ein „Schlafboot“ für die „Hard-Drug-Users“ eingerichtet hat (AWB);
Zeit 17. 5. 1985
Kokain, als Sex- und Streß-Droge der Schickeria;
MM 6. 3. 1987
hätten Untergrund-Chemiker . . vom Betäubungsmittelgesetz betroffenen Stoffen „einfach ein neues Design verpaßt“. So sei die „Designer-Droge“ entstanden;
Spiegel 10. 8. 1987
wollen . . Gesundheitsämter die Ersatzdroge Methadon an Heroinsüchtige abgeben;
Strauß 1991 Schlußchor 81
Ich weiß nicht, ob sie von Drogen oder Alkohol so aneckbedürftig ist;
Spiegel 1. 2. 1993
einmal plante sie mit Punks sogar Sprühaktionen gegen Drogendealer;
ebd. 2. 8. 1993
Diese Kreise sind von der Anti-Drogen- und Anti-Mafia-Politik betroffen;
Zeit 10. 9. 1993
Die Stimmungspille der Techno-Szene ist heute die am weitesten verbreitete Designerdroge in den Großstädten . .: hergestellt in Chemielabors . . voll synthetisch;
Spiegel 2. 5. 1994
Der typische Kiffer nimmt weiche Drogen.
Dürrenmatt 1959 Abendstunde 37
Die Literatur ist eine Droge geworden, die ein Leben ersetzt, das nicht mehr möglich ist. Doch um diese Droge herzustellen, müssen leider die Schriftsteller das Leben führen, das sie beschreiben, und daß dies einem mit der Zeit . . höllenmäßig zusetzt, können Sie mir glauben;
FAZ 29. 3. 1983
Verkaufsstrategen wissen es. Auf die Verpackung kommt es an. Das Publikum greift zu, als wär’s eine Droge;
Stern 9. 6. 1983
Die Traumdroge Nostalgie und Sensation zieht sie alle an;
MM 12. 4. 1984
Wenn der Spielautomat zur Droge wird;
Zeit 18. 1. 1985
Hallenfußball gibt es nicht erst seit dieser Saison. Die Droge hat sich längst als publikumswirksam erwiesen;
ebd. 10. 5. 1985
Bücher bleiben die härteste Droge. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, dem fällt es schwer, aufzuhören;
1986 Hörzu VII 138
Die Arbeit war schon früh ihre Droge;
FAZ 11. 9. 1990
daß Musik . . mißbraucht werden könne . . als Droge, die von den Nöten . . des Alltags ablenkt;
Spiegel 18. 1. 1993
als der Sozialdemokrat . . eine Frage nach dem besten Schutz vor der Droge Macht knapp beschied: „Fressen, saufen, vögeln.“. GS