Meister aller Geschichtsklassen (original) (raw)
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Zum Tode von Werner Tübke, der wie kein anderer Maler unserer Zeit in und aus der Vergangenheit lebte
Quelle: (c) DIE ZEIT 03.06.2004 Nr.24 3. Juni 2004
Oft erzählte er von seinem Heute im Gestern. Von Cranach und Dürer, die für ihn enge Kollegen waren. Von seinem ersten Leben, das er in der Renaissance verbracht habe – "als Mönch in einem Kloster der Toskana".
Auch im 20. Jahrhundert lebte Werner Tübke als mönchischer Einzelgänger, nur hatte er das Kloster gegen eine Villa im vornehmen Leipziger Stadtteil Gohlis ausgetauscht. Pünktlich um acht ging er in den zweiten Stock hinauf, zu den Staffeleien und den akribisch geordneten Tuben, Näpfen und Pinseln. Er schaltete das Radio ein, streifte seinen weißen Kittel über und begann, was er sein "Vor-sich-hin-Schnurren" nannte. "Ich nehme mir nichts vor", sagte er. "Ich male, wie der Vogel singt."